EU-Softwareverzeichnis, US-Dominanz

EU-Softwareverzeichnis: 433 europÀische Tools gegen US-Dominanz

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 01:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Ein neues Verzeichnis listet 433 europÀische Software-Tools auf, die US-Produkte ersetzen sollen. Die EU treibt mit Milliardeninvestitionen die digitale SouverÀnitÀt voran.

EuropÀisches Software-Verzeichnis: 433 Alternativen zu US-Tools
GlĂŒhende digitale Europakarte mit verbundenen Linien und Knoten, die europĂ€ische Software- und Datennetze darstellt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Initiative ist Teil einer umfassenden Strategie der EU, die AbhĂ€ngigkeit von US-Tech-Konzernen zu reduzieren. Bereits jetzt zeichnet sich ab: Der Kontinent rĂŒstet digital auf.

Kartierung des europÀischen Softwaremarktes

Am 16. Juli 2026 ging ein von EuroAlternative entwickeltes Verzeichnis online, das erstmals einen umfassenden Überblick ĂŒber den europĂ€ischen Softwaremarkt bietet. Die Plattform listet 433 Software-Tools aus 34 LĂ€ndern auf und ordnet sie 350 etablierten US-Produkten aus 36 Kategorien zu.

GrĂŒnder Piotr Kulpinski will Unternehmen den Wechsel zu lokalen Alternativen erleichtern. So finden sich etwa sechs europĂ€ische Salesforce-Konkurrenten – darunter Pipedrive, Odoo und Folk. Die Open-Source-Plattform Odoo startet bereits bei 19,90 Euro monatlich.

Der Handlungsbedarf ist enorm: Rund 80 Prozent der digitalen Produkte in Europa stammen aus dem Ausland. SchĂ€tzungen zufolge geben europĂ€ische Organisationen jĂ€hrlich etwa 264 Milliarden Euro fĂŒr nicht-europĂ€ische Digitaltechnik aus.

Behörden setzen auf Open Source

Die öffentliche Hand zieht Konsequenzen. Am 1. Juli startete unter FĂŒhrung der französischen Caisse des DĂ©pĂŽts die Initiative EuroCommons. Mit einem Budget von 18 Milliarden Euro sollen 300 europĂ€ische Organisationen den Ausstieg aus nicht-europĂ€ischen AbhĂ€ngigkeiten schaffen.

In Deutschland zeigt sich das besonders deutlich: Mecklenburg-Vorpommern steigt bei Dateispeicherung und Zusammenarbeit auf Nextcloud um – und folgt damit dem Beispiel Schleswig-Holsteins. DĂ€nemark setzt zunehmend auf Linux und LibreOffice. Treiber dieser Entwicklung sind Bedenken wegen Vendor-Lock-in und des US-amerikanischen CLOUD Act.

Rechenzentren made in Europe

Auch die Infrastruktur wird europĂ€ischer. Der E-Mail-Dienst Fastmail eröffnet im August 2026 ein eigenes Rechenzentrum in Amsterdam – mit dedizierter Hardware fĂŒr EU-Kunden.

Im Cloud-Sektor investiert die Schwarz-Gruppe rund 11 Milliarden Euro in ihre Plattform STACKIT. Die EU-Kommission vergab zudem einen 180-Millionen-Euro-Auftrag fĂŒr das Cloud-III-Projekt an ein Konsortium aus STACKIT, Scaleway, Post Telecom und Proximus. In den Niederlanden planen Behörden den Bau staatlich kontrollierter Rechenzentren.

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KĂŒnstliche Intelligenz aus Europa

Das Pariser Startup Mio verließ Mitte Juli die Stealth-Phase – mit 1,9 Millionen Euro von Fabric.vc and Topology.vc. Der KI-Assistent ist DSGVO-konform, lĂ€uft auf europĂ€ischen Servern und spart Nutzern einer ersten Studie zufolge durchschnittlich 8,2 Stunden pro Woche.

In Deutschland stellte ein öffentlich-privates Konsortium Soofi S vor – ein Sprachmodell, trainiert auf 27 Billionen Tokens mit 253.000 GPU-Stunden auf NVIDIA-B200-Hardware in MĂŒnchen. Das Modell erreicht 79,1 Punkte in deutschen Sprachbenchmarks.

FĂŒr Medienaufgaben bietet Spotwatch GmbH den Dienst purple.audio an – KI-Transkription und Untertitelung auf deutschen Servern, ab 2 Euro pro Stunde.

Gesetzliche Rahmenbedingungen verschÀrfen sich

Die EU-Kommission verabschiedete im Juni 2026 ein Tech-Sovereignty-Paket fĂŒr Halbleiter, Cloud und KI. Der Cloud and AI Development Act soll die europĂ€ische Cloud-KapazitĂ€t in fĂŒnd bis sieben Jahren verdreifachen.

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Der Digital Markets Act zwingt Google, bis Januar 2027 Suchdaten mit Konkurrenten zu teilen und bis Juli 2027 das Android-System fĂŒr konkurrierende KI-Dienste zu öffnen.

Selbst im Bereich der nationalen Sicherheit suchen europĂ€ische Dienste nach Alternativen. Das deutsche Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz vergab im Mai 2026 einen Auftrag an ChapsVision. Das niederlĂ€ndische Verteidigungsministerium gibt sich zwei Jahre Zeit, um eine europĂ€ische Alternative fĂŒr seine Datenanalyse-Tools zu finden.

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