Chronische Schmerzen bei Kindern: Therapeutischer App-Kontakt verbessert Alltag
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn Deutschland leiden mehr als 500.000 Kinder und Jugendliche unter chronischen Schmerzen. Um Behandlungserfolge nach einem stationĂ€ren Aufenthalt langfristig zu sichern, rĂŒcken digitale Nachsorgeangebote verstĂ€rkt in den Fokus der klinischen Forschung.
Am 22. Oktober 2026 zeichnete die Deutsche Schmerzgesellschaft auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim Amelie Schmidt von der UniversitĂ€t Witten/Herdecke mit dem Förderpreis fĂŒr Schmerzforschung in der Kategorie âKlinische Forschungâ aus. Der mit 7000 Euro dotierte Preis wĂŒrdigt ihre wissenschaftliche Publikation zur App-gestĂŒtzten Nachbehandlung bei jungen Patientinnen und Patienten.
Digitale UnterstĂŒtzung im Projekt Feed-bApp
Die Forschungsarbeit basiert auf Daten aus dem Projekt âFeed-bAppâ, das mit ĂŒber zwei Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wurde. Im Zentrum der Untersuchung stand die mobile Anwendung âMyBrainCityâ, die von den Teilnehmenden ĂŒber einen Zeitraum von sechs Monaten genutzt wurde.
Am Deutschen Kinderschmerzzentrum in Datteln werden jĂ€hrlich ĂŒber 300 stationĂ€re Patientinnen und Patienten mit schweren chronischen Schmerzstörungen betreut, deren regulĂ€re Therapiedauer drei Wochen betrĂ€gt.
Die wissenschaftliche Evaluation zeigte deutliche Unterschiede im weiteren Behandlungsverlauf: Wurden die Kinder und Jugendlichen zusĂ€tzlich durch eine Schmerzpsychotherapeutin begleitet, wiesen sie gröĂere Verbesserungen der AlltagsfunktionalitĂ€t auf als bei rein automatisierten Nachrichten durch die Anwendung.
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Positive Effekte hinsichtlich DepressivitĂ€t und Angst traten zudem ausschlieĂlich dann auf, wenn die Therapeutin aktiv Kontakt zu den Betroffenen aufnahm.
FrĂŒhe Intervention und multimodale Versorgung
Die Notwendigkeit einer strukturierten Schmerztherapie betrifft das gesamte Gesundheitssystem. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft anlĂ€sslich des Aktionstags gegen den Schmerz 2026 sind deutschlandweit mehrere Millionen Menschen von chronischen Schmerzen betroffen. Zu den hĂ€ufigsten Beschwerdebildern zĂ€hlen RĂŒckenschmerzen, Kopfschmerzen sowie Gelenk- und Nervenschmerzen.
Nur ein kleiner Teil der Betroffenen erhĂ€lt bislang eine spezialisierte Behandlung. Eine multimodale Schmerztherapie, die Fachdisziplinen wie Medizin, Psychologie und Physiotherapie verbindet, findet in der Regel ĂŒber mehrere Wochen in Schmerzzentren oder Tageskliniken statt. Digitale Gesundheitsanwendungen werden dabei teilweise von gesetzlichen Krankenkassen erstattet.
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Ulrike Kaiser vom UniversitĂ€tsklinikum Schleswig-Holstein, Campus LĂŒbeck, betonte auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Schmerzkongresses in Mannheim, dass wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden möglichst frĂŒhzeitig interdisziplinĂ€r behandelt werden mĂŒssten, um einer Chronifizierung vorzubeugen.
Als Grundlage verwies sie auf das ebenfalls aus Mitteln des Innovationsfonds finanzierte Projekt PAIN 2.0. Dieses Vorhaben untersuchte ein ambulantes, interdisziplinĂ€res und multimodales Behandlungsprogramm speziell fĂŒr Personen mit einem erhöhten Chronifizierungsrisiko.
Die Erkenntnisse unterstreichen den therapeutischen Nutzen kombinierter VersorgungsansÀtze, die Fachpersonal und digitale Werkzeuge gezielt miteinander verbinden.
