Wacker, Chemie

Wacker Chemie: 1.600 Stellen weg – Kürzung bei Gehalt und Arbeitszeit

13.05.2026 - 11:40:18 | boerse-global.de

Wacker Chemie einigt sich mit Betriebsrat auf Abbau von 1.600 Stellen. Burghausen trägt Hauptlast, Gehaltsverzicht bis 2028 vereinbart.

Wacker Chemie: 1.600 Stellen weg – Kürzung bei Gehalt und Arbeitszeit - Foto: über boerse-global.de
Wacker Chemie: 1.600 Stellen weg – Kürzung bei Gehalt und Arbeitszeit - Foto: über boerse-global.de

Der Münchner Chemiekonzern Wacker Chemie hat sich mit dem Betriebsrat auf einen umfassenden Stellenabbau geeinigt. 1.600 Arbeitsplätze fallen weg, betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2027 ausgeschlossen.

Der Deal ist Teil des Effizienzprogramms „PACE", mit dem der Konzern auf die tiefe Krise der deutschen Chemieindustrie reagiert. Im vergangenen Geschäftsjahr fuhr Wacker einen Nettoverlust von rund 805 Millionen Euro ein – eine dramatische Wende nach einem Gewinn von 261 Millionen Euro im Jahr 2024.

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Das Abkommen: Freiwilligkeit statt KĂĽndigungen

Die Einigung vom 8. Mai 2026 sieht vor, dass die Stellenstreichungen ausschließlich über freiwillige Programme abgewickelt werden. Abfindungen und Altersteilzeit-Modelle sollen die Mitarbeiterzahl senken. Das ist der Kern des Sozialpakets, das die Verhandlungsführer nach monatelangen Gesprächen präsentierten.

Doch der Deal hat einen Preis für die Belegschaft: Alle deutschen Mitarbeiter müssen ab diesem Jahr bis 2028 auf vier Prozent ihres Gehalts und ihrer Arbeitszeit verzichten. Für einen Vollzeitbeschäftigten bedeutet das eine Reduzierung auf rund 37 Stunden pro Woche. Die Betriebsräte bezeichnen diesen Schritt als schmerzhaft, aber alternativlos, um die Beschäftigungsgarantie zu sichern.

Burghausen trägt die Hauptlast

Besonders hart trifft es den Hauptstandort Burghausen, das globale Zentrum der Silikon- und Polysilizium-Produktion. Von den 1.600 wegfallenden Stellen in Deutschland entfallen 1.300 auf Burghausen. Die Region, in der Wacker das industrielle Rückgrat des Chemie-Clusters „ChemDelta Bavaria" bildet, blicgt mit Sorge auf die Entwicklung.

Die weiteren KĂĽrzungen verteilen sich auf:
- NĂĽnchritz (Sachsen): 200 Stellen
- MĂĽnchen (Konzernzentrale): 60 Stellen
- Kleinere Standorte: 50 Stellen

Die Krise: Hohe Energiekosten und schwache Nachfrage

Der Stellenabbau ist die logische Konsequenz einer strukturellen Krise. CEO Christian Hartel führt die Probleme immer wieder auf die unwettbewerbsfähigen Strompreise in Deutschland zurück. Hinzu kommen eine schwache Nachfrage aus der Bau- und Halbleiterbranche sowie fallende Preise für Polysilizium – einem Schlüsselmaterial für die Solarindustrie.

Die Überkapazitäten internationaler Wettbewerber setzen Wacker massiv unter Druck. Bereits Ende 2025 hatte der Konzern Sonderaufwendungen von über 100 Millionen Euro für die ersten Restrukturierungskosten verbucht.

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Ausblick: Sparen fĂĽr die Zukunft

Das PACE-Programm soll jährliche Einsparungen von mehr als 300 Millionen Euro bringen. Das Geld ist dringend nötig, um in zukunftsträchtige Bereiche wie Halbleiter und Biotechnologie zu investieren.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 rechnet Wacker mit einem leichten Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) soll zwischen 550 und 700 Millionen Euro liegen – gestützt durch die ersten Effekte des Sparprogramms.

Die Umsetzung beginnt sofort. Die meisten freiwilligen Abgänge sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Das Management setzt dabei auf die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und die Flexibilisierung der Schichtsysteme, um die Produktivität trotz kleinerer Belegschaft zu halten.

Ob der Standort Burghausen langfristig gesichert ist, hängt maßgeblich von der industriellen Strompreispolitik in Deutschland ab. Die Einigung verschafft beiden Seiten Zeit – doch die grundlegenden Probleme der europäischen Chemieindustrie sind damit nicht gelöst.

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