Freundschaften: Studie mit 200.000 Teilnehmern belegt Gesundheitsvorteil
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen aus dem Jahr 2026 verdeutlichen den signifikanten Einfluss zwischenmenschlicher Beziehungen auf das allgemeine Wohlbefinden. Eine großangelegte Studie der Universität der Gesundheitswissenschaften Kütahya in der Türkei, die Daten von mehr als 200.000 Erwachsenen aus 22 Ländern auswertete, belegt einen direkten Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit mit Freundschaften und einer besseren physischen sowie psychischen Verfassung.
Ein zentrales Ergebnis dieser Analyse ist, dass diese Form der sozialen Bindung eine stärkere Korrelation zur Gesundheit aufweist als familiäre Beziehungen in der Kindheit.
Globale Unterschiede und demografische Trends
Die Auswertungen der türkischen Forscher zeigen deutliche regionale und altersbedingte Unterschiede. Während in Indonesien die höchste Zufriedenheit mit Freundschaften gemessen wurde, verzeichnete Japan die niedrigsten Werte in diesem Bereich. Mit Blick auf die Altersstruktur wurde die schlechteste psychische Verfassung bei Personen über 80 Jahren identifiziert.
Ergänzende Erkenntnisse zur Lebenszufriedenheit liefert eine Untersuchung der Universität Jena, die im Fachjournal Psychological Science veröffentlicht wurde.
Auf Basis von Daten von über 382.000 Personen aus 379 Regionen Großbritanniens zeigt sich, dass Menschen in festen Partnerschaften grundsätzlich zufriedener sind als Singles. Dieser Effekt ist in Regionen mit einer hohen Dichte an Paaren besonders ausgeprägt, was auf den Einfluss sozialer Normen hindeutet.
Herausforderungen und Strategien gegen Einsamkeit
Die Forschung zur Einsamkeit hebt die Notwendigkeit diversifizierter Beziehungsnetzwerke hervor. Die Einsamkeitsforscherin Dr. Maike Luhmann empfiehlt in ihrem im Jahr 2026 erschienenen Buch den Aufbau einer Arbeit Reisegruppe aus unterschiedlichen Beziehungen. Dazu zählen tägliche flüchtige Begegnungen ebenso wie die Pflege von Hobbys oder die Wiederbelebung früherer Kontakte.
Besonders für Menschen ab 60 Jahren stellen Lebensveränderungen wie der Eintritt in den Ruhestand, Umzüge oder Pflegeverpflichtungen ein Risiko für den Fortbestand von Freundschaften dar. Fachleute raten dazu, Veränderungen aktiv anzusprechen und Kontaktgewohnheiten anzupassen. In diesem Kontext deuten Studien darauf hin, dass digitaler Kontakt dazu beitragen kann, das Gefühl von Einsamkeit zu reduzieren.
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Physische Indikatoren und Stressmanagement
Die Bedeutung körperlicher Mobilität für die Lebenserwartung im Alter wurde in einer Untersuchung in Taiwan mit 13.423 Teilnehmern über 65 Jahren analysiert. Leistungsstarke Probanden in Tests wie dem Einbeinstand oder dem Aufstehen vom Stuhl wiesen ein deutlich geringeres Sterberisiko auf. Die besten 20 Prozent der Teilnehmer hatten bei einer Kombination dieser Tests ein um 61 Prozent niedrigeres Risiko als die schwächste Gruppe.
Parallel dazu verzeichnet der TK-Stressreport 2025 eine steigende Belastung in der Bevölkerung: Zwei Drittel der Deutschen gaben an, sich gestresst zu fühlen, gegenüber 57 Prozent im Jahr 2013. Als wichtigste Strategien zur Entspannung nannten die Befragten Aufenthalte in der Natur (83 Prozent), Hobbys (78 Prozent) und Musik (73 Prozent).
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Die Rolle digitaler Medien und gesellschaftlicher Strukturen
Entgegen weitverbreiteter Annahmen liefert eine norwegische Langzeitstudie mit 979 Teilnehmern kaum Belege dafür, dass die Nutzung sozialer Medien familiären Beziehungen schadet. Vielmehr sei der Kontext der Nutzung entscheidend, nicht die reine Dauer. Gleichzeitig zeigt der Social-Media-Atlas 2026 eine wachsende Relevanz digitaler Plattformen: 84 Prozent der Internetnutzer ab 16 Jahren sind aktiv in sozialen Medien vertreten. Bemerkenswert ist hierbei, dass 43 Prozent der Nutzer Beiträgen in sozialen Medien mehr Vertrauen schenken als klassischen Medien – bei den 20- bis 49-Jährigen liegt dieser Wert sogar über 50 Prozent.
In der Leipziger Jugendstudie wurde unterdessen festgestellt, dass die Lebenszufriedenheit bei Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren in den vergangenen Jahren stärker gesunken ist als bei Jungen. Dies betrifft insbesondere die Zufriedenheit mit Freundschaften und der Freizeitgestaltung.
Psychologen wie Julia Rohrer vermuten, dass soziale Medien die Erwartungshaltungen erhöhen, wobei die Evidenz für einen direkten Zusammenhang mit psychischem Unglück als schwach eingestuft wird.
