Glucosamin: Studie verknüpft Einnahme mit 25 Prozent höherem Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 07:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt den Wechselwirkungen zwischen bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln und der kognitiven Leistungsfähigkeit im höheren Lebensalter. Im Fokus stehen dabei insbesondere Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Glucosamin. Gleichzeitig verweisen Fachleute auf Risiken durch einen Mangel an Vitamin B12, der häufiger im Rahmen medizinischer Langzeittherapien beobachtet wird.
Glucosamin und kognitiver Abbau
Eine im Jahr 2026 im Fachjournal Nature Metabolism publizierte Untersuchung des McKnight Brain Institute der University of Florida liefert Hinweise auf unerwartete Zusammenhänge bei der Einnahme von Glucosamin.
Das Team wertete mittels künstlicher Intelligenz Gesundheitsdaten aus zwölf Jahren von University of Florida Health aus. Der Datensatz umfasste 1.896 Patientinnen und Patienten mit Alzheimer oder verwandten Demenzerkrankungen sowie 2.750 Personen mit einer milden kognitiven Beeinträchtigung.
Rund 8 Prozent dieser Personen nahmen Glucosamin ein. Den Ergebnissen zufolge wiesen Menschen mit einer milden kognitiven Schwäche bei Nutzung des Mittels ein um 25 Prozent höheres Demenzrisiko auf als jene ohne Einnahme.
Bei bereits an Demenz erkrankten Personen lag auch das Sterberisiko in der Nachbeobachtungszeit um 25 Prozent höher. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, belegen diese Daten jedoch lediglich eine statistische Verknüpfung und keine ursächliche Wirkung.
Vitamin D und B12 im geriatrischen Kontext
Andere Forschungsarbeiten betonen die Rolle des Mikronährstoffstatus für die Hirngesundheit im Alter. Eine Analyse bei 1.359 stationären Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren in Rumänien ergab, dass ein Mangel an Vitamin D mit einer schlechteren Kognition und einer ausgeprägteren Gebrechlichkeit einherging.
In dieser Querschnittsstudie, die ebenfalls keinen Kausalitätsnachweis erbringt, wiesen 45,9 Prozent der Beteiligten einen Vitamin-D-Mangel auf. Bei 13,5 Prozent lag ein Vitamin-B12-Mangel vor, und 7,1 Prozent litten an einer Unterversorgung mit beiden Vitaminen.
Ein kombinierter Mangel an Vitamin D und Vitamin B12 war in der Untersuchung mit den stärksten kognitiven Einbußen sowie mit depressiven Symptomen verknüpft. Grundsätzlich sinkt die körpereigene Aufnahme von B12 im fortgeschrittenen Alter.
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Zudem können verbreitete Arzneimittel für Langzeitbehandlungen wie Protonenpumpenhemmer und Metformin die Aufnahme des Vitamins zusätzlich stören. Ein Defizit an Vitamin B1, B3, B9, B12 oder C kann laut dem Bundesministerium für Gesundheit und dem MSD Manual zudem zu Müdigkeit führen.
Referenzwerte und Versorgungslage bei Vitamin D
Behörden und Fachgesellschaften bewerten den Vitamin-D-Status anhand von 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25(OH)D. Für das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gilt eine Serumkonzentration von 50 nmol/l (20 ng/ml) als ausreichend für die Knochengesundheit gesunder Menschen.
Werte zwischen 30 und unter 50 nmol/l (12 bis unter 20 ng/ml) gelten als suboptimal, während Werte unter 30 nmol/l (12 ng/ml) das Risiko einer Mangelerkrankung wie Osteomalazie bergen. Die Endocrine Society empfiehlt hingegen seit 2024 keinen festen Zielwert mehr.
Laut dem Robert Koch-Institut bildet der menschliche Körper 80 bis 90 Prozent des Vitamins bei Sonneneinstrahlung selbst in der Haut. In Deutschland ist diese Eigensynthese jedoch im Wesentlichen auf den Zeitraum von März bis Oktober beschränkt.
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Messungen der finnischen Geburtskohorte von 1966 bei über 5.500 Teilnehmenden verdeutlichen diese Schwankungen: Im Alter von 31 Jahren betrug der durchschnittliche Spiegel im Winter 43,6 nmol/l und kletterte im Sommer auf 60,8 nmol/l. Während Männer täglich durchschnittlich 12,3 µg Vitamin D über die Nahrung zuführten und Frauen 10,1 µg, griffen 24,5 Prozent der Frauen und 10,8 Prozent der Männer zu entsprechenden Präparaten.
Omega-3-Fettsäuren und körperliche Leistungsfähigkeit
Neben Vitaminen stehen mehrfach ungesättigte Fettsäuren im Fokus der Ernährungsforschung. Die DGE empfiehlt Erwachsenen als Richtwert täglich 250 mg der Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) und rät zu ein bis zwei Fischmahlzeiten wöchentlich.
Einen gesonderten Mehrbedarf für sportlich Aktive sieht die DGE nicht als anerkannt an, wenngleich die International Society of Sports Nutrition auf häufiger beobachtete niedrige Werte bei Athleten verweist.
Klinische Studien liefern gemischte Befunde: Bei 55 Ausdauersportlern senkte eine mehrwöchige Gabe von Algen- oder Fischöl zwar Herzfrequenz und Belastungsempfinden unter submaximaler Belastung, verbesserte jedoch nicht die Zeit im 24-Kilometer-Zeitfahren.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 über 41 Studien mit mehr als 1.800 aktiven Personen ermittelte moderate Rückgänge bei Entzündungsmarkern, Muskelbeanspruchung und Muskelkater.
Eine weitere Netzwerk-Metaanalyse an 1.211 Trainierten sah die deutlichsten Vorzüge bei der Erholung. Untersuchungen bestätigen zudem, dass pflanzliche Alternativen wie Mikroalgenöl bei der Versorgung mit EPA und DHA herkömmlichem Fischöl nicht unterlegen sind.
