Fibermaxxing: Warum zu viele Ballaststoffe BlÀhungen und Verstopfung fördern
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 17:46 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach dem anhaltenden Boom um proteinreiche Lebensmittel gewinnt auf Social-Media-Plattformen eine neue ErnÀhrungsform an Zuspruch: das sogenannte Fibermaxxing. Dabei versuchen Konsumenten, die tÀgliche Aufnahme von Ballaststoffen drastisch zu steigern.
BefĂŒrworter und Influencer versprechen sich davon einen flachen Bauch, reinere Haut sowie eine rasche Gewichtsabnahme. Fachleute und VerbraucherschĂŒtzer mahnen jedoch zur Vorsicht, da ein ĂŒbermĂ€Ăiger und abrupter Konsum pflanzlicher Fasern den Organismus belasten kann.
Empfehlungen und tatsÀchliche Aufnahme im Vergleich
In den offiziellen ErnĂ€hrungsrichtlinien der EuropĂ€ischen Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) gilt fĂŒr Erwachsene eine Zufuhr von 25 g Ballaststoffen pro Tag als angemessen, um eine normale Darmfunktion zu gewĂ€hrleisten.
Nach Vorgaben der EU-Verordnung 1924/2006 darf ein Produkt ab 3 g Ballaststoffen pro 100 g oder 1,5 g pro 100 kcal als Ballaststoffquelle bezeichnet werden; als ballaststoffreich gilt ein Lebensmittel ab 6 g pro 100 g beziehungsweise 3 g pro 100 kcal. Andere offizielle Richtlinien und ErnÀhrungswissenschaftlerinnen von Field Doctor veranschlagen Werte von 28 g oder 30 g tÀglich.
In der Praxis erreichen viele Menschen diese Zielwerte jedoch nicht. Wie die spanische ANIBES-Studie zeigte, lag die Ballaststoffaufnahme bei den untersuchten Erwachsenen im Schnitt bei lediglich 12,6 g pro Tag und bei 15,9 g bei plausibler Energieaufnahme.
Auch der Konsum traditioneller Faserquellen ist rĂŒcklĂ€ufig: Lag der Linsenverzehr in Spanien in den 1960er-Jahren noch bei rund 13 kg pro Kopf und Jahr, betrĂ€gt er mittlerweile kaum mehr als 3 kg. In den USA nehmen Erwachsene SchĂ€tzungen zufolge meist nur etwa die HĂ€lfte der empfohlenen Menge zu sich.
Risiken einer abrupten Steigerung
Wird die Ballaststoffaufnahme im Rahmen extremer ErnĂ€hrungsformen schlagartig nach oben getrieben, drohen spĂŒrbare Nebenwirkungen. Werden zu viele Fasern auf einmal verzehrt, kann dies zu BlĂ€hungen und einem ausgeprĂ€gten VöllegefĂŒhl fĂŒhren sowie die Resorption von Eisen und Kalzium beeintrĂ€chtigen.
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Bei einem hohen Anteil unlöslicher Ballaststoffe aus Vollkorn oder Sellerie besteht bei zu geringer FlĂŒssigkeitszufuhr das Risiko, dass der Stuhl austrocknet und Verstopfungen zunehmen.
Ein Gastroenterologe wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Ballaststoffe ohne ausreichend Wasser im Darm wie Betonblöcke wirken können. Da Fasern Wasser binden und den Darminhalt geschmeidig halten, sei bei einer Steigerung auf eine Trinkmenge von 1500 bis 2000 ml tÀglich zu achten.
ErgÀnzend seien lösliche Ballaststoffe wie etwa aus Mu-Err-Pilzen, Hafer, Okra oder Seetang sowie Fette wie Olivenöl als Gleitmittel hilfreich. Halten Beschwerden an, raten Mediziner zu einer Àrztlichen AbklÀrung.
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Eine ErnÀhrungsberaterin wies zudem darauf hin, dass etwa eine Tasse Erbsen bereits 14 g Ballaststoffe liefere und bei einem Reizdarmsyndrom gemieden werden sollte; bei einem Selbstversuch des Magazins Prevention musste ein tÀglicher Erbsensalat nach zwei Tagen wegen BlÀhungen abgebrochen werden.
Vielfalt statt reiner Fasermenge
Die Verbraucherzentrale SĂŒdtirol betont, dass eine ausgewogene und pflanzenbetonte ErnĂ€hrung bereits von Natur aus alle benötigten Ballaststoffe und sekundĂ€ren Pflanzenstoffe liefert.
Laut Christopher Damman von UW Medicine kommt es fĂŒr das Darmmikrobiom nicht primĂ€r auf die bloĂe Masse an, sondern auf die Vielfalt der zugefĂŒhrten Faserarten. Stark verarbeitete Produkte wie prĂ€biotische Limonaden enthalten meist nur isoliertes Inulin und decken das Spektrum an Fasern und Polyphenolen nicht ab.
Damman empfiehlt daher eine Kombination aus vier Komponenten: Fasern aus Vollkorn, NĂŒssen, Samen, Bohnen, Obst und GemĂŒse, Phenole aus farbintensivem Obst und GemĂŒse, gesunde Fette aus Oliven, Avocado oder Omega-3-Quellen sowie fermentierte Produkte wie Joghurt, Sauerkraut und Kimchi. Auch ErnĂ€hrungsexperten raten generell dazu, die Ballaststoffzufuhr schrittweise ĂŒber den Speiseplan aufzubauen, anstatt auf extreme Trends zu setzen.
