Glucosamin-Warnung: Supplement erhöht Demenzrisiko um 25 Prozent
28.06.2026 - 06:03:00 | boerse-global.de
Bei Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen steigt das Demenzrisiko um 25 Prozent. Die Untersuchung wurde im Juni 2026 im Fachjournal Nature Metabolism veröffentlicht.
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt derweil. Allein in Deutschland lag das Volumen 2025 bei 4,3 Milliarden Euro. 415 Millionen Packungen wurden verkauft – fast doppelt so viele wie 2022 (241 Millionen).
Vorsicht bei bestehenden Beeinträchtigungen
Die Forscher analysierten Daten von 24.000 Alzheimer-Patienten und 42.000 Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Ergebnis: Wer bereits erste Anzeichen zeigt und Glucosamin nimmt, entwickelt innerhalb von fünf Jahren mit 25 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit eine Demenz.
Die Autoren betonen: Es handelt sich um Beobachtungsdaten, nicht um einen kausalen Beweis. Dennoch reiht sich Glucosamin in bekannte Risikofaktoren ein. Zum Vergleich: Anticholinergika erhöhen das Risiko um 54 Prozent, Protonenpumpenhemmer um 44 Prozent, Rauchen um rund 40 Prozent.
Boomender Markt für Supplemente
Magnesium bleibt mit 75 Millionen verkauften Einheiten das beliebteste Mineral. Doch andere Bereiche wachsen schneller. Die Produktion von Kreatin wird massiv ausgebaut – 84 Prozent der weltweiten Erzeugung stammen aus China. Der Hersteller Alzchem investiert in neue Anlagen, die Ende 2027 in Betrieb gehen sollen.
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Auch Kollagen verzeichnet hohe Umsätze. Führende Anbieter erzielten 2025 rund 130 Millionen Euro.
Prävention: Was wirklich schützt
Die Demenzforschung untersucht nicht nur Risiken, sondern auch Schutzfaktoren. Eine im Juni 2026 veröffentlichte JAMA-Studie zeigt: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent. Allerdings erhöhen GLP-1-Medikamente das Risiko für Geruchs- und Geschmacksstörungen um 38 Prozent – das absolute Risiko bleibt niedrig.
Weitere Erkenntnisse aus dem ersten Halbjahr 2026:
- Die Gürtelrose-Impfung reduziert das Demenzrisiko um 24 Prozent.
- Hörgeräte bei Erwachsenen mit Epilepsie und Hörverlust senken das Risiko um 23 Prozent (EAN-Kongress 2026).
- Schlechte Zahnversorgung erhöht das Risiko messbar, wie US-Forscher berichten.
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Früherkennung dank KI
Die Diagnostik macht Fortschritte. KI-gestützte Netzhautanalysen erkennen ein Alzheimer-Risiko im Schnitt 8,55 Jahre vor den ersten Symptomen. Der Markt für solche Verfahren soll bis 2033 auf 9,4 Milliarden US-Dollar wachsen. Bluttests von Roche und Eli Lilly erreichen bereits eine Genauigkeit von über 90 Prozent.
Erste Therapie mit Donanemab
Anfang Juni 2026 wurde in Emden eine der ersten Behandlungen mit dem Antikörper Donanemab durchgeführt. Doch nur etwa jeder zehnte der rund 1,2 Millionen Alzheimer-Patienten in Deutschland kommt für eine solche Anti-Amyloid-Therapie infrage.
Die Zahl der Demenzfälle könnte bis 2060 auf 2,1 Millionen steigen. Deshalb gewinnen komplementäre Ansätze an Bedeutung. Eine Studie zu Nachtkerzenblattextrakt zeigte im Tiermodell eine Reduktion von Ablagerungen im Gehirn. Die Universität Jena untersucht zudem, ob individualisierte Musik-Apps in der Pflege die Stimmung aufhellen können.
