Haustiere und Psyche: Schweizer Studie widerlegt Wohlbefinden-Mythos
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Annahme, dass die Haltung von Haustieren die psychische Gesundheit fördert und Einsamkeit lindert, gehört zu den weit verbreiteten Überzeugungen in der modernen Gesellschaft. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus der Schweiz, die Ende Juli 2026 im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht wurde, stellt diese Sichtweise nun jedoch infrage. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Anwesenheit von Tieren im Haushalt keinen signifikanten Einfluss auf die Lebenszufriedenheit oder das allgemeine psychische Wohlbefinden hat.
Untersuchung widerlegt gängige Mythen zum Haustierbesitz
In der breit angelegten Studie wurden Daten von 2328 Erwachsenen ausgewertet. Das Ziel der Forscher war es, den Zusammenhang zwischen der Tierhaltung und verschiedenen Indikatoren der mentalen Gesundheit zu überprüfen. Entgegen der Erwartung vieler Tierliebhaber konnten die Wissenschaftler keinen allgemeinen Vorteil für Haustierbesitzer in Bezug auf das Empfinden von Einsamkeit oder das psychische Wohlbefinden feststellen.
Die Analyse der Lebenszufriedenheit ergab ebenfalls keine statistisch relevanten Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Haustier. Damit korrigiert die Untersuchung das populäre Bild des Tieres als automatischen Garanten für eine höhere Lebensqualität. Vielmehr zeigten die Daten, dass Tierhalter ihre eigene Gesundheit im Durchschnitt sogar geringfügig schlechter bewerteten als die Vergleichsgruppe ohne Tiere. Zudem wurde beobachtet, dass Tierhalter täglich durchschnittlich 0,19 Zigaretten mehr rauchten als Nicht-Tierhalter.
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Emotionale Bindung und geschlechtsspezifische Unterschiede
Trotz des ausbleibenden Effekts auf die allgemeine psychische Stabilität bleibt die emotionale Bedeutung der Tiere für ihre Besitzer unbestritten. Die Studie bestätigte, dass eine stärkere Bindung zum Tier insbesondere dann entsteht, wenn viel Zeit gemeinsam verbracht wird. Dabei wurden Hunde innerhalb der Untersuchung als die größte emotionale Stütze identifiziert.
Interessante Einblicke lieferte die Forschung zudem bei der Intensität der Mensch-Tier-Beziehung in Abhängigkeit vom Geschlecht. Frauen berichteten demnach über eine deutlich stärkere Bindung zu ihren Haustieren und erreichten auf einer entsprechenden Bewertungsskala durchschnittlich 12,93 Punkte. Bei den männlichen Teilnehmern lag dieser Wert mit 10,73 Punkten messbar niedriger.
Der Selektionseffekt als Erklärungsansatz
Ein zentraler Aspekt der Analyse betrifft die Ursachen für die Anschaffung eines Tieres. Die Forscher weisen auf einen möglichen Selektionseffekt hin: Menschen, die unter Stress stehen oder sich bereits einsam fühlen, neigen eher dazu, sich ein Haustier zuzulegen. Dies könnte erklären, warum in Querschnittstudien oft kein positiver Effekt messbar ist – das Tier fungiert hierbei eher als Reaktion auf eine bereits bestehende Belastung und nicht als präventiver Wohlfühlfaktor.
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Hinsichtlich der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen lieferte die Studie ein neutrales Ergebnis. Es konnten keine Unterschiede bei der Anzahl der Arztbesuche zwischen Tierhaltern und Nicht-Tierhaltern festgestellt werden. Die Hoffnung, dass Haustiere durch eine verbesserte Konstitution indirekt das Gesundheitssystem entlasten könnten, lässt sich auf Basis dieser Datenlage nicht stützen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse unterstreichen somit die Notwendigkeit, die Rolle von Haustieren in der Gesundheitsprävention differenzierter zu betrachten.
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