Studie: KreativitÀt von KI-Textrobotern hat Grenzen
14.07.2024 - 06:00:37KĂŒnstliche Intelligenz (KI) kann die KreativitĂ€t von einzelnen Geschichten steigern, fĂŒhrt bei mehrfacher Nutzung jedoch zu weniger abwechslungsreichen Inhalten. Das ist das zentrale Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die in der Fachzeitschrift «Science Advances» veröffentlicht wurde. Sie zeigt, dass KI zwar gute Story-Ideen fĂŒr Geschichten erzeugen kann, die vom Publikum als neuartig und nĂŒtzlich empfunden werden. KI-unterstĂŒtzte Geschichten weisen der Studie zufolge allerdings untereinander mehr Ăhnlichkeiten auf und sind weniger vielfĂ€ltig als Werke, die ohne KI-UnterstĂŒtzung verfasst wurden.
Die Studie wurden an der University of Exeter Business School, dem Institute for Data Science and Artificial Intelligence in Exeter sowie der UCL School of Management in London erstellt. In einer ersten Phase teilten die Forscherinnen und Forscher 300 Probanden in drei Gruppen ein: Die erste Gruppe schrieb ohne KI-Hilfe, die zweite nutzte ChatGPT mit dem neusten Sprachmodell 4.o fĂŒr eine Ausgangsidee, die dritte Gruppe wĂ€hlte aus bis zu fĂŒnf KI-generierten Ideen aus. Dabei ging es um Kurzgeschichten fĂŒr junge Erwachsene.Â
KI hilfreich fĂŒr Langweiler
In einer zweiten Phase der Studie bewerteten 600 Personen die QualitĂ€t der Geschichten nach Neuartigkeit beziehungsweise KreativitĂ€t und NĂŒtzlichkeit. Die Ergebnisse zeigten, dass Autoren mit Zugang zu KI eine um 8,1 Prozent höhere KreativitĂ€t und eine um 9 Prozent höhere NĂŒtzlichkeit erzielten als die Kontrollgruppe ohne KI-Einsatz. Besonders Autorinnen und Autoren, die sich selbst als weniger kreativ eingeschĂ€tzt hatten, profitierten von der KI-UnterstĂŒtzung: Ihre Geschichten wurden dann vom Publikum um bis zu 26,6 Prozent eleganter geschrieben bewertet und um 15,2 Prozent weniger langweilig.
Die Texte aus dem Chatroboter ChatGPT konnten also weniger kreativen Autoren unter die Arme greifen. Doch die KreativitĂ€t von ChatGPT nutzt sich schnell ab, weil sich die computergenerierten Storys untereinander stĂ€rker Ă€hneln als rein von Menschen formulierte Texte. Die Forscherinnen und Forscher stellten fest, dass die Ăhnlichkeit zwischen den Geschichten der Autoren, die KI nutzten, um 10,7 Prozent zunahm.
KreativitÀt in der AbwÀrtsspirale?
Professor Oliver Hauser von der University of Exeter Business School erklĂ€rte: «Unsere Ergebnisse zeigen, wie generative KI die KreativitĂ€t fördern kann, aber auch, dass sie die kollektive Neuartigkeit verringern könnte.» Hauser sprach von einer «AbwĂ€rtsspirale», die zu einem gesellschaftlichen Dilemma fĂŒhren könne. «Wenn einzelne Autoren herausfinden, dass ihr von generativer KI inspiriertes Schreiben als kreativer bewertet wird, haben sie einen Anreiz, in Zukunft mehr generative KI einzusetzen.» Dadurch könne die kollektive Neuartigkeit von Geschichten allerdings weiter sinken.Â
«Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass trotz des VerstĂ€rkungseffekts, den generative KI auf die individuelle KreativitĂ€t hatte, Vorsicht geboten sein könnte, wenn generative KI in gröĂerem Umfang fĂŒr kreative Aufgaben eingesetzt wĂŒrde.»
Anil Doshi von der UCL School of Management fĂŒgte hinzu: «Wenn die Verlagsbranche mehr generative, KI-inspirierte Geschichten annimmt, könnten diese insgesamt weniger einzigartig und einander Ă€hnlicher werden.»


