Honig, Kritik

Nicht nur an Honig denken: Kritik am privaten Bienen-Boom

17.08.2025 - 06:00:38

Es summt wieder in vielen GĂ€rten Deutschlands. Von der privaten Bienenhaltung raten NaturschĂŒtzer eher ab. Imker halten dagegen.

Die zunehmende private Haltung von Honigbienen ist nach Ansicht des Naturschutzbundes Nabu nicht unproblematisch. «Die private Bienenhaltung ist in den letzten 20 Jahren stark angestiegen», sagt die Nabu-Referentin fĂŒr BiodiversitĂ€t, Laura Breitkreuz. «Viele Menschen verwechseln die Haltung von Honigbienen mit Naturschutz.» Demnach tragen die Tiere zwar zur BestĂ€ubung bei, können aber unter UmstĂ€nden auch ein Problem fĂŒr wildlebende Bienen darstellen. «Ich wĂŒrde derzeit davon abraten», sagt Breitkreuz. 

Die Sprecherin ruft dazu auf, sich vor der Anschaffung eines Bienenvolks bewusst zu machen, was das eigentliche Ziel sei. «Privatpersonen sollten sich erst einmal fragen: Wollen wir Honig produzieren oder wollen wir etwas fĂŒr die Umwelt tun?» Wer Honig gewinnen wolle, solle zusĂ€tzlich Maßnahmen zum Schutz der Natur ergreifen. Wer hingegen etwas fĂŒr die Umwelt tun wolle, habe dafĂŒr auch andere Möglichkeiten.

«Wer sich ein Bienenvolk in den Kleingarten stellt, der sollte auch dafĂŒr sorgen, dass es mehr BlĂŒten in der Umgebung gibt», fĂŒhrt sie weiter aus. Andernfalls entstehe zusĂ€tzliche Konkurrenz um Pollen und Nektar mit Wildbienen und anderen Insekten. Besonders heimische Pflanzen seien wichtig. Auch das Schaffen von NistplĂ€tzen etwa aus Totholz oder offenen BodenflĂ€chen könne helfen. 

Imkerbund sieht andere Probleme

Der Deutsche Imkerbund sieht dagegen keine grundsĂ€tzliche Konkurrenz zwischen Honigbienen und Wildbienen. «Die Natur hat Mechanismen eingebaut, dank denen es kaum zu Nahrungskonkurrenz kommt», sagt August-Wilhelm Schinkel, PrĂ€sidiumsmitglied des Verbands. «Wir haben 600 Bienenarten, die sich von unterschiedlichen Pflanzen ernĂ€hren, die zu unterschiedlichen Tageszeiten blĂŒhen.» Die Tiere seien auch nicht alle zur gleichen Tageszeit unterwegs.

Derzeit gebe es in Deutschland rund eine Million Honigbienenvölker in privater Haltung, sagt der Imker. 1951 seien es noch etwa zwei Millionen gewesen. «Eigentlich haben wir genug Nahrung, um alle Bienen zu ernÀhren. Nur ist es so, dass die nicht gleich verteilt ist», so Schinkel. MonokulturflÀchen, Pestizideinsatz und FlÀchenversiegelung schrÀnken die LebensrÀume von Wildbienen und Insekten ein.

«Die Imkerei hat mit Naturschutz erstmal nichts zu tun», betont Schinkel. Es handle sich um ein Handwerk, das seit dem Mittelalter betrieben werde. Dennoch legten viele Imkerinnen und Imker auch Wert auf Naturschutz – etwa, indem sie fĂŒr ganzjĂ€hrig blĂŒhende Pflanzen rund um ihre Völker sorgten. «Eine einheitliche Bewertung zu diesem Thema fĂŒr ganz Deutschland zu geben ist schwer, da ĂŒberall unterschiedliche Bedingungen vorliegen.»

Hobbyimker lebt Naturschutz

FĂŒr Hobbyimker Detlef KĂ€pnick aus Brandenburg ist die Debatte nicht neu. Seine Meinung: «Die private Bienenhaltung ist nicht gleich Naturschutz, aber wer es richtig machen will, der muss Naturschutz mitdenken.» Der 70 Jahre alte Rentner hĂ€lt seit vier Jahren Honigbienen in seinem Garten im Nuthetal (Potsdam-Mittelmark) – inzwischen sind es sechs Völker. Auch wenn sein erster Gedanken sich um den Honig drehte, war ihm von Anfang an klar, dass er auch Verantwortung fĂŒr die Tiere trĂ€gt. 

«Ich habe ein Dreivierteljahr, bevor ich die Bienen bekommen habe, angefangen, mir Wissen anzueignen», sagt KĂ€pnick. «Ich habe geschaut, ob es genĂŒgend verschiedene Pflanzen im Garten gibt, die ein oder andere ist noch hinzugekommen, auch ein paar ObstbĂ€ume.»

KĂ€pnicks Ansicht nach muss man sich immer auch mit Wildbienen beschĂ€ftigen. «Es ist schließlich die Urbiene, die soll natĂŒrlich erhalten bleiben.» KĂ€pnick bietet in seinem Garten und im angrenzenden WaldstĂŒck auch RĂŒckzugsmöglichkeiten fĂŒr Wildbienen. Es gibt neben den Beeten und BĂ€umen auch einen wilden BlĂŒhstreifen, Wasserstellen und sogenannte Insektenhotels. 

«Das Imkern kann problematisch sein, zum Beispiel in StĂ€dten, wenn die natĂŒrlichen LebensrĂ€ume eingeschrĂ€nkt sind», sagt der Hobbyimker. Dann könne es zu Konkurrenz kommen. «Dann mĂŒsste man mit Quoten arbeiten und die Menge an Bienen regulieren, dafĂŒr braucht es Untersuchungen. Im lĂ€ndlichen Raum ist das eher kein Thema.»

@ dpa.de