Apothekenreform, Bundestag

Apothekenreform: Bundestag stimmt ĂŒber neues Gesetz ab

20.05.2026 - 10:39:14 | boerse-global.de

Bundestag stimmt ĂŒber Apothekengesetz ab. Biosimilar-RabattvertrĂ€ge werden verschoben, Zweigapotheken-Regeln verschĂ€rft.

Apothekenreform: Bundestag stimmt ĂŒber neues Gesetz ab - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Apothekenreform: Bundestag stimmt ĂŒber neues Gesetz ab - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Mai 2026 ĂŒber das neue Apothekengesetz ab – ein wegweisender Moment fĂŒr die Gesundheitsversorgung in Deutschland. Die geplanten Änderungen betreffen Millionen Patienten, besonders Ă€ltere Menschen mit Mehrfachmedikation.

Biosimilars: Milliarden-Sparpotenzial bleibt ungenutzt

Die große Koalition hat die EinfĂŒhrung von exklusiven RabattvertrĂ€gen fĂŒr Biosimilars ĂŒberraschend auf Juli 2028 verschoben. Zwar bleiben sogenannte Open-House-VertrĂ€ge möglich, doch der GKV-Spitzenverband muss nun bis Juni 2027 einen umfassenden Bericht vorlegen.

Der AOK-Bundesverband reagierte scharf. Dr. Carola Reimann spricht von einem „Einknicken vor der Pharmaindustrie". Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) beziffert die verpassten Einsparungen auf bis zu 2,33 Milliarden Euro jĂ€hrlich. „Gewaltige Summen bleiben ungenutzt, wĂ€hrend die Beitragszahler die Zeche zahlen", kritisiert Reimann.

Neue Regeln fĂŒr Zweigapotheken

Parallel zur Finanzdebatte verschĂ€rft die Regierung die Vorschriften fĂŒr Zweigapotheken. KĂŒnftig dĂŒrfen sie nur noch von Inhabern einer nahegelegenen Hauptapotheke betrieben werden. Als „entfernt" gilt eine Strecke von mehr als sechs Kilometern oder Gebiete mit schlechter Verkehrsanbindung.

Pro Inhaber sind maximal zwei Zweigapotheken zusĂ€tzlich zu bestehenden Filialen erlaubt. Die Genehmigungen gelten zehn Jahre und sind verlĂ€ngerbar – es sei denn, die Versorgungssituation verbessert sich.

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Polypharmazie: Jeder zweite Senior nimmt Medikamente falsch ein

Die Sicherheit der Medikamentenversorgung ist nicht nur eine Frage der Logistik, sondern auch der klinischen Betreuung. Daten der UniversitĂ€t Witten/Herdecke zeigen: Über 75-JĂ€hrige nehmen tĂ€glich durchschnittlich fĂŒnf bis acht verschiedene Medikamente ein.

Die Folge: Bis zu 50 Prozent der Verordnungen werden nicht wie vorgeschrieben eingenommen. Typische Fehler sind vergessene Dosen, falsche Einnahmezeitpunkte und eigenmĂ€chtiges Absetzen. Apotheken haben deshalb bereits Anfang der Woche spezielle Medikationschecks fĂŒr Patienten mit fĂŒnf oder mehr Dauerverordnungen gestartet.

KalziumprÀparate: Herzstiftung warnt vor Risiken

Eine Studie der UniversitĂ€t Hongkong aus April 2026 bringt neue Erkenntnisse: Bei 35.000 Herzpatienten erhöhte die Einnahme von KalziumprĂ€paraten das Risiko fĂŒr erneute Herzinfarkte oder SchlaganfĂ€lle um etwa zehn Prozent. Besonders gefĂ€hrdet sind MĂ€nner bei Tagesdosen ab 1.000 mg.

Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt betroffenen Patienten dringend eine individuelle Nutzen-Risiko-AbwÀgung mit ihrem Arzt. Vitamin D könnte die Effekte teilweise abmildern.

GefÀhrlicher Import: Zoll beschlagnahmt Potenzhonig

Die IntegritĂ€t der Lieferkette bleibt ein Problem. Zollbeamte in Furth im Wald stellten kĂŒrzlich 1,15 Kilogramm „Potenzhonig" auf der A3 bei Straubing-Bogen sicher. Das aus der TĂŒrkei importierte Produkt enthielt den verschreibungspflichtigen Wirkstoff Sildenafil.

Die Behörden warnen eindringlich vor solchen unregulierten Mitteln. Nicht deklarierte Inhaltsstoffe können zu schweren Nebenwirkungen wie Bluthochdruck und Schwindel fĂŒhren – und lebensbedrohliche Wechselwirkungen mit Herzmedikamenten auslösen.

SturzprĂ€vention: Bewegung als SchlĂŒssel

Die Pflegereform 2026 setzt verstĂ€rkt auf PrĂ€vention. Ein Beispiel ist das „Plöner Modell" – eine 120-stĂŒndige Qualifizierung fĂŒr Seniorenassistenten, die in Berlin, Hamburg und Kiel angeboten wird.

SturzprĂ€vention wird dabei immer wichtiger. In Großbritannien stĂŒrzt jeder dritte ĂŒber 65-JĂ€hrige jĂ€hrlich, bei den ĂŒber 80-JĂ€hrigen ist es jeder Zweite. Die Johanniter veranstalteten am 8. Mai in Miltenberg Aktionstage unter dem Motto „Aktiv und sicher bewegen".

Empfohlene Übungen:
* Einbeinstand und SeiltĂ€nzergang fĂŒr die StabilitĂ€t
* Gewichtsverlagerungen und Minikniebeugen fĂŒr Bein- und Rumpfmuskulatur
* Koordinationsaufgaben mit gleichzeitigen Arm- und Beinbewegungen
* Tai Chi und leichtes Krafttraining

Technik gegen den „langen Liegen"

Die National University of Ireland Galway testet im EU-Projekt FATE ein innovatives Sturzerkennungssystem. FĂŒr 2,25 Millionen Euro werden tragbare Sensoren und Heim-WLAN-Netzwerke genutzt, um StĂŒrze bei Probanden ab 64 Jahren zu erkennen – drinnen wie draußen.

Ziel ist es, das „lange Liegen" zu verhindern – wenn GestĂŒrzte stundenlang ohne Hilfe auf dem Boden ausharren mĂŒssen.

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Roboterchirurgie: PrĂ€zision durch den „Single Port"

Das Marien Hospital Herne investierte 2,4 Millionen Euro in ein „daVinci Single Port"-Robotersystem. Der Clou: Komplexe urologische Eingriffe sind kĂŒnftig durch einen einzigen Schnitt möglich – bisher waren vier bis fĂŒnf ZugĂ€nge nötig.

Die Oberlausitz-Kliniken nutzen bereits seit August 2025 Robotersysteme fĂŒr Prostataentfernungen und Nierenresektionen. Die Vorteile: weniger Blutverlust und kĂŒrzere Krankenhausaufenthalte fĂŒr Ă€ltere Patienten.

PSA-Screening: Neue Cochrane-Analyse

Eine aktuelle Cochrane-Metaanalyse vom 19. Mai 2026 liefert neue Erkenntnisse zum PSA-Screening. Demnach verhindert das Screening zwei TodesfĂ€lle pro 1.000 untersuchten MĂ€nnern – fĂŒhrt aber auch zu 36 zusĂ€tzlichen Diagnosen.

Die Herausforderung bleibt die Überdiagnose. Langzeitstudien zeigen, dass bei acht bei 47 Prozent der Behandelten Komplikationen wie Inkontinenz oder Impotenz auftreten können.

Ausblick: Was bringt die Zukunft?

Die Verabschiedung des Apothekengesetzes am 22. Mai 2026 wird den Rahmen fĂŒr das nĂ€chste Jahrzehnt der Arzneimittelversorgung setzen. Der Bericht des GKV-Spitzenverbandes 2027 entscheidet, ob das Open-House-Modell fĂŒr Biosimilars durch aggressivere Ausschreibungen ersetzt wird.

Der UrbanUrology-Kongress in Berlin am 3. Juni 2026 wird voraussichtlich weitere Details liefern, wie diese Trends in die Praxis umgesetzt werden.

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