Westbalkan-Regelung: Kabinett halbiert Kontingent auf 25.000 Arbeitskräfte
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 23:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Bundeskabinett hat in Berlin eine Verordnung von Bundesarbeitsminister Schweitzer beschlossen, mit der das jährliche Kontingent für den erleichterten Zuzug von Arbeitskräften aus sechs Westbalkan-Staaten ab dem kommenden Jahr von 50.000 auf 25.000 Personen halbiert wird.
Die Maßnahme geht auf eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD zurück, die auf eine Initiative der Unionsparteien fußt. Ziel der Bundesregierung ist es, offene Stellen vorrangig mit inländischen Arbeitslosen zu besetzen.
Die sogenannte Westbalkan-Regelung besteht seit 2016 und gilt für Staatsangehörige aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien sowie Serbien. Für das Inkrafttreten ist die Zustimmung des Bundesrats erforderlich. Die Länderkammer befasst sich voraussichtlich am 18. Dezember mit der Neuregelung.
Sieben Bundesländer lehnen das Vorhaben derzeit ab. Laut dem Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums soll die Bundesagentur für Arbeit ab dem 1. Januar 2027 nur noch 25.000 statt bisher 50.000 Erstzustimmungen pro Jahr erteilen. Bei gleichmäßiger Verteilung sinkt das monatliche Volumen rein rechnerisch von rund 4.170 auf rund 2.080 Zustimmungen.
Hohe Beschäftigungsquote und Engpässe am Arbeitsmarkt
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit arbeiteten im September 2026 rund 546.000 Westbalkan-Staatsangehörige sozialversicherungspflichtig in Deutschland, was einem Zuwachs von 170.000 Personen gegenüber dem Stand von vor fünf Jahren entspricht.
Rund 53 Prozent dieser Gruppe übten mindestens eine qualifizierte Fachkrafttätigkeit aus, etwa 45 Prozent davon in einem offiziell ausgewiesenen Engpassberuf. Zudem gehen 98 Prozent der über die Westbalkan-Regelung eingereisten Arbeitskräfte einer festen Beschäftigung nach.
Die Nachfrage der Wirtschaft nach dem Instrument war zuletzt anhaltend hoch. Das bisherige Jahreskontingent für 2026 war nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit bereits vor dem Jahresende vollständig ausgeschöpft; im Jahr 2025 war dies Ende November der Fall.
Demgegenüber meldete die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dass Ende 2025 fast 10.000 von insgesamt 25.000 Plätzen der kurzzeitig kontingentierten, auf acht Monate befristeten Beschäftigung ungenutzt geblieben seien.
Wer im Angesicht knapper Personalressourcen seine bestehende Belegschaft optimal steuern möchte, benötigt eine fundierte Strategie. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie die Personalbedarfsplanung strukturiert angehen und so die Effizienz Ihres Unternehmens spürbar steigern. Personalplanungs-Ratgeber jetzt kostenlos herunterladen
Scharfe Kritik aus der Bauwirtschaft
Zahlreiche Wirtschaftsverbände warnten vor den Folgen der Kontingentkürzung für den deutschen Arbeitsmarkt. Besonders deutliche Einwände erhob die Bauwirtschaft. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, forderte die Rücknahme des Beschlusses.
Auf dem Bau habe jeder siebte Beschäftigte einen ausländischen Pass, zudem gingen rund 35 Prozent der Visa über diese Regelung an Baubetriebe. Durch die Halbierung würden der Branche knapp 9.000 Arbeitskräfte fehlen.
Pakleppa bezeichnete das Programm als das erfolgreichste Modell zur Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften aus Drittstaaten und mahnte an, die Abläufe stattdessen durch schnellere, digitale Verfahren weiterzuentwickeln. Zudem fehle die angekündigte Work-and-Stay-Agentur weiterhin.
Auch Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, wies auf die Belastung für den Sektor hin. Die Arbeitskräfte aus dem Westbalkan ließen sich nicht einfach durch inländische Arbeitslose oder Personal aus anderen Wirtschaftszweigen ersetzen, da viele über spezifische Erfahrung im Baubereich verfügten, insbesondere bei Beton- und Stahlarbeiten.
Eine vorausschauende Personalplanung wird für Unternehmen immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Erfahren Sie in diesem gratis E-Book, mit welchen Methoden Profis ihren Personalbedarf ohne Bauchgefühl berechnen und so rechtzeitig auf Marktveränderungen reagieren können. Methoden zur strukturierten Personalplanung entdecken
Vor dem Hintergrund von 17.000 Bauarbeitern, die allein im letzten Jahr in den Ruhestand gegangen seien, führe der Entzug von 9.000 Stellen zu Verzögerungen und Mehrkosten im Wohnungsbau und bei Infrastrukturprojekten.
Parallel zu den Kürzungsplänen beraten Politik und Wirtschaft über künftige Zuwanderungsverfahren. Bei einem Treffen im Europa-Park Rust diskutierten Unternehmensvertreter aus Mittelstand, Industrie und Handwerk auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Yannick Bury mit Vorständin Vanessa Ahuja von der Bundesagentur für Arbeit über die Ausgestaltung der geplanten Work-and-Stay-Agentur. Ziel dieser Institution soll es sein, die bislang zersplitterten Verwaltungsverfahren künftig zu bündeln und planbarer zu gestalten.
