Accenture, Dragos

Accenture kauft Dragos für 3,2 Milliarden: Mega-Deal in der OT-Sicherheit

20.06.2026 - 00:55:19 | boerse-global.de

Accenture kauft sich mit Dragos, runZero und NetRise für 4,1 Milliarden Euro an die Spitze der Industrie-Sicherheitsbranche.

Accenture investiert Milliarden in OT-Sicherheit durch Dragos-Übernahme
Accenture - A shadowy figure in a hoodie works on holographic screens, displaying network diagrams, symbolizing cybersecurity for critical infrastructure. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der IT-Dienstleister Accenture kauft sich mit einem milliardenschweren Paket an der Spitze der Industrie-Sicherheitsbranche ein. Am 18. und 19. Juni 2026 sicherte sich der Konzern eine Mehrheitsbeteiligung an Dragos sowie die vollständige Übernahme der beiden Firmen runZero und NetRise. Der Gesamtwert der Transaktion liegt bei rund 4,1 Milliarden Euro – ein deutliches Signal, wie ernst die Bedrohungslage für Kraftwerke, Wasserwerke und Fabriken inzwischen genommen wird.

Accenture formt eine industrielle Sicherheitsplattform

Der Deal bewertet Dragos allein mit rund 3,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen bleibt unter der Transaktion eigenständig – geführt von CEO Robert M. Lee. runZero und NetRise werden dagegen vollständig in die Dragos-Struktur integriert. Ziel ist eine umfassende „xOT"-Sicherheitsplattform, die operative Technologien in Fabriken und Versorgungsnetzen schützt.

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Die drei Firmen zusammen erwirtschaften einen jährlichen wiederkehrenden Umsatz von rund 208 Millionen Euro – ein Plus von 53 Prozent. Zum Vergleich: Der gesamte OT-Cybersicherheitsmarkt wird für 2026 auf rund 27 Milliarden Euro geschätzt. Der Abschluss der Übernahme wird für August oder September erwartet.

Staatliche Angreifer setzen Infrastruktur unter Druck

Die Konsolidierung kommt zu einem Zeitpunkt wachsender geopolitischer Spannungen im Cyberspace. Richard Horne, Chef des britischen National Cyber Security Centre (NCSC), warnte am 19. Juni: Rund 75 Prozent aller Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur im Vereinigten Königreich gehen auf staatliche Akteure zurück. Namentlich nannte er Russland, China und Iran.

Das NCSC habe im vergangenen Jahr mehr als 200 bedeutende Vorfälle bearbeitet. Horne prognostiziert zudem, dass Angreifer bis 2028 großflächig KI einsetzen werden, um bekannte Schwachstellen in Altsystemen auszunutzen. Er forderte Unternehmen auf, über das klassische Risikomanagement hinauszudenken – hin zu einer „wettbewerbsorientierten" Haltung, um die Widerstandsfähigkeit zu erhalten.

Altsysteme und Identitätsdiebstahl als Einfallstore

Aktuelle Studien zeigen, wo die Angreifer gezielt zuschlagen. Ein Bericht der Firma Bridewell aus dem Jahr 2026 ergab, dass 77 Prozent der Versorgungsunternehmen Angriffe auf veraltete Software oder ungepatchte Altsysteme erlebten. Phishing und Malware bleiben die Haupteinstiegspunkte, doch der Fokus verschiebt sich.

Daten des Unternehmens Doppel vom 19. Juni 2026 belegen einen starken Anstieg identitätsbasierter Angriffe im verarbeitenden Gewerbe. Gestohlene Zugangsdaten sind zur dominanten Bedrohung geworden – ermöglicht durch Vishing, die Nachahmung von Führungskräften und betrügerische Lieferantenportale. Ein kompromittierter Drittanbieter zieht im Schnitt 5,28 weitere Opfer mit sich.

Neue Standards – aber fehlende Experten

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Das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) veröffentlichte am 19. Juni einen neuen Leitfaden zur Datensicherung für OT-Umgebungen. Die „OT Backup Quick Start Guide" gibt Industrieunternehmen einen Rahmen, um kritische Assets wie speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) und verteilte Leitsysteme (DCS) zu sichern. Empfohlen werden redundante Speicherung, Integritätsprüfungen durch Hashing und regelmäßige Tests auf Nicht-Produktivsystemen.

Doch selbst mit neuen Richtlinien bleibt ein gravierendes Problem: die Personallücke. Auf der Konferenz Critical Effect warnten Experten am 19. Juni vor einem eklatanten Missverhältnis zwischen der Größe potenzieller Angriffe und der Zahl verfügbarer Einsatzkräfte. Analysten des Institute for Security and Technology (IST) und der TPO Group schätzen, dass es weltweit weniger als 1.000 spezialisierte OT-Notfallhelfer gibt. Ein koordinierter Angriff auf nur ein Prozent der geschätzten 50.000 bis 60.000 Wassersysteme in den USA würde die globale Reaktionskapazität vermutlich sprengen.

In Großbritannien versuchen heimische Firmen, die Lücke mit neuer Technologie zu schließen. Das Unternehmen e2e-assure launchte am 19. Juni „Cumulo" – eine KI-gesteuerte Sicherheitsplattform, die IT- und OT-Umgebungen schützen soll. Die Plattform nutzt digitale Zwillinge und proprietäre KI-Modelle, um Bedrohungen zu erkennen, bevor sie zu Vorfällen eskalieren. Damit reagiert sie auf die Forderung des britischen Geheimdienstes GCHQ nach einem nationalen „Cyber-Schild".

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