Chronische Schmerzen: Forscher entdecken separaten Hirnschaltkreis
13.06.2026 - 01:00:21 | boerse-global.de
Das könnte die Behandlung revolutionieren.
Schlafende Nozizeptoren als Schmerzquelle identifiziert
Forschungsteams der University of Texas at Dallas und der RWTH Aachen haben sogenannte schlafende Nozizeptoren als Schlüsselakteure bei neuropathischen Schmerzen ausgemacht. Die Ergebnisse wurden am 12. Juni in der Zeitschrift Cell veröffentlicht.
Die Wissenschaftler erstellten ein molekulares Profil dieser Nervenzellen. Dabei identifizierten sie den Oncostatin-M-Rezeptor und das Protein Somatostatin als zentrale Marker. Ziel ist die Entwicklung gezielter Therapien, die die pathologische Aktivierung dieser Rezeptoren unterbinden. Von neuropathischen Schmerzen sind Schätzungen zufolge rund 20 Prozent der Erwachsenen in den USA betroffen.
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Getrennte Schaltkreise für akute und chronische Schmerzen
Ein weiterer Durchbruch gelang Forschern um Xiaoke Chen. Ihre am 12. Juni in Nature veröffentlichte Studie entdeckte einen spezifischen Hirnschaltkreis, der ausschließlich für chronische Schmerzsignale zuständig ist – unabhängig von akuten Schmerzprozessen.
Der Schaltkreis verbindet das Rückenmark über Thalamus und Kortex mit dem Hirnstamm. In Mäuseversuchen linderte das gezielte Stummschalten bestimmter Zellen chronische Schmerzen. Die Reaktion auf akute Schmerzreize blieb erhalten. Das stützt die These: Akute und chronische Schmerzen sind physiologisch getrennte Prozesse. Für die klinische Anwendung eröffnet das die Perspektive auf Behandlungen, die chronisches Leiden adressieren, ohne die Warnfunktion des akuten Schmerzes zu beeinträchtigen.
Cannabis-basiertes Medikament erhält Marktzulassung
Parallel zu den neurologischen Erkenntnissen schreitet die therapeutische Anwendung voran. Das Münchener Unternehmen Vertanical erhielt die Zulassung für Exilby® in Deutschland. Der Cannabis-Vollspektrum-Extrakt soll chronische Kreuzschmerzen und neuropathische Beschwerden behandeln.
Grundlage sind Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten. Die in Nature Medicine publizierten Daten belegen eine signifikante Schmerzreduktion über zwölf Monate. Im Vergleich zu Opioiden zeigte sich eine bessere Verträglichkeit und kein Abhängigkeitspotenzial. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant. Es handelt sich um eine der ersten neuen Schmerzmittelklassen seit rund 15 Jahren.
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Schmerz, Entzündung und Schlafqualität hängen zusammen
Die Universität Porto (FMUP) veröffentlichte am 11. Juni in Biomedicines eine Studie zur bidirektionalen Beziehung zwischen Schlafstörungen und chronischen Schmerzen. Zentraler Mechanismus ist die Neuroinflammation – die Aktivierung von Immunzellen im Gehirn. Ein gestörter Cortisol-Rhythmus und erhöhte pro-inflammatorische Zytokine verschlimmern den Schmerzkreislauf.
Forscher der UW-Madison untersuchten in Nature Neuroscience die Möglichkeit, regenerative Schlafprozesse künstlich zu induzieren. Mittels Optogenetik erzeugten sie in Mäusegehirnen ein für Tiefschlaf typisches Aktivitätsmuster. Das senkte den Schlafdruck und stellte die Gedächtnisleistung wieder her.
Für die Diagnose von Übermüdung entwickelte ein Team der Universität Zürich eine neue Methode. Die Forscher identifizierten zehn Biomarker im Speichel, die akuten Schlafmangel nachweisen können. Ziel ist ein Schnelltest für den Straßenverkehr und zur Sicherung der Arbeitsplatzqualität.
