Nestlé wegen Zucker in Baby-Nahrung in der Kritik
18.04.2024 - 03:15:27Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern NestlĂ© steht wegen Babynahrung in der Kritik. Nach einer Analyse der Schweizer Organisation Public Eye, die sich fĂŒr die Einhaltung der Menschenrechte durch Unternehmen mit Sitz in der Schweiz einsetzt, setzt das Unternehmen Babynahrung in manchen LĂ€ndern Zucker zu. Betroffen seien Entwicklungs- und SchwellenlĂ€nder, westliche LĂ€nder wie Deutschland dagegen nicht.
«NestlĂ© macht Babys und Kleinkinder in einkommensĂ€rmeren LĂ€ndern zuckersĂŒchtig», heiĂt es in dem Bericht, der einen Tag vor der Generalversammlung der NestlĂ©-AktionĂ€re am Donnerstag veröffentlicht wurde. Public Eye forderte NestlĂ© auf, «die Doppelmoral» zu beenden. NestlĂ© stritt die Ergebnisse der Laboranalysen auf Nachfrage nicht ab.
Nach den Analysen von Public Eye und dem Internationalen Aktionsnetzwerk zur SĂ€uglingsnahrung (IBFAN) in einem belgischen Labor enthielten Proben bestimmter Folgemilchprodukte fĂŒr Kleinkinder aus Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien keinen Zuckerzusatz. In Proben aus LĂ€ndern wie Bangladesch, Indien, Pakistan, SĂŒdafrika, Ăthiopien und Thailand sei aber zwischen 1,6 und 6,0 Gramm Zucker pro Portion zugesetzt gewesen. Im schlimmsten Fall entspricht das mehr als einem StĂŒck WĂŒrfelzucker, das 4 Gramm wiegt.
Auch in Getreideprodukten fĂŒr Babys fand das Labor viel Zucker, auch in Produkten, die in Europa verkauft werden. Dazu sagt NestlĂ©: «Wir entwickeln und reformulieren unsere Getreideprodukte fĂŒr SĂ€uglinge weiter, um den Gehalt an zugesetzten Zuckern weiter zu reduzieren, ohne Kompromisse bei QualitĂ€t, Sicherheit und Geschmack einzugehen. In manchen LĂ€ndern in Europa gibt es Produkte ohne Zuckerzusatz, zusĂ€tzlich zu den herkömmlichen Produkten mit Zuckerzusatz.»
ErnĂ€hrungsexperten sagen, wenn Kinder frĂŒh an den Zuckergeschmack gewöhnt werden, greifen sie meist auch spĂ€ter vermehrt zu zuckerhaltigen Produkten. Das könne zu Fettleibigkeit fĂŒhren oder Krankheiten wie Diabetes begĂŒnstigen. NestlĂ© war in den 1970er-Jahren schon in der Kritik, weil es in EntwicklungslĂ€ndern fĂŒr Babymilchpulver warb. Viele MĂŒtter dachten, dies sei gesĂŒnder als ihre eigene Muttermilch. Weil vielerorts kein sauberes Wasser zur VerfĂŒgung stand, brachte es Babys aber in Gefahr. Seit Langem betont das Unternehmen aber: «Wir unterstĂŒtzen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), fĂŒr die ersten sechs Lebensmonate eines Babys ausschlieĂlich zu stillen.»


