GLP-1-Medikamente, Studie

GLP-1-Medikamente bei Kindern: Studie findet bei 16,8 Prozent MĂ€ngel

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei 16,8 Prozent der jungen Anwender wurde im ersten Behandlungsjahr ein NĂ€hrstoffmangel oder eine entsprechende Komplikation festgestellt.

GLP-1-Mittel bei Kindern: Studie zeigt NĂ€hrstoffmĂ€ngel und BeratungslĂŒcken
Ein heller, leerer Behandlungsraum in einer medizinischen Praxis mit einer Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Forschung richtet ihren Fokus verstĂ€rkt auf die Auswirkungen von GLP-1-Rezeptor-Agonisten bei jungen Patienten. Eine in der Fachzeitschrift „Childhood Obesity“ veröffentlichte Studie der Northwestern University liefert nun detaillierte Einblicke in potenzielle gesundheitliche Risiken.

Den Ergebnissen zufolge kann der Einsatz dieser PrĂ€parate bei Kindern und Jugendlichen zu einem kritischen NĂ€hrstoffmangel fĂŒhren. Fachberichte warnen in diesem Zusammenhang vor den physiologischen Folgen einer reduzierten NĂ€hrstoffaufnahme in dieser sensiblen Entwicklungsphase.

Risiken fĂŒr die NĂ€hrstoffversorgung bei MinderjĂ€hrigen

Die Untersuchung der Northwestern University stĂŒtzt sich auf US-amerikanische Verwaltungsdaten aus den Jahren 2017 bis 2022. Analysiert wurden die VerlĂ€ufe von 2.031 Anwendern im Alter von 10 bis 17 Jahren, bei denen vor Beginn der Therapie kein NĂ€hrstoffmangel diagnostiziert worden war. Mehr als 62 % der Teilnehmenden litten unter Adipositas.

Die Daten zeigen, dass bei 16,8 % der Probanden innerhalb des ersten Behandlungsjahres ein NÀhrstoffmangel oder eine damit verbundene Komplikation festgestellt wurde. Besonders hÀufig trat ein Vitamin-D-Mangel auf, der 12,4 % der Anwender betraf. Zudem wurde bei 1,55 % der Jugendlichen eine ernÀhrungsbedingte AnÀmie diagnostiziert, wÀhrend 1,44 % spezifisch an einer EisenmangelanÀmie litten.

Die Autoren der Beobachtungsstudie weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Es sei demnach nicht bewiesen, dass Wirkstoffe wie Semaglutid ursĂ€chlich fĂŒr die MĂ€ngel verantwortlich sind. Zudem stammen die Daten aus einem Zeitraum vor der heute deutlich breiteren pĂ€diatrischen Anwendung dieser Medikamente.

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Verzögerte ErnÀhrungsberatung und therapeutische Rahmenbedingungen

Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung betrifft die begleitende therapeutische UnterstĂŒtzung. Laut der Northwestern-Studie wird eine professionelle ErnĂ€hrungsberatung bei jungen Anwendern zu selten in Anspruch genommen.

Lediglich 5 % der Patienten erhielten innerhalb der ersten 30 Tage nach Behandlungsbeginn eine entsprechende Beratung. Nach 180 Tagen stieg dieser Anteil auf 23,3 %. Die durchschnittliche Wartezeit fĂŒr den Zugang zu einer ErnĂ€hrungsberatung lag bei 149 Tagen.

Die KinderĂ€rztin MĂłnica Ruiz erlĂ€utert dazu, dass die durch GLP-1-PrĂ€parate induzierte Appetitminderung die gesamte NĂ€hrstoffaufnahme absenken kann. Sie empfiehlt daher, die Behandlung engmaschig durch Bluttests und ErnĂ€hrungsberatungen zu begleiten. Idealerweise sollte die Verschreibung durch spezialisierte KinderĂ€rzte erfolgen und in ein Gesamtkonzept aus ErnĂ€hrung, Bewegung und gegebenenfalls psychischer UnterstĂŒtzung eingebettet sein.

HĂ€ufige Nebenwirkungen der Therapie sind Magen-Darm-Beschwerden. In der klinischen Praxis wird die Behandlung meist zunĂ€chst ĂŒber drei Monate evaluiert, um VertrĂ€glichkeit und Wirkung zu prĂŒfen. Die Gesamtdauer der Anwendung bleibt dabei eine individuelle Entscheidung.

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Marktentwicklung und regulatorischer Status

Die Verschreibungspraxis zeigt eine deutliche Dominanz bestimmter Wirkstoffe. In der Northwestern-Studie entfielen 78,6 % der Verordnungen auf Liraglutid, gefolgt von Dulaglutid mit 10,4 % und Semaglutid mit 9,1 %.

Die regulatorische Landschaft ist differenziert: WĂ€hrend Semaglutid fĂŒr Jugendliche ab 12 Jahren mit schwerer Adipositas oder moderater Adipositas bei gleichzeitigen Stoffwechselkomplikationen zugelassen ist, erhielt Liraglutid in Spanien Anfang 2026 die Zulassung bereits fĂŒr Kinder ab 6 Jahren.

Zuvor war dieser Wirkstoff dort erst ab 12 Jahren vorgesehen. Eine Finanzierung der Behandlung erfolgt bei pÀdiatrischer Adipositas in der Regel nicht, es sei denn, es liegt zusÀtzlich ein Typ-2-Diabetes vor.

Parallel dazu verdeutlicht eine Studie in der Fachzeitschrift „Pediatrics“ die massive Zunahme der Verschreibungen. Der Anteil der 8- bis 11-jĂ€hrigen Kinder mit Adipositas, denen GLP-1-Rezeptoragonisten verordnet wurden, stieg von 0,03 % im Jahr 2019 auf 9,3 % im Jahr 2026. Dies entspricht einem 310-fachen Anstieg. Dabei zeigt sich ein sozioökonomisches GefĂ€lle: Kinder aus einkommensstarken Gemeinden erhielten 55 % hĂ€ufiger eine Verschreibung.

FĂŒr Kinder unter 12 Jahren liegt jedoch fĂŒr viele dieser Medikamente keine FDA-Zulassung vor, weshalb Sicherheit und langfristiger Nutzen in dieser Altersgruppe weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen sind.

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