Demenz, Schlaf

Demenz und Schlaf: 40% leiden unter Nachtruhe-Störungen

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 05:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schlafprobleme treten bei Demenz hÀufig auf. Studien beleuchten ZusammenhÀnge mit Genen, Umwelt, Sterberisiko und neuen Alzheimer-Therapien.

Schlafstörungen bei Demenz: Risiken, Forschung und TherapieansÀtze
Ein ruhiges, schwach beleuchtetes Schlafzimmer bei Tagesanbruch mit weichem, durch VorhÀnge einfallendem Licht. Illustration mit AI erstellt.

FachbeitrĂ€ge und wissenschaftliche Untersuchungen thematisieren eine hohe PrĂ€valenz von Schlafstörungen bei Demenzpatienten. SchĂ€tzungen zufolge leiden bis zu 40 % aller Menschen mit Demenz an relevanten BeeintrĂ€chtigungen der Nachtruhe. UrsĂ€chlich hierfĂŒr ist hĂ€ufig eine Störung der zirkadianen Rhythmik, die durch den Untergang von Nervenzellen im Nucleus suprachiasmaticus infolge neuronaler SchĂ€digungen ausgelöst wird.

Spezifische Formen und statistische HĂ€ufungen

Die AusprÀgungen der Schlafproblematik sind vielfÀltig. Neben allgemeinen Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus treten Insomnie-Symptome bei etwa einem Drittel der Erkrankten auf. Besonders ausgeprÀgt zeigt sich die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) bei Patienten mit Lewy-Körperchen-Demenz; hier liegt die PrÀvalenz bei 76 %.

Ein weiterer kritischer Faktor ist die obstruktive Schlafapnoe, bei der 30 oder mehr Atemaussetzer pro Stunde einen erholsamen Schlaf verhindern. Fachleute beobachten dabei geschlechtsspezifische Unterschiede: Ältere Frauen mit Schlafapnoe entwickeln doppelt so hĂ€ufig eine Demenz.

In einer belgischen Studie der UniversitĂ€t LiĂšge, die im Jahr 2025 publiziert wurde, untersuchten Forscher ĂŒber 500 gesunde Teilnehmer. Dabei zeigte sich, dass Erwachsene im Alter von 50 bis 69 Jahren mit einem höheren genetischen Alzheimer-Risiko hĂ€ufiger von Mikroaufwachphasen betroffen waren. Bei jĂŒngeren Teilnehmern im Alter von 18 bis 31 Jahren konnte dieser Zusammenhang hingegen nicht festgestellt werden.

Die Rolle von Lebensstil und Umweltfaktoren

Wissenschaftliche Analysen verdeutlichen, dass der Zusammenhang zwischen Schlaf und kognitivem Verfall komplex ist. Eine Forscherin des Folkehelseinstituttet betonte, dass es oft unklar bleibe, ob schlechter Schlaf die Ursache oder eine Folge der Erkrankung sei. Bestehende Studien zeigten primÀr statistische Korrelationen auf. Dennoch gelten bestimmte Schlafmuster als Warnsignale.

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Eine US-Beobachtungsstudie begleitete ĂŒber 1.300 Ă€ltere Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von circa 81 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren. Dabei wurde regelmĂ€ĂŸiger Tagschlaf mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert. Besonders morgendliche Nickerchen gingen mit einem um etwa 30 % höheren Sterberisiko einher als spĂ€tere Ruhephasen.

Zudem beeinflussen Umweltfaktoren die Hirngesundheit. Durch Schichtarbeit bedingte zirkadiane Rhythmusstörungen können Hirn-Mikroglia in einen Stresszustand versetzen, was zu chronischen EntzĂŒndungen fĂŒhrt. In diesem Zusammenhang erhielt eine Forscherin der Texas A&M UniversitĂ€t Seed-Funding der Organisation DARI in Höhe von 1,325 Mio. US-Dollar fĂŒr elf Projekte.

Ziel ist unter anderem der Test einer extrazellulĂ€ren Vesikeltherapie zur PrĂ€vention von Demenz-assoziierter HirnentzĂŒndung. Laut EinschĂ€tzungen der Forschung sind lediglich 3 % des Alzheimer-Risikos rein genetisch bedingt, wĂ€hrend der Großteil auf UmwelteinflĂŒsse zurĂŒckzufĂŒhren ist.

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Globale Prognosen und medikamentöse AnsÀtze

Die globale Relevanz des Themas spiegelt sich in den Fallzahlen wider. Weltweit leben etwa 55 Mio. Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz, wobei Alzheimer mit 60 % der FÀlle die hÀufigste Ursache darstellt.

In Norwegen wurden fĂŒr das Jahr 2025 rund 115.000 Erkrankte verzeichnet, wobei bis 2050 eine Verdopplung erwartet wird. Global wird die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2030 auf 78 Mio. und bis 2050 auf 139 Mio. geschĂ€tzt.

Wissenschaftler der Med Uni Graz arbeiten an Verfahren zur FrĂŒherkennung, etwa durch die Bestimmung des Hippocampus-Volumens oder die Analyse von Biomarkern aus Blut und Nervenwasser. In der dortigen GedĂ€chtnisambulanz sind bereits Anti-Amyloid-Antikörper wie Lecanemab und Donanemab verfĂŒgbar.

Eine Real-World-Studie der Korea University mit 153 Patienten zeigte zudem, dass der Biomarker Plasma-p-Tau217 bereits drei Monate nach Beginn einer Behandlung mit Lecanemab signifikant sank. Die kognitive Entwicklung wurde dabei ĂŒber zwölf Monate verfolgt, wobei Patienten mit einem stĂ€rkeren RĂŒckgang des Markers seltener an Bluthochdruck litten als die Vergleichsgruppe.

PrĂ€ventiv empfehlen Experten die Beachtung beeinflussbarer Risikofaktoren wie ErnĂ€hrung, Bewegung und Schlafhygiene. So schĂŒtzt ausreichender REM-Schlaf laut neueren Forschungen vor einer Vielzahl von Erkrankungen.

Zur Optimierung der SchlafqualitĂ€t wird eine Raumtemperatur von 16–19 °C sowie der Verzicht auf Alkohol kurz vor der Nachtruhe empfohlen, da dieser die frĂŒhen REM-Zyklen unterdrĂŒckt. Zudem sollte die Halbwertszeit von Koffein, die zwischen 5 und 7 Stunden liegt, berĂŒcksichtigt werden.

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