Antibiotika und Zucker: Studie zeigt 24 Prozent weniger Darmvielfalt
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 21:56 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein erhöhter Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel und Getränke während einer Antibiotikatherapie verringert die Diversität der Darmmikrobiota signifikant. Dies geht aus einer am 5. Oktober 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichten Studie hervor, die den Einfluss der Ernährung auf das Mikrobiom von Krebspatienten untersuchte.
Während Antibiotika bekanntermaßen die bakterielle Vielfalt im Verdauungstrakt angreifen, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine zuckerreiche Ernährung diesen schädigenden Effekt merklich verstärken kann.
Bakterielle Vielfalt sinkt unter Doppelbelastung
Die fünfjährige Untersuchung, die am Memorial Sloan Kettering Cancer Center im Zeitraum von 2017 bis 2022 durchgeführt wurde, umfasste 173 stationäre Blutkrebspatienten vor einer allogenen Stammzelltransplantation.
Das Forschungsteam wertete insgesamt 9.419 Mahlzeiten sowie rund 1.000 Stuhlproben von 158 Patienten aus. Dabei wurden zwischen 8 und 128 Mahlzeiten pro Patient in einem Zeitfenster von 12 Tagen vor bis 49 Tagen nach der Transplantation dokumentiert. Rund 80 Prozent der Teilnehmenden erhielten im Behandlungsverlauf mindestens ein Breitbandantibiotikum.
Die statistischen Modelle der Studie verdeutlichen den Einfluss der Ernährung: Pro 100 Gramm zusätzlicher süßer Lebensmittelkategorie fiel die bakterielle Diversität während der Antibiotikagabe um 24 Prozent geringer aus, wobei das 95-Prozent-Konfidenzintervall dieses 24,1-prozentigen Rückgangs zwischen 7,7 und 38,1 Prozent lag.
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Dieser Wert bezieht sich auf das Trockengewicht der jeweiligen Lebensmittelkategorie und nicht auf isolierten reinen Zucker. Eine begleitende Nährstoffanalyse ergab zudem einen Rückgang der Mikrobiomdiversität um 20,6 Prozent je 100 Gramm Zucker.
Laut einem Bericht von aponet war die Bakterienvielfalt je 100 Gramm Zuckeraufnahme in den 48 Stunden vor der Behandlung zusätzlich um 21 Prozent vermindert. Ein isolierter Zuckerkonsum ohne gleichzeitige Antibiotikaeinnahme zeigte diesen negativen Effekt auf die Vielfalt hingegen nicht.
Zunahme resistenter Keime und klinische Folgen
Neben dem allgemeinen Verlust an Bakterienarten beobachteten die Forschenden eine Verschiebung der Zusammensetzung im Darm. Während der Antibiotikatherapie nahmen Enterokokken zu; die Kombination aus Zucker und Antibiotika ging mit einem verstärkten Auftreten von Enterococcus faecium einher.
Laborversuche mit Mäusen stützten diesen Befund: Nach der Gabe von Antibiotika und Zucker lag die Menge an Enterokokken im Vergleich zur reinen Antibiotikagabe am dritten Tag 16,3-mal und am sixth Tag 33,4-mal höher.
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Bei Versuchen, in denen Mäusen nach der Gabe von Biapenem Saccharose verabreicht wurde, verstärkte sich das Vorkommen von Enterokokken um das 16-Fache an Tag 3 und um das 33-Fache an Tag 6. Auch im Tiermodell trat die zuckerbedingte Zunahme der Keime ausschließlich im Zusammenspiel mit Antibiotika auf.
Bei Patienten mit überdurchschnittlichem Zuckerkonsum war jeder zusätzliche Tag unter Breitbandantibiotika mit einem um rund 12 Prozent höheren Sterberisiko verbunden. Bei Personen mit einem geringeren Zuckerkonsum war dieser statistische Zusammenhang mit einem Wert von 1,07 nicht signifikant.
Grenzen der Übertragbarkeit und offene Fragen
Trotz der deutlichen Zusammenhänge warnen die Autoren vor voreiligen Schlüssen für die Allgemeinbevölkerung. Die Untersuchung konzentrierte sich auf eine schwer kranke, immunsupprimierte Patientengruppe. Eine Begrenzung zugesetzten Zuckers während einer Antibiotikatherapie könnte nach Ansicht der Wissenschaftler zwar unterstützend wirken, ein genereller Nutzen für Personen außerhalb einer Krebstherapie ist bislang jedoch nicht belegt.
Studienleiter Marcel van den Brink betonte, dass eine allgemeine Empfehlung zum Zuckerverzicht verfrüht sei und weitere klinische Studien folgen müssten.
Die vorliegenden Beobachtungsdaten belegen weder, dass ein Verzicht auf Zucker Infektionen verlässlich verhindert, noch dass sich die Resultate auf sämtliche Antibiotikapatienten übertragen lassen. Ebenso lässt sich aus dem vorliegenden Datenmaterial keine konkrete Richtlinie für eine sichere oder schädliche Alltagsmenge an Zucker ableiten.
