Vormensch lebte vorwiegend vegetarisch
19.01.2025 - 13:57:36 | dpa.deFrĂŒhe Verwandte des heutigen Menschen haben kein oder kaum Fleisch gegessen. Das haben Forschende am Max-Planck-Institut fĂŒr Chemie in Zusammenarbeit mit der Witwatersrand-UniversitĂ€t in SĂŒdafrika herausgefunden. Sie analysierten dafĂŒr die Zahnschmelzproben von sieben Vormenschen der Gattung Australopithecus, die vor etwa 3,5 Millionen Jahren im sĂŒdlichen Afrika gelebt haben. Die Studie zu Ăberresten aus den Sterkfontein-Höhlen wurde in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlicht.
Diese Höhlen sind eine bekannte FossilienfundstĂ€tte nahe Johannesburg in SĂŒdafrika. Dort wurden bereits viele Ăberreste von sogenannten Hominini gefunden. Dazu zĂ€hlen der moderne Mensch, seine direkten Vorfahren und weitere nahe Verwandte.
Zahnschmelz verrÀt die DiÀt
«Zahnschmelz ist die hĂ€rteste Substanz im Körper. Er konserviert oft einen isotopischen Fingerabdruck der Nahrung eines Tieres», sagt Geochemikerin Tina LĂŒdecke. Istope sind verschieden schwere Sorten eines Atoms, die gleichzeitig vorkommen können. «Das Stickstoff-IsotopenverhĂ€ltnis im organischen Anteil des Schmelzes kann Millionen von Jahren ĂŒberdauern.»Â
Schon seit Jahrzehnten kann man die ErnÀhrung von Tieren anhand von Stickstoffisotopen in Haaren, Krallen, Knochen oder anderem organischem Material die ErnÀhrung nachvollziehen. Doch dieses Verfahren funktioniert nur bei gut erhaltenen Fossilien, die meist nicht Àlter als einige zehntausend Jahre sind.
Denn durch die Fossilisation verschwindet organisches Material und damit auch der Stickstoff. Forschungsteams des Max-Planck-Instituts fĂŒr Chemie haben nun ein Verfahren entwickelt, durch das das Stickstoff-IsotopenverhĂ€ltnis sogar in Millionen Jahren altem Zahnschmelz bestimmt werden kann.Â
HauptsÀchlich Pflanzen auf dem Speiseplan
Der schwere Stickstoff 15N reichert sich im Lauf der Nahrungskette von den Pflanzen bis hin zu fleischfressenden Tieren im Vergleich zum leichten Stickstoff 14N an. Daher haben Fleischfresser ein höheres VerhĂ€ltnis von schwerem zu leichtem Stickstoff im Körper als Pflanzenfresser.Â
So können Forschende anhand des Stickstoff-IsotopenverhĂ€ltnisses in Gewebeproben RĂŒckschlĂŒsse darauf ziehen, wo ein Lebewesen in der Nahrungskette steht.
In diesem Fall verglich das Forschungsteam Proben des Australopithecus mit ZĂ€hnen von Tieren, die zur selben Zeit am selben Ort lebten, darunter Affen, Antilopen und Fleischfresser wie HyĂ€nen, Schakale sowie GroĂkatzen wie der SĂ€belzahnkatze.
Es stellte fest, dass die Stickstoff-IsotopenverhÀltnisse im Zahnschmelz von sieben untersuchten Australopithecus-ZÀhnen durchgehend niedrig waren. Die Werte waren demnach Àhnlich hoch wie die von Pflanzenfressern und deutlich niedriger als die von Fleischfressern.
Die Untersuchung deutet daher auf eine gröĂtenteils oder sogar ausschlieĂlich pflanzliche ErnĂ€hrung hin, auch wenn die Forschenden nicht vollstĂ€ndig ausschlieĂen können, dass der Vormensch gelegentlich EiweiĂquellen wie Eier oder Termiten zu sich nahm. Man könne davon ausgehen, dass Australopithecus keine groĂen SĂ€ugetiere jagte, wie es unter anderem der Neandertaler einige Millionen Jahre spĂ€ter regelmĂ€Ăig tat.
Fleischkonsum bringt Wende in der menschlichen Evolution
Wann genau Fleisch auf dem Speiseplan menschlicher Vorfahren auftauche, ist unklar. Dennoch gehen Forscherinnen und Forscher davon aus, dass Fleischkonsum eine entscheidende Wende in der menschlichen Evolution einlĂ€utete. Fleisch als proteinreiche Nahrung wird unter anderem mit der Zunahme des Gehirnvolumens und der Entwicklung von Werkzeugen in der Evolution des Menschen in Zusammenhang gebracht.Â
Das neu entwickelte Testverfahren könnte hier in Zukunft neue Erkenntnisse bringen und die Frage beantworten, wann Fleisch tatsĂ€chlich auf den Speiseplan der Vormenschen kam. «Unsere neue Methodik hat das Potenzial, weitere zentrale Fragen der menschlichen Evolution zu beantworten», sagt Alfredo MartĂnez-GarcĂa aus der Abteilung Klimageochemie des Max-Planck-Instituts.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

