BfArM warnt vor Vitamin-Infusionen: Risiken unerforscht
13.05.2026 - 14:33:07 | boerse-global.deDoch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schlägt Alarm: Die sogenannten Drip-Spa-Infusionen seien weder wissenschaftlich belegt noch sicher.
Die Behörde warnt vor erheblichen Gesundheitsrisiken. Dazu zählen Überdosierungen, Elektrolytstörungen, allergische Reaktionen und Luftembolien. Zudem sind die verwendeten Produkte in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen.
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Auch bei herkömmlichen Nahrungsergänzungsmitteln raten Experten zur Vorsicht. Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin warnten Fachleute vor Wechselwirkungen mit Medikamenten – besonders in der Krebstherapie. US-Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Supplemente die Wirkung von Chemotherapien abschwächen könnten.
Magnesium: Weniger ist oft mehr
Selbst bei vermeintlich harmlosen Mineralstoffen wie Magnesium gilt: Nicht jeder braucht zusätzliche Pillen. Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse betonte, eine zusätzliche Einnahme sei nur bei nachgewiesenem Mangel oder extremem Schweißverlust nötig.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Männern 350 Milligramm täglich, Frauen 300 Milligramm. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät jedoch, über Supplemente nicht mehr als 250 Milligramm pro Tag zuzuführen. Viele handelsübliche Produkte liegen weit darüber.
Ballaststoffe: Die unterschätzte Wunderwaffe
Während Supplemente kritisch beäugt werden, gibt es einen klaren Konsens: Deutschland isst zu wenig Ballaststoffe. Die DGE empfiehlt mindestens 30 Gramm täglich – die Realität sieht anders aus.
Ernährungswissenschaftlerin Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern erklärt, dass Ballaststoffe nicht nur die Verdauung fördern. Sie beugen Heißhunger vor und senken den Cholesterinspiegel. Besonders effektiv sind lösliche Ballaststoffe aus Hafer, während unlösliche aus Vollkorn die Darmtätigkeit ankurbeln.
Der Ernährungsmediziner Matthias Riedl betont: Eine ballaststoffreiche Ernährung senkt das Risiko für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und bestimmte Krebsarten signifikant.
Die 30-Pflanzen-Challenge
Ein praktischer Ansatz: Pro Woche 30 verschiedene Pflanzenarten essen – Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Kräuter. Das Konzept basiert auf Erkenntnissen des American Gut Project von 2018. Die Botschaft: Vielfalt fördert die Darmgesundheit.
Auch der Biologe Bas Kast plädiert für eine Balance zwischen natürlicher Nährstoffzufuhr und gezielter Ergänzung. In einem Interview zu seinem neuen Werk betonte er die Bedeutung dieser Balance für gesundes Altern.
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Studie: Pflanzenkost verjüngt Zellen
Die University of Sydney liefert dazu neue Belege. In einer Studie mit 104 älteren Teilnehmern zeigte sich: Vier Wochen pflanzenbetonte, fettärmere Kost mit komplexen Kohlenhydraten verbesserte Entzündungsmarker, Blutzucker und Cholesterin so deutlich, dass das biologische Alter der Probanden sank. Eine fettreiche Mischkost erzielte kaum Effekte.
Eine Meta-Analyse im Fachblatt „BMJ Nutrition Prevention & Health“ mit über 300.000 Teilnehmern untermauert die Wirkung von Hülsenfrüchten auf den Blutdruck. Regelmäßiger Verzehr senkt das Risiko für Bluthochdruck um 16 Prozent, Sojaprodukte um 19 Prozent. Der optimale Effekt von fast 30 Prozent wurde bei täglich 170 Gramm Hülsenfrüchten erreicht. Zum Vergleich: In Europa liegt der Durchschnittsverzehr bei mageren 8 bis 15 Gramm.
Intervallfasten: Zeitfenster zweitrangig?
Zum Intervallfasten liefern neue Studien differenzierte Ergebnisse. Eine Untersuchung in „Nature Medicine“ zeigte: Zeitrestriktives Essen (Essensfenster von 13 bis 19 Uhr) führte bei Frauen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom zu 4,32 Prozent Gewichtsverlust und verbesserten Blutzuckerwerten.
Eine deutsche Studie mit 31 übergewichtigen Frauen kam jedoch zu einem anderen Schluss: Bei identischer Kalorienzufuhr machte der Zeitpunkt der Mahlzeiten keinen signifikanten Unterschied bei Insulinresistenz oder Entzündungsmarkern. Die Ärztin Dr. Luisa Werner betont: Die Kalorienbilanz ist entscheidender als das Zeitfenster.
Der Paradigmenwechsel in der Ernährungsmedizin
Die aktuelle Datenlage zeigt einen klaren Trend: Weg von isolierten Vitaminen, hin zu einer ganzheitlichen, pflanzenbasierten Ernährung. Die Warnungen des BfArM und die Expertenmeinungen zu Magnesium belegen: Supplementierung ohne ärztliche Indikation birgt oft mehr Risiken als Nutzen.
Besonders bei Vitamin D herrscht oft Unklarheit. Das Robert Koch-Institut definiert einen Mangel erst bei Werten unter 10 ng/ml. Mediziner empfehlen Spiegel von 30 bis 50 ng/ml, warnen aber vor chronischer Überversorgung.
Die Forschung zum Darmmikrobiom untermauert die Bedeutung der Ernährungsvielfalt. Dr. Tamiko Katsumoto von der Stanford University weist darauf hin, dass ein gesundes Mikrobiom der beste Schutz gegen chronische Entzündungen ist – eine Hauptursache moderner Krankheiten.
Ausblick: Personalisierte Ernährung kommt
Für die kommenden Monate zeichnet sich eine Entwicklung ab: Die Wissenschaft entfernt sich von starren Diätvorgaben und fokussiert individuelle metabolische Profile. „Functional Foods“ wie Hülsenfrüchte und Soja werden stärker in die Präventionsberatung einfließen.
Bei vegan lebenden Menschen bleibt die Überwachung von Vitamin B12 und Eisen unverzichtbar – hier ist Supplementierung laut DGE zwingend nötig. Die Trends zu Intervallfasten und Pflanzen-Challenge dürften sich festigen. Behörden werden ihre Aufklärungskampagnen gegen Hochdosis-Präparate und invasive Methoden wie Vitamininfusionen intensivieren.
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