GLP-1-Therapie, Studie

GLP-1-Therapie: Studie zeigt überraschenden Aktivitätsrückgang bei 753 Patienten

21.06.2026 - 19:43:02 | boerse-global.de

Neue Wirkstoff-Generationen zielen auf gezielten Fettabbau bei gleichzeitigem Muskelerhalt. Eine US-Studie zeigt jedoch sinkende Aktivität unter GLP-1-Therapie.

Abnehmspritzen der Zukunft: Muskelschutz und Bewegungspille
GLP-1-Therapie - Nahaufnahme einer behandschuhten Hand, die in einem Labor Flüssigkeit in ein Reagenzglas pipettiert, mit verschwommener High-Tech-Ausrüstung im Hintergrund. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die erste Generation der Abnehmspritzen hatte einen blinden Fleck: Sie reduzierte nicht nur Fett, sondern auch wertvolle Muskelmasse. Die nächste Wirkstoff-Generation soll das ändern.

Pharmaunternehmen setzen zunehmend auf Kombinationspräparate, die gezielt den Fettabbau fördern und gleichzeitig die Muskeln schonen. Eli Lilly investierte dafür 2023 rund 1,9 Milliarden US-Dollar in den Antikörper Bimagrumab. In einer Studie mit über 500 Probanden führte die Kombination mit Ozempic dazu, dass mehr als 90 Prozent des Gewichtsverlusts aus Körperfett bestand.

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AstraZeneca kaufte 2025 den Wirkstoff SPX-001 für etwa 300 Millionen US-Dollar. Er soll die fettfreie Masse unter GLP-1-Therapie erhalten. Novo Nordisk testet CagriSema – eine Mischung aus Semaglutid und dem Amylin-Analogon Cagrilintid. Der Fettanteil am Gewichtsverlust liegt hier bei rund 67 Prozent.

Die „Bewegungspille“ kommt in die Testphase

Ein radikal anderer Ansatz kommt aus New York. Cambrian Biotech veröffentlichte erste Humanstudien zu ATX-304 – einem Wirkstoff, der den Ruheumsatz steigern soll. Die Effekte sind vergleichbar mit einem täglichen Lauf von fünf bis zehn Kilometern. In einer Phase-1-Studie mit 23 prädiabetischen Patienten verlor die Gruppe rund 5 Prozent ihres viszeralen Fetts. Ergebnisse einer größeren Phase-2-Studie werden für Ende 2027 erwartet.

Parallel dazu erforschen Wissenschaftler Cagrilintid als langwirksames Amylin-Analogon. Es beeinflusst Sättigung und Magen-Darm-Motilität für eine stabilere Gewichtsregulation.

Das Problem: Patienten bewegen sich weniger

Trotz aller therapeutischen Erfolge zeigt eine US-Studie vom Juni 2026 eine unerwünschte Nebenwirkung. Forscher des HSHS Saint John's Hospitals in Illinois dokumentierten bei 753 Erwachsenen einen Rückgang der körperlichen Aktivität nach Beginn der GLP-1-Therapie.

Die tägliche Schrittzahl sank von durchschnittlich 5.047 auf 4.487. Bei männlichen Patienten waren es sogar rund 1.000 Schritte weniger pro Tag. Auch die aktiven Minuten pro Tag fielen von 27,9 auf 22,2 Minuten. Besonders stark betroffen: Patienten mit Muskel- oder Gelenkschmerzen.

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Samsung will gegensteuern. Gemeinsam mit dem Massachusetts General Hospital startet das Unternehmen eine sechsmonatige Studie mit 100 Patienten. Die Galaxy Watch8 soll Muskelabbau frühzeitig erkennen und personalisierte Trainingsempfehlungen geben.

Schutz der Blutgefäße im Fokus

Forscher der Universität Zürich und des Universitätsspitals Zürich arbeiten mit der Universität Pisa an einem völlig anderen Ansatz. Sie untersuchen BET-Protein-Inhibitoren – epigenetische Medikamente, die entzündungsförderndes Fettgewebe um die Blutgefäße umprogrammieren können.

In Tests an menschlichen Gewebeproben von 27 adipösen Patienten mit Bluthochdruck normalisierten sich die Gefäßreaktionen. Ziel ist es, das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle direkt am Ursprungsgewebe zu senken.

Professor Lars Selig von der Uniklinik Leipzig mahnt jedoch zur Vorsicht: Medikamente müssten stets in ein Gesamtkonzept eingebettet sein. Ohne Ernährungs- und Bewegungstherapie bleibe der Erfolg begrenzt. Die Kosten für Abnehmspritzen liegen derzeit zwischen 100 und 500 Euro pro Monat. Bei konsequenter Anwendung über zwei Jahre sind Gewichtsabnahmen von etwa 25 Kilogramm realisierbar.

de | wissenschaft | 69598306 |