Darm-Hirn-Störungen, Studie

Darm-Hirn-Störungen: Studie findet keine globale Verschiebung im Mikrobiom

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 22:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die untersuchten Mikrobiome Àhneln sich insgesamt; feine Unterschiede nach Krankheitsuntertypen erlauben noch keine klinische Diagnose.
Nahaufnahme einer biologischen Probe auf einem Laborglas unter dem Mikroskop. Illustration mit AI erstellt.

Bei Störungen der Darm-Hirn-Interaktion (DGBI) liegen offenbar keine weitreichenden, globalen UmbrĂŒche der Mikrobiota vor, sondern vor allem subtile VerĂ€nderungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metagenomstudie, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Microbiology erschienen ist.

Entgegen der Annahme einer allgemeinen Dysbiose deuten die Daten darauf hin, dass die mikrobiellen Profile zwischen betroffenen Personen und gesunden Vergleichsgruppen weitaus nÀher beieinanderliegen als vielfach vermutet.

Kein globaler Umbruch im Mikrobiom

Störungen der Darm-Hirn-Interaktion betreffen bis zu 40% der Weltbevölkerung und umfassen ein breites Spektrum funktioneller Magen-Darm-Beschwerden. In der wissenschaftlichen Untersuchung analysierten Forscher Proben von 86 Patienten, die nach den Rom-V-Kriterien diagnostiziert worden waren.

Unter den Erkrankten befanden sich 39 Frauen. Das klinische Bild verteilte sich auf 33 FÀlle mit funktionellen BlÀhungen, 18 Personen mit Reizdarmsyndrom vom gemischten Typ (IBS-M), 14 mit durchfallprÀdominantem Reizdarmsyndrom (IBS-D), 13 mit funktioneller Dyspepsie, 5 mit Obstipation sowie 3 Betroffene mit verstopfungsprÀdominantem Reizdarmsyndrom (IBS-C).

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Diesen Daten wurden 86 gesunde Kontrollpersonen gegenĂŒbergestellt, deren Proben dem Datensatz NCBI PRJNA557323 entstammten. Beide Kohorten waren bezĂŒglich Alter und Body-Mass-Index (BMI) einander angepasst: Das Durchschnittsalter lag bei etwa 42 Jahren in der Patientengruppe und 44 Jahren bei den gesunden Probanden, wĂ€hrend der BMI in beiden Gruppen rund 23 betrug.

Bei der statistischen Auswertung zeigten sich weder bei der Alpha- noch bei der Beta-DiversitÀt signifikante Gesamtabweichungen. Die Alpha-DiversitÀt wies weder beim Artenreichtum (Richness p=0,36) noch bei der Gleichverteilung (Pielou p=0,24) oder dem Shannon-Index (p=0,55) statistisch messbare Unterschiede auf.

Eine PERMANOVA-Analyse zur Beta-DiversitĂ€t ergab mit einem RÂČ-Wert von 0,0077 und einem p-Wert von 0,165 ebenfalls keine globale Abgrenzung der mikrobiellen Gemeinschaft zwischen den Gruppen.

Spezifische Signaturen und diagnostische Grenzen

Trotz des Ausbleibens einer umfassenden Dysbiose machten die Forscher mithilfe detaillierterer Analysemethoden feine Unterschiede ausfindig. Mittels linearer Diskriminanzanalyse (LEfSe, LDA>3,0, FDR-p<0,05) konnten subtyp-spezifische Signaturen identifiziert werden.

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So zeigte sich bei den drei untersuchten Patienten mit IBS-C eine negative Korrelation des Bakteriums Asaccharobacter celatus mit dem Wexner-Obstipationsscore, wobei die Autoren hier auf die sehr kleine Fallzahl verweisen.

Um zu prĂŒfen, ob sich die mikrobiellen Muster dennoch zur Erkennung der Erkrankung eignen, wurde ein Random-Forest-Klassifikator eingesetzt. Das Modell erzielte eine Genauigkeit von 73,1% sowie eine FlĂ€che unter der Kurve (AUC) von 0,769. Die Ergebnisse dieser Modellierung gelten jedoch als explorativ und reichen fĂŒr einen diagnostischen Einsatz in der klinischen Praxis nicht aus.

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