VW-Krise, Arbeitsplätze

VW-Krise: Bis zu 100.000 Arbeitsplätze und vier Werke bedroht

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 06:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Volkswagen erwägt den Abbau von bis zu 100.000 Stellen und die Schließung von vier deutschen Werken. IG Metall protestiert, die Politik mischt sich ein.

VW-Krise: Aufsichtsrat berät über drastische Sparpläne und Werksschließungen
VW-Krise - Nahaufnahme der Hände eines Fabrikarbeiters, die auf einer Metalloberfläche in einer schwach beleuchteten Automobilfabrik ruhen, was Unsicherheit symbolisiert. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bis zu 100.000 Arbeitsplätze weltweit könnten wegfallen, vier deutsche Werke stehen zur Disposition. Zeitgleich protestieren zehntausende Beschäftigte gegen die Pläne.

Proteste begleiten Aufsichtsratssitzung

Die IG Metall hat für heute zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen. In Wolfsburg ist eine zentrale Kundgebung vor dem Markenhochhaus geplant – direkt vor der Aufsichtsratssitzung um 14:30 Uhr. Auch in Emden, Zwickau und Hannover finden Proteste statt.

Da für die Beschäftigten derzeit Friedenspflicht gilt, gibt es keine Warnstreiks. Stattdessen setzen die Arbeitnehmervertreter auf kreative Formate: Autokorsos bei Porsche in Stuttgart oder Flashmobs bei Audi in Ingolstadt.

Die Arbeitnehmerseite reagiert damit auf die Pläne von Konzernchef Oliver Blume. Er will VW im Rahmen eines „Zielbilds 2030“ grundlegend umbauen. Bereits vereinbarte Stellenstreichungen von rund 37.000 Jobs reichen aus Sicht der Unternehmensführung nicht aus, um die Renditeziele zu erreichen.

Die Standortsicherung bis 2030, erst 2024 vereinbart, steht nun auf der Kippe.

Welche Werke bedroht sind

Nach Informationen aus Branchenkreisen könnten die Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm geschlossen werden. Die Kosten dort wurden zwar bereits um rund 20 Prozent gesenkt – doch externe Faktoren belasten die Bilanz massiv.

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Das schwächelnde China-Geschäft, drohende US-Zölle und die stagnierende Nachfrage nach E-Autos in Europa setzen den Konzern unter Druck. Auch die Renditebringer Audi und Porsche entwickeln sich rückläufig.

Experten gehen davon aus, dass die heutige Sitzung zunächst einen Richtungsentscheid bringt. Finale Beschlüsse zu einzelnen Standorten könnten später folgen. Ein Alternativplan sieht vor, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, um die strategische Neuausrichtung zu legitimieren.

Politik schaltet sich ein

Die Krise bei Volkswagen hat die Bundespolitik erreicht. Der Bundestag befasst sich heute Nachmittag in einer Aktuellen Stunde mit der Situation der deutschen Automobilindustrie.

Das Land Niedersachsen, das 20 Prozent an VW hält, lehnt Werksschließungen ab. Ministerpräsidenten aus süddeutschen Bundesländern warnen vor einem schwierigen Herbst für die Branche. Sie fordern Korrekturen bei der E-Auto-Prämie und den regulatorischen Vorgaben für Verbrenner.

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VDA-Präsidentin Hildegard Müller betont die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen und mahnt strikte Kostendisziplin an. Sie regt an, deutsche Produktionsstätten für ausländische Hersteller zu öffnen.

Konzernchef Blume prüft bereits, Modelle chinesischer Partner in europäischen Werken zu fertigen. Während die Produktion in Dresden bereits ausgelaufen ist, sucht man für Osnabrück nach Lösungen – auch Kooperationen mit der Rüstungsindustrie sind im Gespräch.

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