Volkswagen, Stellen

Volkswagen: Bis zu 100.000 Stellen gefährdet – Aufsichtsrat entscheidet am 9. Juli

29.06.2026 - 19:17:02 | boerse-global.de

Volkswagen-Betriebsrat wirft Vorstand mangelnde Transparenz bei Stellenabbau vor. Medienberichte deuten auf bis zu 100.000 betroffene Jobs hin.

VW-Krise: Betriebsrat kritisiert Vorstand wegen fehlender Stellenabbau-Details
Volkswagen - Eine einzelne, silhouettierte Figur in einem Anzug steht in einer Fabrikhalle vor einem digitalen Bildschirm mit Datenvisualisierungen. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Konzernbetriebsrat kritisiert die Unternehmensführung scharf – wegen fehlender Details zum geplanten Stellenabbau. Trotz eines umfassenden Antwortschreibens auf 86 Fragen blieb der Vorstand konkrete Zahlen schuldig.

Antwortschreiben ohne klare Botschaft

Der VW-Vorstand legte ein 43-seitiges Dokument vor. Darin räumt das Management ein: Die bisherigen Kostensenkungen reichen nicht. Aber: Konkrete Zielgrößen für den Abbau von Arbeitsplätzen? Fehlanzeige. Der Betriebsrat beklagt, dass das Management zu den tatsächlichen Dimensionen der Umstrukturierung schweige.

Interne Berichte und Medieninformationen zeichnen derweil ein weitaus deutlicheres Bild. Das Manager Magazin spricht von einem Abbau von bis zu 100.000 Stellen – eine Verdopplung der bisher diskutierten Pläne. Insider aus dem Umfeld der WirtschaftsWoche halten diese Zahl für zu hoch. Dort wird spekuliert: Die ursprünglich geplanten 50.000 Stellenstreichungen könnten um weitere 20.000 bis 30.000 erhöht werden. Das Ziel: Das sogenannte „Zielbild 2030“ soll die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.

Vier Standorte unter Druck

Die Unsicherheit betrifft insbesondere vier deutsche Produktionsstandorte. Berichten zufolge stehen die Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm zur Disposition. In diesen Werken arbeiten mehr als 45.000 Mitarbeiter. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2030 zwar tariflich ausgeschlossen. Doch Schließungen ganzer Standorte könnten die bisherigen Beschäftigungsgarantien infrage stellen.

Anzeige

Angesichts drohender Werksschließungen und massiver Umstrukturierungen müssen Arbeitnehmervertreter jetzt ihre strategischen Mitbestimmungsrechte kennen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie einen gerechten Sozialplan verhandeln und die Interessen Ihrer Kollegen wirksam schützen. Kostenlosen Ratgeber für den Sozialplan herunterladen

Die Arbeitnehmervertreter und die IG Metall haben bereits massiven Widerstand angekündigt. Die Entscheidung über die künftige Strategie fällt am 9. Juli. Dann kommt der Aufsichtsrat zusammen – und die Arbeitnehmervertreter haben dort derzeit die Mehrheit.

An der Börse zeigt sich die Anspannung: Das VW-Papier notierte Ende Juni bei 74,40 Euro. Ein Minus von 3,68 Prozent – der Kurs nähert sich dem 52-Wochen-Tief.

Politischer Gegenwind

Auch aus der Politik regt sich Unmut. Der Oberbürgermeister von Salzgitter, Frank Klingebiel, kritisierte die Entwicklung scharf. Er verwies auf eine Einigung aus Dezember 2024, die Standorterhalt und Beschäftigungsgarantien vorsah. Das Werk in Salzgitter beschäftigt rund 7.500 Mitarbeiter. Das Land Niedersachsen, das über 20 Prozent der Stimmrechte hält, lehnt Werksschließungen grundsätzlich ab.

Die ganze Branche ächzt

Die Krise bei Volkswagen steht im Kontext massiver Einschnitte in der gesamten deutschen Automobilindustrie. Die wachsende Konkurrenz aus China setzt alle Hersteller unter Druck. Auch andere reagieren mit Sparmaßnahmen.

Anzeige

Wenn die Geschäftsführung wie bei Volkswagen wichtige Details zum Stellenabbau schuldig bleibt, benötigen Betriebsräte die richtigen Instrumente zur Informationsbeschaffung. Nutzen Sie diesen Gratis-Guide mit 25 gezielten Fragen an die Geschäftsleitung, um volle Transparenz über die wirtschaftliche Lage Ihres Unternehmens zu erzwingen. 25 Fragen an die Geschäftsleitung – jetzt gratis sichern

Mercedes-Benz hat ein Programm für freiwillige Entlassungen eingeleitet, das von rund 5.500 Mitarbeitern genutzt wurde. Zudem wird eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche erwogen.

Porsche meldete für das erste Quartal 2026 einen Absatzrückgang von 15 Prozent auf 60.991 Fahrzeuge. Das China-Geschäft brach um 21 Prozent ein. Der operative Gewinn des Sportwagenherstellers war bereits 2025 um 92,7 Prozent auf 413 Millionen Euro eingebrochen. Porsche-Chef Michael Leiters erwägt zwar die Rückverlagerung der Cayenne-Produktion von der Slowakei nach Leipzig – knüpft dies jedoch an harte Lohnzugeständnisse.

Neben der Automobilbranche melden auch andere Sektoren wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Einzelhandelskette Depot kündigte nach einer erneuten Insolvenz die Schließung von 66 Filialen an, 330 Beschäftigte sind betroffen. Im Brauereisektor steht die Schließung der Herforder Brauerei Ende August bevor, während für die Paderborner Brauerei ein Verkauf in diesem Jahr angestrebt wird.

de | wirtschaft | 69654418 |