Freundschaften: Studie mit 205.000 Teilnehmern belegt Schutzeffekt
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine umfassende internationale Untersuchung der Kütahya Health Sciences University liefert neue Belege für den signifikanten Einfluss von Freundschaften auf die psychische und körperliche Verfassung. Die im Journal of Mental Health veröffentlichte Studie, für die 204.907 Teilnehmer aus 22 Ländern befragt wurden, unterstreicht, dass soziale Integration eine wesentliche Ressource für die Gesundheitsprävention darstellt.
Freundschaften als Stabilitätsfaktor im Erwachsenenalter
Die Forschungsergebnisse aus der Türkei verdeutlichen, dass insbesondere Freundschaften im Erwachsenenalter eine prägende Rolle für das Wohlbefinden spielen.
Zwar lasse sich ein Einfluss der Kindheitserfahrungen auf die spätere Gesundheit feststellen, dieser sei jedoch nicht so entscheidend wie die Qualität aktueller sozialer Beziehungen. Dabei zeigen sich deutliche geografische Unterschiede in der Wahrnehmung sozialer Zufriedenheit: Während die Befragten in Indonesien die höchste Zufriedenheit mit ihren Freundschaften angaben, belegte Japan in diesem Bereich den untersten Rang.
Ergänzende Erkenntnisse zur Qualität von Bindungen liefert eine Studie im Journal of Applied Developmental Psychology. Demnach seien für die emotionale Stabilität bereits ein bis zwei enge Freundschaften ausreichend. Kinder mit einer geringen Anzahl intensiver Kontakte zeigten sich emotional oft besser angepasst als Gleichaltrige mit einer Vielzahl oberflächlicher Beziehungen.
Ambivalente Effekte des intensiven Problemaustauschs
Trotz der positiven Grundwirkung sozialer Nähe weist eine Meta-Analyse zum Thema „Co-Rumination“ auf potenzielle Risiken hin. Die Auswertung von 38 Studien mit insgesamt 12.829 Teilnehmern ergab, dass das wiederholte und ausgiebige Besprechen persönlicher Probleme die Freundschaften zwar stärkt, gleichzeitig aber depressive Symptome und Ängste verstärken kann.
Die Forscher stellten eine Korrelation zwischen diesem Verhalten und psychischen Belastungen im Bereich von r=.14 bis .26 fest. Insbesondere in experimentellen Settings wurde ein Anstieg des Stresshormons Cortisol beobachtet. Geschlechterunterschiede zeigten sich mit einem Wert von d=-0.55 ebenfalls deutlich in den Daten.
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Die Rolle der Partnerschaft bei der Gesundheitsförderung
Neben Freundschaften rückt die Paarbeziehung als Faktor für die physische Gesundheit in den Fokus. Eine in PLOS One veröffentlichte Untersuchung zum Gewichtsmanagement legt nahe, dass Männer Diäten häufig als weiblich konnotiert wahrnehmen und sich von gängigen Diätkulturen nicht repräsentiert fühlen.
In diesem Kontext erweise sich die Unterstützung durch die Partnerin als wesentlicher Faktor, um den Gewichtsverlust bei Männern erfolgreich zu fördern.
Dieser Befund ist vor dem Hintergrund globaler Gesundheitsdaten relevant. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2022 weltweit 43 % der Menschen übergewichtig und 16 % adipös. Daten des britischen Gesundheitsdienstes NHS für das Jahr 2024 unterstreichen diesen Trend: In Großbritannien waren 70 % der Männer und 62 % der Frauen von Übergewicht betroffen.
Herausforderungen durch Einsamkeit und Morbiditätslücken
Trotz der nachgewiesenen Relevanz sozialer Kontakte bleibt Einsamkeit eine gesellschaftliche Herausforderung. Das Einsamkeitsbarometer 2024 identifiziert besonders Personen über 75 Jahre als Risikogruppe. Doch auch jüngere Generationen sind betroffen: Laut Erhebungen des BiB für den Zeitraum 2024/25 fühlt sich in Frankfurt am Main gut ein Fünftel der 21- bis 30-Jährigen stark einsam.
Gegenmaßnahmen bilden zivilgesellschaftliche Initiativen wie der 2020 gegründete Verein „Freunde alter Menschen“ in Frankfurt, der Besuchspartnerschaften zwischen den Generationen vermittelt. Aktuell bestehen dort 110 Paare, wobei weiterhin Bedarf an neuen Freiwilligen besteht. Auch staatliche Förderungen, wie die mit 124.500 Euro unterstützte soziale Alltagsbegleitung im Bezirk Scheibbs, zielen auf die Stabilisierung älterer Menschen ab.
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Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wird durch eine aktuelle Lancet-Studie untermauert. Zwar stieg die weltweite Lebenserwartung zwischen 1990 und 2023 von 64,6 auf 73,8 Jahre, die „gesunde Lebenserwartung“ hielt mit diesem Wachstum jedoch nicht Schritt.
In Deutschland betrug die sogenannte Morbiditätslücke – die Zeitspanne, die in Krankheit verbracht wird – im Jahr 2023 durchschnittlich 11,9 Jahre. Weltweit sind laut der Studie 1,2 Milliarden Menschen psychisch erkrankt, was nahezu einer Verdopplung innerhalb der letzten drei Jahrzehnte entspricht.
