Chronische Erkrankungen: Singen und Musik bauen Einsamkeit ab
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 15:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachpublikationen und klinische Programme heben zunehmend hervor, wie wesentlich eine frĂŒhzeitige respiratorische UnterstĂŒtzung sowie psychosoziale AktivitĂ€ten fĂŒr Menschen mit chronisch eingeschrĂ€nkter MobilitĂ€t sind.
Neben modernen technischen Verfahren zur Sicherung der Atemwege gewinnen ergÀnzende Angebote an Bedeutung. Dazu zÀhlen gemeinschaftliches Singen, kulturelle Teilhabe sowie Konzepte, die soziale Isolation abbauen und das seelische Wohlbefinden von Betroffenen stabilisieren sollen.
Technische Fortschritte bei der respiratorischen Versorgung
Eine funktionierende Atmung bildet die Grundlage fĂŒr den Erhalt von LebensqualitĂ€t und MobilitĂ€t bei chronischen Erkrankungen. Das Christliche Klinikum Paderborn investierte 50.000 Euro in ein neues Beatmungssystem fĂŒr starre Bronchoskopien, das die PrĂ€zision bei Eingriffen an den Atemwegen verbessern soll.
Wie nw.de am 18. September 2026 berichtete, nutzt die Anlage eine spezielle Form der Hochfrequenz-Jet-Beatmung, die mit einer normalen Atemfrequenz kombiniert wird. Chefarzt Andreas Zaruchas erlĂ€uterte, dass sich damit Stents implantieren sowie Tumorgewebe mittels KĂ€ltetherapie abtragen lassen. An dem Klinikum werden pro Jahr rund 1.500 Bronchoskopien durchgefĂŒhrt.
Psychosoziale Verordnungen und EinsamkeitsprÀvention
Parallel zu apparativen Therapien rĂŒckt die seelische Verfassung von Patienten in den Mittelpunkt. Auf der 3. Deutschen Social Prescribing Konferenz an der CharitĂ© Berlin wurde diskutiert, wie HausĂ€rzte Patienten mit sozialem oder emotionalem Bedarf an sogenannte Link Worker vermitteln können.
Nach Angaben von Hendrik Napierala von der Charité stehen rund 40 Prozent der hausÀrztlichen Konsultationen im Zusammenhang mit psychosozialen Problemen, wie aerzteblatt.de am 17. September 2026 darlegte.
Eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Machbarkeitsstudie lieferte positive Hinweise bei der Linderung von Einsamkeit, wenngleich ein abschlieĂender Wirksamkeitsnachweis noch aussteht. Ein entsprechendes Hamburger Pilotprojekt verzeichnete innerhalb eines halben Jahres 229 Beratungstermine mit 156 Personen.
Chronische Erkrankungen belasten nicht nur den Körper â soziale Isolation verschlechtert nachweislich den Verlauf. Fachleute setzen deshalb zunehmend auf gemeinsames Singen und Musizieren als niedrigschwellige Begleitung. Unser kostenloser Leitfaden zeigt PflegekrĂ€ften und Angehörigen, wie Sie solche Angebote konkret in den Alltag einbauen. Kostenlosen Praxisleitfaden anfordern
Differenzierte Wirkungen von Musik und Gemeinschaft
Zu den niedrigschwelligen Interventionen zĂ€hlt das gemeinsame Musizieren und Singen. Kinderliedermacher Rolf Zuckowski, dessen Karriere 1978 mit der Langspielplatte âRolfs Vogelhochzeitâ begann, erklĂ€rte laut einem Bericht der Evangelischen Zeitung vom 18. September 2026, dass gemeinsames Musizieren viel zum FamilienglĂŒck beitragen könne, und ermutigte auch Erwachsene zum Singen.
In Rheine setzt die Interkulturelle Woche vom 23. bis 30. September 2026 unter dem Motto âVielfalt verbindet!â auf diesen Ansatz: Dort wurde ein internationaler Chor unter der Leitung von Ruud von Iterson gegrĂŒndet, der am 23. September 2026 beim Eröffnungsfest auftritt.
Gleichzeitig verweisen Fachleute auf differenzierte Effekte akustischer Reize. Nach EinschÀtzung des Psychokardiologen Dr. Roland Prondzinsky beruhigt langsame Musik Menschen nicht automatisch, ebenso wie schnelle Rhythmen nicht zwangslÀufig anregend wirken, wie chip.de am 17. September 2026 berichtete.
Eine Untersuchung an 144 Musikstudentinnen zeigte demnach, dass sowohl individuell bevorzugte stimulierende als auch ruhige StĂŒcke Anspannung und Ăngste in Ă€hnlichem MaĂe abbauten. Eine Metaanalyse von 14 Experimenten mit 706 gesunden Erwachsenen ergab zudem keinen verlĂ€sslichen Gesamteffekt von Musik auf die Erholung nach akutem Stress.
Kreative AnsÀtze in Palliative Care und Seelsorge
In Einrichtungen der Hospizarbeit und Seelsorge ergĂ€nzen kreative Ausdrucksformen die Betreuung. Die Caritas Fulda veranstaltete gemeinsam mit dem Dekanat Fulda einen eintĂ€gigen Seminarkurs zum Thema âMusik, Kunst und Literatur in der Seelsorgeâ. Die Leitung ĂŒbernahmen Diakon Dr. Meins G. S. Coetsier und Dekanatsreferentin Dorothea Coetsier-Fuhrmann.
Viele PflegekrĂ€fte und Angehörige spĂŒren, dass ihren chronisch kranken Menschen etwas fehlt â wissen aber nicht, wie sie das GesprĂ€ch ĂŒber seelische Not beginnen sollen. Unser Leitfaden erklĂ€rt, wie Sie psychosozialen Bedarf frĂŒh erkennen und Betroffene an passende Angebote vermitteln. Checkliste jetzt herunterladen
Auch humorvolle und erzĂ€hlerische Impulse werden im palliativen Kontext genutzt. Bei einer Fachtagung des Palliativnetzes Emsdetten-Greven-Saerbeck in der Kirche St. Mary's in Greven sprach Diplom-Psychologin Marion Duddek-Baier von der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel ĂŒber Humor in der palliativen Versorgung und bezeichnete diesen als Hilfsmittel fĂŒr den Augenblick.
ErgĂ€nzend bieten die freiberufliche MĂ€rchenerzĂ€hlerin Sonja Fischer und Gemeindereferentin Marie Pieck Harfenmusik und ErzĂ€hlprojekte fĂŒr Hospizvereine an, um schwer kranke Menschen und Angehörige emotional zu begleiten.
