Fettleber: Spätes Essen erhöht das MASLD-Risiko laut Langzeitstudie um 36 Prozent
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deMediziner weisen verstärkt auf die oft schleichende Natur von Lebererkrankungen hin und betonen die Bedeutung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Einfluss der Ernährung. Im Fokus stehen dabei steatotische Lebererkrankungen wie die metabolisch bedingte Fettleber (MASLD) und die metabolisch-alkoholische Form (MetALD).
Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass entzündungsfördernde Kostformen mit einer erhöhten Sterblichkeit bei betroffenen Patienten verknüpft sind, während zugleich der zeitliche Ablauf der Nahrungsaufnahme das Erkrankungsrisiko maßgeblich beeinflussen könnte.
Entzündungsindex und Sterblichkeitsrisiko bei Fettlebererkrankungen
Eine Kohortenstudie mit 3.048 US-Erwachsenen, die an einer steatotischen Lebererkrankung (MASLD oder MetALD) litten, untersuchte den Zusammenhang zwischen entzündungsfördernder Nahrung und der Überlebensrate. Die Auswertung ergab, dass das höchste Tertil des sogenannten Dietary Inflammatory Index mit einer signifikant höheren Mortalität assoziiert war als die niedrigeren Tertile.
Im Gegensatz dazu war eine antioxidantienreiche Ernährung in der Kohorte mit besseren Überlebenschancen verbunden. Diese Befunde unterstreichen die klinische Relevanz von Entzündungsprozessen bei bereits bestehender Leberverfettung.
Risiko durch spätes Essen: Ergebnisse einer groß angelegten Langzeitstudie
Neben der inhaltlichen Zusammensetzung rückt der Zeitpunkt der Mahlzeiten in den Fokus der Forschung. Eine gemeinsame Untersuchung der Oregon Health & Science University (OHSU) und des Massachusetts General Hospital, veröffentlicht im Fachjournal Clinical Gastroenterology and Hepatology, analysierte Daten von 199.155 Personen.
Die Datensätze entstammten der Nurses' Health Study, der Nurses' Health Study II sowie der Health Professionals Follow-up Study. Das mediane Alter der überwiegend weiblichen Kohorte lag bei 59 Jahren; etwa 22 Prozent der Teilnehmer wiesen eine Adipositas auf, rund 5 Prozent hatten Diabetes.
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Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 16 Jahren wurden 4.492 neue MASLD-Fälle und 315 Zirrhose-Fälle dokumentiert. Personen, die regelmäßig nach dem Abendessen oder nahe der Schlafenszeit aßen, zeigten ein um 36 Prozent höheres Risiko für MASLD und ein um 28 Prozent höheres Risiko für eine Leberzirrhose im Vergleich zu jenen, die spätes Essen vermieden. Dieser statistische Zusammenhang blieb auch nach Adjustierung für Alter, Body-Mass-Index, Gesamtkalorien, Blutfette, Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Diabetes und Ernährungsqualität bestehen.
Wurde Schichtarbeit berücksichtigt, stieg der Schätzwert für das Zirrhoserisiko auf etwa 49 Prozent. Das Auslassen des Frühstücks sowie eine variable Mahlzeitenfrequenz wiesen hingegen nach multivariabler Adjustierung keine überzeugende Verbindung zu den Erkrankungen auf.
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Mechanismen und Ausblick auf klinische Interventionen
Als Ursache für die beobachteten Zusammenhänge diskutieren Forscher Störungen der circadianen Rhythmen sowie eine verringerte Stoffwechseleffizienz in den Nachtstunden.
Der leitende Studienautor Dr. Robert Wilechansky von der OHSU merkte an, dass eine Anpassung der Essenszeiten für viele Betroffene womöglich zugänglicher sei als eine grundlegende Umstellung des Speiseplans. Mitautor Dr. Andrew McHill verwies darauf, dass späte Mahlzeiten die Stoffwechseleffizienz verringern können.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich daraus keine Kausalität ableiten. Um die Effekte gezielt zu überprüfen, rekrutiert ein OHSU-Team unter Wilechansky Teilnehmende für eine klinische Studie, die vorgezogene Essenszeiten bei manifester Leberverfettung testet.
Welche Rolle die Ernährungsform spielt, zeigte bereits eine im Jahr 2025 in BMC Medicine veröffentlichte systematische Auswertung von 37 randomisierten kontrollierten Studien: Eine mediterrane Ernährung führte demnach zu Verbesserungen bei Körpergewicht, Taillenumfang und dem Leberenzym ALT bei metabolisch bedingter Fettleber.
Angesichts von Prognosen, nach denen metabolische Lebererkrankungen bis 2050 rund 1,8 Milliarden Menschen weltweit betreffen könnten, und einer aktuellen Betroffenheit von bis zu 30 Prozent der US-Bevölkerung, kommt nicht-medikamentösen Strategien wachsende Bedeutung zu.
