Anabolika im Kraftsport: Jeder Dritte entwickelt eine SteroidabhÀngigkeit
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medienberichte thematisieren eine wachsende Verbreitung von Anabolika und anderen muskelaufbauenden Substanzen im Fitness- und Kraftsport, die sich vor allem bei mÀnnlichen Teenagern bemerkbar macht.
Berichten des Schweizer Senders SRF vom 6. Oktober 2026 zufolge greifen vermehrt junge Trainierende zu leistungssteigernden Mitteln, um Muskelmasse und Kraftaufbau kĂŒnstlich zu beschleunigen. Mediziner und Sportfachleute warnen jedoch vor drastischen gesundheitlichen Folgen, die von irreparablen OrganschĂ€den bis hin zu akuten Lebensgefahren reichen.
Hohes AbhÀngigkeitspotenzial und körperliche FolgeschÀden
Nach EinschÀtzung des Suchtmediziners Philip Bruggmann vom ARUD-Zentrum entwickelt rund ein Drittel der Konsumierenden eine SteroidabhÀngigkeit. Einen sicheren oder medizinisch kontrollierten Konsum gebe es im nicht-therapeutischen Kraftsport nicht.
Die Folgen des Missbrauchs betreffen praktisch den gesamten Organismus: Neben schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen drohen Hautprobleme, Leber- und NierenschÀden, ZeugungsunfÀhigkeit sowie erhebliche psychische Störungen. Bruggmann verweist darauf, dass zunehmend junge MÀnner infolge des Anabolikakonsums unvermittelt im Schlaf sterben.
Wie stark das Thema bereits MinderjĂ€hrige berĂŒhrt, verdeutlichen Einzelfallberichte. So plant der 17-jĂ€hrige Bodybuilder Colin, sich mit Erreichen der VolljĂ€hrigkeit erstmals muskelaufbauende Substanzen zu injizieren, wĂ€hrend seine Mutter halbjĂ€hrliche Herz- und Blutkontrollen vorbereitet.
Gleichzeitig zeigen Erfahrungen Ă€lterer Athleten die langfristigen Risiken: Der 52-jĂ€hrige Marc Berbet kehrte nach mehrjĂ€hriger Unterbrechung zu hochdosierten Steroiden zurĂŒck, woraufhin Blutwerte einen bedrohlich erhöhten HĂ€matokritwert aufwiesen; inzwischen befindet er sich seit einigen Monaten in einer Testosteron-Ersatztherapie.
Psychiatrische Dimensionen und verbotene Wirkstoffklassen
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Neben körperlichen SchĂ€den spielt die Psyche eine zentrale Rolle beim Konsum. Dr. Ingo Butzke vom UniversitĂ€ren Psychiatrischen Zentrum Bern betont, dass beispielsweise fĂŒr die Substanz Trenbolon keine gesundheitlich unbedenkliche Dosierung existiere. Mögliche Konsequenzen seien Bluthochdruck, ungĂŒnstige Blutfettwerte, HerzschĂ€den sowie PhĂ€nomene starker AggressivitĂ€t.
Zudem verweist Butzke auf das Krankheitsbild der Muskeldysmorphie, bei dem Betroffene der dauerhaften Ăberzeugung unterliegen, nicht muskulös genug zu sein. Typische Warnzeichen einer Muskelsucht umfassen SchuldgefĂŒhle bei Trainingspausen, das Trainieren trotz Verletzung oder Krankheit sowie die VernachlĂ€ssigung sozialer Beziehungen.
Gleichzeitig greifen Athleten nicht nur auf klassische anabol-androgene Steroide zurĂŒck. Nach Angaben der Organisation Swiss Sport Integrity sind auch selektive Androgenrezeptor-Modulatoren (SARMs) sowie Ibutamoren (MK-677) verboten.
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Deren Einnahme birgt Risiken wie Herzinfarkte, SchlaganfĂ€lle, Psychosen, LeberschĂ€den und Hodenatrophie. Weitere untersuchte Substanzen wie Trestolone oder Nandrolon fĂŒhren ebenfalls zu einer starken UnterdrĂŒckung der körpereigenen Hormonproduktion, Libidoverlust und HerzmuskelvergröĂerungen.
Physiologische Grundlagen und natĂŒrliche TrainingsansĂ€tze
Anabol-androgene Steroide basieren auf synthetischen Abkömmlingen des körpereigenen Testosterons. Sie forcieren das Muskelwachstum ĂŒber eine gesteigerte Proteinsynthese, Satellitenzell-AktivitĂ€t und Stickstoffretention. WĂ€hrend Testosteron biologisch wesentliche Entwicklungs- und Stoffwechselfunktionen steuert, fĂŒhrt die Zufuhr von auĂen zu schweren hormonellen Ungleichgewichten.
Auch andere Trends im Fitnessbereich bergen Risiken: Bruggmann hĂ€lt fest, dass ĂŒbermĂ€Ăiger Proteinkonsum Verdauungsstörungen begĂŒnstigen kann und Hinweise auf ein gesteigertes Risiko fĂŒr Arterienverkalkung und Herzinfarkte liefert, da ĂŒberschĂŒssige Energie als Fettgewebe gespeichert wird.
Experten raten daher von nicht-medizinischen Eingriffen ab und verweisen auf nachhaltige Trainings- und Regenerationsprinzipien. FĂŒr den Aufbau empfehlen Sportmediziner progressives Training, gezielte Ruhephasen sowie eine ausgewogene NĂ€hrstoffzufuhr. FĂŒr AnfĂ€nger genĂŒge im Regelfall ein Ganzkörpertraining zweimal pro Woche, wĂ€hrend Fortgeschrittene ihr Trainingspensum auf bis zu vier Einheiten aufteilen können.
