Darmmikrobiom: Studie mit 1 976 Proben zeigt starke Unterschiede zwischen LĂ€ndern
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 09:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zusammensetzung der menschlichen Darmflora hÀngt weit stÀrker von geografischer Herkunft und traditionellen ErnÀhrungsgewohnheiten ab als lange angenommen. Das belegen internationale Forschungsarbeiten aus den vergangenen Monaten.
Eine am 21. September 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung unter Leitung des Center for Microbiome Innovation (CMI) an der University of California San Diego verdeutlicht, wie stark kulturell geprÀgte ErnÀhrungsweisen und regionale Lebensstile die mikrobielle Vielfalt im Verdauungstrakt steuern.
Kein einheitliches globales Darmmikrobiom
Im Rahmen der sogenannten THDMI-Initiative analysierten die Forscher des CMI gemeinsam mit Partnern wie Danone Research and Innovation, dem spanischen Institut fĂŒr Agrarchemie und Lebensmitteltechnologie (CSIC), dem Institute of Science Tokyo sowie dem mexikanischen Instituto Nacional de Ciencias Medicas y Nutricion Salvador Zubiran insgesamt 1976 Proben aus Japan, Mexiko, Spanien, GroĂbritannien und den USA. Die Wissenschaftler nutzten dabei standardisierte Sequenzierungsverfahren und harmonisierte ErnĂ€hrungsdaten.
Die Auswertung ergab erhebliche nationale Unterschiede sowohl beim Lebensmittelverzehr als auch bei der mikrobiellen Zusammensetzung. Zahlreiche ZusammenhĂ€nge zwischen ErnĂ€hrung und Mikrobiom erwiesen sich als lĂ€nderspezifisch, wĂ€hrend einige Muster konsistent mit dem Healthy Eating Index ĂŒbereinstimmten.
So traten Bakterien der Gruppe Clostridia lĂ€nderĂŒbergreifend relativ verlĂ€sslich in Verbindung mit gesunder ErnĂ€hrung auf. Dagegen differenzierten Bakterien wie Prevotella und Lachnospiraceae stark nach geografischer Region.
Co-Autor Jan Knol von Danone Nutricia Research stellte fest, dass es kein einzelnes globales Mikrobiom gebe. Andrew Bartko, Direktor des CMI, verwies vor diesem Hintergrund auf die Notwendigkeit einer regional spezifischen PrÀzisionsernÀhrung.
DatenlĂŒcken und Besonderheiten in SĂŒdasien
Dass globale Verallgemeinerungen problematisch sind, unterstreicht auch die SAMBAR-Studie unter Leitung von Dr. Niraj Rai vom Birbal Sahni Institute of Palaeosciences und Dr. Maanasa Raghavan von der University of Chicago, die am 14. Juli 2026 online in der Zeitschrift Gut Microbes erschien.
Die Studie mit 1.976 Proben aus fĂŒnf LĂ€ndern zeigt: ErnĂ€hrung wirkt auf das Mikrobiom â aber nicht ĂŒberall gleich. Wer seine Darmflora gezielt unterstĂŒtzen will, braucht regionale Orientierung statt pauschaler Regeln. Unser kostenloser Praxisguide ĂŒbersetzt die Befunde in einen 7-Tage-ErnĂ€hrungsplan und eine Checkliste fermentierter Lebensmittel fĂŒr den Alltag. Kostenlosen Praxisguide Darmflora anfordern
Die Autoren wiesen darauf hin, dass im Human Microbiome Compendium bislang lediglich 3,3 Prozent der 168.464 Proben aus SĂŒdasien stammten, zumeist von SĂ€uglingen und Kindern.
Die SAMBAR-Untersuchung analysierte 575 Erwachsene aus zehn Gemeinschaften in Indien und Sri Lanka, darunter Gruppen wie Spitian, Gond, Kolam, Koya, Kani, Mizo und Pochury Naga sowie Adivasi, Singhalesen und srilankische Tamilen.
Die Proben wiesen deutliche Unterschiede zu vier weltweiten Vergleichsgruppen auf: Das Bakterium Holdemanella trat hĂ€ufiger auf, wĂ€hrend Collinsella nahezu fehlte. Zudem waren geografische Herkunft und Gemeinschaftszugehörigkeit enger mit der Bakterienzusammensetzung verknĂŒpft als die erfasste ErnĂ€hrung und der Lebensstil.
LÀndliche Teilnehmer wiesen mehr Holdemanella und Succinivibrio auf. Zugleich zeigten sich spezifische Effekte: Höherer Konsum von Weizen und Joghurt war mit mehr Bifidobacterium assoziiert, traditionelle fermentierte Sojabohnen bei den Pochury Naga mit Bacillus. Megamonas war in stÀdtischen Gruppen mit höheren Blutzuckerwerten und geringerer DiversitÀt verbunden.
Komplexe Interaktionen im Bakteriennetzwerk
ErgĂ€nzend dazu beleuchtete eine am Helmholtz-Zentrum fĂŒr Infektionsforschung (HZI) entstandene Studie von Erstautor C. Tawk und Kollegen, die in Nature Microbiology erschien und ĂŒber die Anfang Oktober 2026 berichtet wurde, das Zusammenspiel der Mikroorganismen. Unter Leitung von Prof. Till Strowig zeigte das Team in Kooperation mit dem EMBL sowie den UniversitĂ€ten Trient und TĂŒbingen, dass Ballaststoffe nicht isoliert wirken.
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In Gemeinschaften aus 21 menschlichen Darmbakterien förderte ĂŒber die HĂ€lfte von 94 getesteten Nahrungsbestandteilen das Wachstum von Segatella copri. Das pflanzliche Kohlenhydrat Arabinan begĂŒnstigte S. copri jedoch nur dann, wenn auch Escherichia coli anwesend war.
Ăhnliche unterstĂŒtzende Effekte zeigten Klebsiella und Salmonella, wobei E. coli-Varianten den Mechanismus offenbar ĂŒber ZuckermolekĂŒle als Signalsubstanzen vermitteln. Daten von rund 1000 gesunden Erwachsenen bestĂ€tigten zudem, dass S. copri und Enterobacteriaceae in nicht-industrialisierten Populationen hĂ€ufiger und artenreicher vorkommen.
