Diclofenac: Studie mit ĂŒber 1 Million Patienten zeigt 50 Prozent mehr Herzrisiko
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deFrei verkĂ€ufliche Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen und Aspirin gehören weltweit zu den am hĂ€ufigsten genutzten Medikamenten. Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen warnen jedoch vor erheblichen gesundheitlichen Gefahren und dauerhaften OrganschĂ€den infolge von Fehl- und Ăberdosierungen.
Eine im Journal of Clinical Pharmacology veröffentlichte Studie stellte fest, dass fast 75 % der rezeptfreien Schmerzmittel falsche oder irrefĂŒhrende Kennzeichnungen aufwiesen. Zudem zeigte eine Untersuchung im Journal of Pharmacy Practice and Research, dass fast 30 % der Anwender rezeptfreie PrĂ€parate hĂ€ufiger und ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum als empfohlen einnahmen.
Paracetamol: Gefahr fĂŒr Leber und Nervensystem
Paracetamol gilt bei korrekter Dosierung als weitgehend sicher. Fachleute des Gesundheitsnetzwerks UC Christus weisen jedoch darauf hin, dass der Wirkstoff eine der Hauptursachen fĂŒr Medikamentenvergiftungen bleibt. Dies geschehe hĂ€ufig durch die unbewusste Kombination verschiedener paracetamolhaltiger Produkte wie ErkĂ€ltungssirupe, die den Wirkstoff oft unter Bezeichnungen wie âacetaminofĂ©nâ oder âAPAPâ fĂŒhren.
In Polen werden jĂ€hrlich ĂŒber 40 Mio. Packungen Paracetamol verkauft; bei einer ĂŒbertherapeutischen Dosis entstehen hepatotoxische Stoffwechselprodukte, die rasch Leber sowie Nervensystem schĂ€digen und psychische Unruhe auslösen können.
Dr. hab. Jaros?aw Woro? von der Jagiellonen-UniversitĂ€t (UJ) erklĂ€rte dazu, dass sich fĂŒr Kinder keine einheitliche gefĂ€hrliche Dosis festlegen lasse, da diese von Alter, Gewicht und Begleiterkrankungen abhĂ€nge.
Ein Verkaufsverbot ohne Rezept sei verfehlt, vielmehr bedĂŒrfe es gezielter AufklĂ€rung. Faktoren wie Fasten, UnterernĂ€hrung, Lebererkrankungen oder der gleichzeitige Konsum von Energy-Drinks und hepatotoxischen NahrungsergĂ€nzungsmitteln verringern die Sicherheitsspanne zusĂ€tzlich.
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Bei Erwachsenen liegt die ĂŒbliche Dosis bei 500 bis 1.000 mg alle sechs bis acht Stunden, wobei im Rahmen einer Selbstbehandlung maximal 3.000 mg pro Tag eingenommen werden dĂŒrfen; fĂŒr Risikopersonen gilt ein Grenzwert von höchstens 2.000 mg tĂ€glich.
Laut dem Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sollte eine eigenstĂ€ndige Behandlung ohne Ă€rztliche RĂŒcksprache maximal drei Tage dauern.
Risiken nichtsteroidaler Antirheumatika fĂŒr Nieren und Herz-Kreislauf-System
Eine im Fachjournal JAMA publizierte Untersuchung belegt, dass rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen zu Magen-Darm-Blutungen, MagengeschwĂŒren und NierenschĂ€den fĂŒhren können. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) hemmen die renalen Prostaglandine und reduzieren den Blutfluss in den Nieren.
Besonders riskant ist die gleichzeitige Einnahme von NSAR mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blockern sowie Diuretika, was in der Medizin als dreifache SchÀdigung der Nierenfunktion eingestuft wird.
FĂŒr Diclofenac gilt bei oraler Selbstbehandlung ein Maximum von fĂŒnf Tagen bei einer Tagesdosis von in der Regel höchstens 150 mg. Eine dĂ€nische Bevölkerungsstudie mit ĂŒber 1 Mio. Patienten zeigte, dass der Beginn einer Diclofenac-Kur bereits in den ersten 30 Tagen bei Standarddosen mit einem um etwa 50 % erhöhten Risiko schwerer kardialer Ereignisse im Vergleich zu Nichtanwendern verbunden war.
Wechselwirkungen und Risikogruppen
Laut der American Geriatrics Society sind Ă€ltere Erwachsene aufgrund altersbedingter VerĂ€nderungen, reduzierter Nierenfunktion und Polymedikation besonders anfĂ€llig fĂŒr Komplikationen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde NIH erhöhen Aspirin und Ibuprofen in Verbindung mit dem Gerinnungshemmer Warfarin das Blutungsrisiko deutlich.
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Auch AcetylsalicylsĂ€ure hemmt die Thrombozytenaggregation und kann gastrointestinale Ulzera begĂŒnstigen. Bei Kindern und Jugendlichen mit viralen Infekten darf Aspirin wegen der Gefahr des Reye-Syndroms nicht angewendet werden.
Roberto Carlo Rossi, PrĂ€sident der Ărztekammer Mailand, gab zu bedenken, dass gesunde Personen ohne kardiovaskulĂ€re Vorerkrankungen keine eigenmĂ€chtige Aspirin-Therapie zur Vorbeugung beginnen sollten, da der Nutzen gegen die Blutungsgefahr sorgfĂ€ltig abgewogen werden mĂŒsse.
