Arbeitsstress, AOK-Ausfälle

Arbeitsstress: AOK-Ausfälle steigen um 42 Prozent – Selbstfürsorge reicht nicht

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Psychisch bedingte Fehltage bei AOK-Versicherten nahmen zu; Facharzt Wirtz empfiehlt Entlastung und Veränderungen am Arbeitsplatz.
Ein minimalistischer, sonnendurchfluteter Raum mit einem leeren Holzstuhl und weichen Schatten auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt.

Sportliche Betätigung, Meditation und Achtsamkeitsübungen können das Wohlbefinden steigern, sie ersetzen jedoch keine grundlegende Veränderung der Arbeitsbedingungen.

Wie Facharzt Gustav Wirtz von der SRH Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke in Karlsbad-Langensteinbach darlegt, handelt es sich bei Überlastung am Arbeitsplatz selten um ein reines Einstellungs- oder Resilienzproblem der einzelnen Beschäftigten. In den meisten Fällen seien vielmehr die konkreten Bedingungen am Arbeitsplatz die maßgebliche Ursache für dauerhafte Belastungen.

Typische Warnsignale für eine Überlastung

Dauerhafter Stress äußert sich in der Regel über eine Kombination aus physischen und psychischen Beschwerden. Zu den zentralen Warnsignalen zählen nach Angaben von Facharzt Gustav Wirtz eine anhaltende Erschöpfung sowie körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und eine Anfälligkeit für Infekte.

Auf psychischer und verhaltensbezogener Ebene machen sich Überlastungszustände häufig durch Gereiztheit, innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, Rückzug oder das Empfinden einer emotionalen Leere bemerkbar. Werden solche Anzeichen über längere Zeit ignoriert, steigt das Risiko für eine dauerhafte Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

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Zunehmende Ausfalltage und gesundheitliche Risiken

Die Bedeutung von arbeitsbedingtem Stress spiegelt sich auch in statistischen Auswertungen wider. Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK anlässlich der Woche der Seelischen Gesundheit vom 10. bis 20. Oktober 2026 unter dem Motto Miteinander statt nebeneinander verdeutlichen diese Entwicklung: Bei den AOK-versicherten Beschäftigten stiegen die psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage von 284 je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 im Jahr 2025 an. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 42 Prozent.

Ein Krankheitsfall dauerte im Jahr 2025 durchschnittlich 28,5 Tage, wobei das Institut darauf hinweist, dass diese Werte für AOK-Versicherte gelten und nicht auf die gesamte Erwerbsbevölkerung übertragbar sind.

Zudem zeigte eine von Felicitas Witte thematisierte Untersuchung mit Daten zu 18.500 Beschäftigten aus Deutschland, Italien und den USA, dass Personen mit sehr viel Arbeit und gleichzeitig geringen Entscheidungsmöglichkeiten ein erhöhtes Risiko aufwiesen, früher an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu sterben.

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Konkrete Schritte zur Entlastung im Berufsalltag

Um einer chronischen Überlastung entgegenzuwirken, empfiehlt Wirtz ein mehrstufiges Vorgehen. Zunächst gelte es, die eigene Lage strukturiert zu sortieren und kurzfristige Entlastungen zu schaffen. Dazu gehören die Vereinbarung von Vertretungen, die Begrenzung von Überstunden, feste Pausenzeiten sowie klare Regelungen bezüglich der Erreichbarkeit. Auch Urlaub oder gegebenenfalls eine Krankschreibung können vorübergehend Entlastung bieten.

Darüber hinaus sei das Gespräch mit der Führungskraft, dem Betriebsrat oder dem Betriebsarzt ein wesentlicher Schritt, um an den Ursachen anzusetzen. Grundsätzlich müsse der Erholung Priorität eingeräumt werden. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen an, rät der Mediziner dazu, den Hausarzt oder eine psychotherapeutische Sprechstunde aufzusuchen, um die Situation professionell abzuklären.

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