BMI-Diagnostik, Fachleute

BMI-Diagnostik: Mehr als 50 Fachleute fordern neue Kriterien für Adipositas

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 14:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Fachkommission empfiehlt neben dem BMI weitere Körpermaße und unterscheidet Obesität mit sowie ohne nachweisbare Gesundheitsschäden.
Ein minimalistisch eingerichtetes medizinisches Untersuchungszimmer mit einem Messstab an einer weißen Wand und einem leeren Stuhl. Illustration mit AI erstellt.

Der Body-Mass-Index (BMI) dient seit Jahrzehnten als weltweiter Standard zur Einstufung von Körpergewicht und gesundheitlichen Risiken. Doch eine internationale Expertenkommission im Fachjournal The Lancet Diabetes & Endocrinology, der mehr als 50 Fachleute angehören, dringt auf eine grundlegende Neuausrichtung der Diagnostik.

Neben dem reinen Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße empfiehlt das Gremium zusätzliche Messungen wie den Taillenumfang, das Taille-Hüfte-Verhältnis, das Taille-Größe-Verhältnis sowie bildgebende Verfahren.

Zugleich schlägt die Kommission eine Unterteilung in zwei diagnostische Kategorien vor: klinische Obesität, bei der übermäßiges Fettgewebe bereits zu Gesundheitsschäden oder Organfunktionsstörungen führt, und präklinische Obesität, bei der überschüssiges Fett ohne nachweisbare Folgeschäden vorliegt.

Grenzen der klassischen Skala und Bedeutung des Bauchfetts

Die bisherige Einteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Erwachsene bei Werten unter 18,5 als untergewichtig, zwischen 18,5 und 24,9 als normalgewichtig und von 25 bis 29,9 als übergewichtig ein.

Ab einem Wert von 30 beginnt die Einteilung der Obesität in die Grade I (30 bis 34,9), II (35 bis 39,9) und III (ab 40). Diese rein rechnerische Erfassung unterscheidet jedoch nicht zwischen Muskel- und Fettmasse und lässt die anatomische Verteilung der Fettdepots unberücksichtigt.

Besonders das viszerale Fett im Bauchraum gilt medizinisch als Treiber von Begleiterkrankungen. Robert Kushner von der Northwestern University, Mitglied der Expertenkommission, verweist darauf, dass Bauchfett systemische Entzündungen verursacht, die zu erhöhtem Blutzucker, Bluthochdruck und ungünstigen Blutfettwerten führen können.

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Für europäischstämmige Erwachsene gelten beim Taillenumfang daher gesonderte Schwellenwerte: Bei Frauen liegt ein erhöhtes Risiko ab 80 Zentimetern und ein deutlich erhöhtes Risiko ab 88 Zentimetern vor.

Bei Männern greifen diese Schwellen ab 94 beziehungsweise 102 Zentimetern. Das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) empfiehlt bei einem BMI unter 35 kg/m², den Taillenumfang stets unter der halben Körpergröße zu halten.

Stoffwechselrisiken bei unauffälligem Körpergewicht

Dass das reine Körpergewicht bei der Risikobewertung trügen kann, belegen mehrere epidemiologische Untersuchungen. In der ICMR-INDIAB-Studie, an der 1,13,043 Erwachsene in 31 indischen Staaten und Unionsterritorien teilnahmen, wiesen 43,3 Prozent der Untersuchten eine metabolische Adipositas auf, obwohl ihr BMI unter 25 kg/m² lag.

Bei ihnen lagen mindestens zwei kardiovaskuläre Risikofaktoren wie vergrößerter Taillenumfang, Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker oder ungünstige Blutfettwerte vor.

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Der World Obesity Atlas 2025 verzeichnet weltweit über eine Milliarde Menschen mit Obesität und verweist auf Phänomene, bei denen Betroffene trotz unauffälligen BMI-Werten hohe viszerale Fettanteile besitzen und bereits in jüngerem Alter Komplikationen erleiden.

Fachmediziner betonen auf Fachtagungen wie dem SEEN-Kongress in Spanien, dass eine umfassende Bewertung stets drei Dimensionen berücksichtigen muss: Fettmenge, Fettverteilung und Fettfunktion. Einen einzelnen Biomarker, der alle drei Aspekte vereint, gibt es bislang nicht.

Eine engere Verknüpfung der Risikofaktoren streben auch kardiologische Leitlinien an: Die American Heart Association (AHA) und das American College of Cardiology stuften das kardiovaskulär-nieren-metabolische Syndrom (CKM) in ein Staging-Modell ein, um Übergewicht frühzeitig als messbaren Risikofaktor innerhalb fachübergreifender Versorgungskonzepte zu behandeln.

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