Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: Forscher entschlüsseln Hirnschaltkreise

14.06.2026 - 01:51:47 | boerse-global.de

Forschung identifiziert neue Schmerzmechanismen und Therapieansätze. Cannabis-Extrakt erhält Zulassung als Opioid-Alternative in Deutschland.

Chronische Schmerztherapie: Neue Studien und Medikamente im Fokus
Chronische - Eine Nahaufnahme einer menschlichen Hand, die eine leuchtende neuronale Netzwerkprojektion berührt, symbolisiert Schmerzforschung. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Studien entschlüsseln die neuronalen Mechanismen, während innovative Medikamente und spezialisierte Angebote das therapeutische Spektrum erweitern.

Schlafende Schmerzrezeptoren entdeckt

Forscher der University of Texas at Dallas und der RWTH Aachen haben sogenannte schlafende Nozizeptoren als zentrale Akteure bei neuropathischen Schmerzen identifiziert. Die am 12. Juni in Cell veröffentlichte Studie zeigt: Der Oncostatin-M-Rezeptor und Somatostatin dienen als molekulare Marker.

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Eine zweite Studie in Nature beschreibt einen separaten Hirnschaltkreis für chronische Schmerzsignale. Dieser verbindet das Rückenmark über Thalamus und Kortex mit dem Hirnstamm – unabhängig von der akuten Schmerzverarbeitung. Erste Experimente deuten darauf hin: Die gezielte Deaktivierung bestimmter Zellen lindert chronische Beschwerden, ohne die wichtige akute Schmerzreaktion zu beeinträchtigen.

Schlaf und Schmerz: Eine verhängnisvolle Verbindung

Die Universität Porto belegt seit dem 11. Juni einen bidirektionalen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Schmerzempfinden. Die verbindende Komponente: Neuroinflammation.

Forscher der UW-Madison nutzen Optogenetik, um durch spezifische Tiefschlaf-Muster den Schlafdruck zu senken. Das Ziel: bessere kognitive Leistungsfähigkeit bei Schmerzpatienten.

Cannabis-Extrakt als Opioid-Alternative

Das Münchner Unternehmen Vertanical hat für Exilby®, einen Cannabis-Vollspektrum-Extrakt, die Zulassung in Deutschland erhalten. Das Medikament behandelt chronische Kreuzschmerzen und neuropathische Beschwerden.

Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten, dokumentiert in Nature Medicine, belegen eine signifikante Schmerzreduktion über zwölf Monate. Die Ergebnisse zeigen gute Verträglichkeit und kein Abhängigkeitspotenzial. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant.

Hintergrund: Jährlich gibt es rund 20 Millionen Opioidverschreibungen in Deutschland. Der neue Wirkstoff zielt darauf ab, diese Risiken zu reduzieren.

Neue Versorgungsstrukturen entstehen

Die Klinik am Hainberg eröffnet zum 1. Juli eine Psychosomatische Institutsambulanz. Chefärztin Dr. Kathrin Zittlau richtet sich an Patienten mit chronischen Schmerzen, Traumata oder Depressionen.

An der Universität Regensburg leitet Dr. Andreas Reißmann eine klinische Studie zur repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS). Die Untersuchung prüft, ob eine einwöchige Intensivtherapie herkömmliche, mehrwöchige Behandlungszyklen bei therapieresistenten Depressionen ersetzen kann. Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet.

Kinderrheuma: Frühzeitig handeln

In Deutschland leben bis zu 25.000 Kinder und Jugendliche mit rheumatischen Erkrankungen. Rund 15.000 sind von einer Juvenilen Idiopathischen Arthritis betroffen. Fachleute betonen: Eine konsequente und frühzeitige Therapie ist entscheidend, um dauerhafte Gelenkschäden zu vermeiden.

Die Rheuma Kinderklinik in Garmisch-Partenkirchen (seit 1952) hat eine Fundraising-Kampagne über 20 Millionen Euro gestartet. Neben klassischen rheumatischen Krankheitsbildern rücken postvirale Syndrome wie Post-COVID und das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) in den Fokus.

Digitale Überwachung gegen Borreliose

Borreliose bleibt die häufigste bakterielle Zeckenkrankheit in Deutschland. Da keine Impfung verfügbar ist und die Infektionsraten regional bis zu 35 Prozent erreichen, bleibt die klinische Diagnose essenziell. Die Wanderröte tritt bei 50 bis 70 Prozent der Betroffenen auf. Eine Chronifizierung wird ab einer Krankheitsdauer von sechs Monaten definiert.

Die Schweiz setzt auf digitale Lösungen: Das Programm NASURE (National Surveillance and Response) bündelt zwischen 2026 und 2034 Gesundheitsdaten aus Laboren, Spitälern und Praxen. Mit einem Budget von über 50 Millionen Franken soll das System den automatisierten Datenaustausch ermöglichen und Reaktionszeiten im öffentlichen Gesundheitswesen verkürzen.

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