Bewegung im Alter: Training verbessert Mitochondrien bei Senioren ab 60
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deForschungsergebnisse belegen, dass regelmäßige körperliche Aktivität selbst bei Senioren ab 60 Jahren die mitochondriale Funktion verbessern und Prozesse der Gefäßalterung beeinflussen kann.
Während frühere Untersuchungen darauf hindeuten, dass der allgemeine Muskelabbau bereits um das 30. Lebensjahr einsetzt und sich um das 60. Lebensjahr beschleunigt, einhergehend mit einem Rückgang der Mitochondrien, erweisen sich die zellulären Kraftwerke auch in fortgeschrittenem Alter als anpassungsfähig.
Anpassungsfähigkeit der Zellkraftwerke im Alter
Dass das Alter kein Hindernis für zelluläre Anpassungen darstellt, zeigten unter anderem Untersuchungen aus Belgien aus dem Jahr 2019. In einer Studie mit 33 Männern, aufgeteilt in vier Gruppen nach Alter und Aktivitätsgrad, wiesen die aktiven Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 22 beziehungsweise 67 Jahren und einem wöchentlichen Trainingspensum von mindestens 6 Stunden gesündere Mitochondrien in Skelettmuskelbiopsien auf als inaktive Probanden derselben Altersgruppen.
Bereits 2018 wies ein Team um Francesca Amati an der Universität Lausanne nach, dass auch ein später Trainingsbeginn messbare Erfolge bringt. Bei 22 zuvor inaktiven Frauen und Männern mit einem Durchschnittsalter von 66 Jahren, die vier Monate lang dreimal wöchentlich auf dem Rad oder Laufband trainierten, stieg der Gehalt an Muskelmitochondrien auf das Niveau langjährig trainierter Personen an.
Krafttraining mit hohen Wiederholungen und geringem Gewicht wird in der Forschung zudem als wirksame Maßnahme gegen die muskuläre Degeneration beschrieben.
Relevanz für Stoffwechsel und chronische Krankheiten
Bereits 1967 zeigte John Holloszy in Versuchen an Ratten, dass körperliches Training die oxidative Kapazität muskulärer Mitochondrien verdoppeln konnte.
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Laut Marcos Vázquez tritt eine mitochondriale Dysfunktion, die stark mit körperlicher Inaktivität zusammenhängt, bei nahezu allen chronischen Erkrankungen auf – darunter Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber, Adipositas, Parkinson, Alzheimer, Sarkopenie und Krebs. Bewegung gelte dabei als wirksamste Gegenmaßnahme.
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024, die über 350 Studien auswertete, ergab, dass sämtliche Aktivitätsformen die Mitochondrienfunktion in jedem Alter optimieren können. Ein höheres Trainingsvolumen zeigte bis zu einem gewissen Punkt stärkere Effekte, während hohe Intensitäten schnellere Anpassungen hervorriefen.
Ein weiteres Review aus dem Jahr 2025 empfiehlt bei begrenztem Zeitbudget höhere Intensitäten; als Basis dienen allgemeine Bewegung, Krafttraining, hochintensive Intervalle und Ausdauer im niedrigen Intensitätsbereich.
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Neue Erkenntnisse aus Molekularbiologie und Gefäßforschung
Neue molekulare Details lieferte eine in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung zum Mitochondrienprotein Miro1. In Gewebeproben von 36 Personen zeigte sich eine Miro1-Erhöhung ausschließlich bei adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes, was die Insulinsignalkette über AKT hemmte.
In einer randomisierten Trainingsstudie mit 24 Betroffenen führte ein zwölfwöchiges aerobes Training an fünf Tagen pro Woche zu einer Senkung von Miro1 sowie zu einer verbesserten Insulinsensitivität und Mitochondrienfunktion. Versuche an Mäusen mit um etwa 70 Prozent reduziertem Miro1-Spiegel im Muskel bestätigten eine bessere Glukoseaufnahme.
Ergänzend erstellte das CeMM in Wien anhand von über 375.000 Einzelzellen aus 290 Proben den sogenannten Human Aging Endothelial Cell Atlas. Die Daten belegen, dass Endothelzellen je nach Gefäßtyp unterschiedlich altern, wobei ältere Venen weniger Gene für Gefäßneubildung und stärkere Entzündungssignale aufweisen.
Um die Zusammenhänge von Alter und Muskelfunktion weiter zu entschlüsseln, bereitet die australische Victoria University eine Untersuchung mit 96 Teilnehmern vor.
Das Vorhaben vergleicht aktive und inaktive Personen im Alter von 18 bis 28 sowie ab 65 Jahren und umfasst ein achtwöchiges Intervalltraining ab Anfang 2027. Teilnehmer erhalten je eine elektronische Gutscheinkarte im Wert von 100 US-Dollar für die Eingangs- sowie für die Abschlusstests.
