Herz-Kreislauf-Erkrankungen: 7.000 Schritte tÀglich senken Sterberisiko
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas American College of Cardiology (ACC) hat am 15. Oktober 2026 im Fachjournal JACC zwei Dokumente mit Konsensempfehlungen veröffentlicht, die auf eine stÀrker personalisierte Bewegungs- und ErnÀhrungsberatung bei kardiovaskulÀren Erkrankungen abzielen.
Die Veröffentlichungen fassen zusammen, wie körperliche AktivitĂ€t strukturiert verordnet werden kann, um Risiken fĂŒr Herz-Kreislauf-Patienten zu verringern und die LebensqualitĂ€t nachhaltig zu verbessern.
Vier SĂ€ulen der zielgerichteten Bewegungstherapie
Nach Ausarbeitung des ACC und Jonathan Myers von der Stanford University gliedert sich die Verordnung von körperlicher AktivitÀt in vier funktionale Bereiche:
- Aerobes Training: Es wirkt sich gĂŒnstig auf den Krankheitsverlauf sowie das Wohlbefinden aus und kann Hospitalisierungen sowie ASCVD-Ereignisse verringern.
- Kardiale Rehabilitation: Sie verbessert Ăberlebensraten, funktionelle KapazitĂ€t und MedikamentenadhĂ€renz, wĂ€hrend Klinikaufenthalte und Angina-Episoden zurĂŒckgehen.
- Krafttraining: Es dient der Senkung des Blutdrucks sowie dem Aufbau von Muskelmasse, Muskelkraft und Balance.
- Ăberwachte Bewegungstherapie: Dieser Ansatz reduziert Blutdruck und Blutzuckerwerte und lindert Claudicatio-Beschwerden bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK).
Die Konsensempfehlungen zur Verordnung kommen ohne formale Empfehlungsklassen aus und raten den meisten Erwachsenen, auch solchen mit stabilen chronischen Erkrankungen, zu aerobem Training an 3 bis 5 Tagen pro Woche fĂŒr jeweils 20 bis 60 Minuten bei moderater bis hoher IntensitĂ€t. Als wöchentliches Mindestziel gelten 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensives Training.
Ein zusÀtzlicher gesundheitlicher Nutzen lÀsst sich dem Papier zufolge bei bis zu 300 Minuten moderatem beziehungsweise 150 Minuten intensivem Einsatz feststellen. Krafttraining sollte ergÀnzend mindestens zweimal pro Woche mit 1 bis 3 SÀtzen zu jeweils 8 bis 12 Wiederholungen erfolgen.
Im Alltag zeigt bereits die Schrittzahl deutliche Effekte: Rund 7.000 Schritte am Tag sind mit einem um 47 Prozent geringeren Risiko fĂŒr Gesamt- sowie kardiovaskulĂ€ren Tod verbunden, verglichen mit einem Pensum von 2.000 Schritten. FĂŒr gesunde Erwachsene nennt das Dokument Richtwerte von 4.000 bis 8.000 Schritten tĂ€glich.
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Evidenz und klinische Kontraindikationen
Die strukturierte Rehabilitation besitzt insbesondere nach einem akuten Koronarsyndrom einen hohen Stellenwert; sie stĂŒtzt sich auf eine Klasse-1-Empfehlung einer Leitlinie aus dem Jahr 2025. Eine Metaanalyse aus 47 Studien belegt dabei eine Reduktion der kardialen MortalitĂ€t um 26 Prozent sowie 18 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen.
Bei einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion zeigte zudem die HF-ACTION-Studie eine Verringerung von TodesfÀllen oder Hospitalisierungen um 11 Prozent.
Gleichzeitig heben die Experten klare Sicherheitsgrenzen hervor. Bei einer Hypertonie darf bei einem Ruheblutdruck von ĂŒber 200/110 mmHg kein Sport ausgeĂŒbt werden. Nach einer Myokarditis sollte intensive sportliche BetĂ€tigung fĂŒr drei bis sechs Monate ausgesetzt werden.
Belastungstests vor dem Trainingsbeginn sind bei asymptomatischen und stabilen Patienten nicht routinemĂ€Ăig vorgesehen. Sie sind jedoch strikt kontraindiziert, wenn ein Myokardinfarkt innerhalb der vorangegangenen zwei Tage aufgetreten ist oder Beschwerden wie instabile Angina pectoris, eine symptomatische schwere Aortenstenose, dekompensierte Herzinsuffizienz, akute Myokarditis oder Perikarditis sowie eine akute Aortendissektion vorliegen.
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AdhÀrenz und technologische Begleitung
Trotz der belegten Vorteile bleibt die langfristige Einhaltung von TrainingsplĂ€nen eine Herausforderung. Digitale Hilfsmittel wie Wearables bieten zwar Potenzial fĂŒr das Selbstmonitoring, doch weisen die Experten des ACC darauf hin, dass rund ein Drittel der Nutzer die Verwendung dieser GerĂ€te nach sechs Monaten wieder einstellt.
Eine erfolgreiche PrÀvention erfordert daher neben technischen Werkzeugen vor allem eine engmaschige und individuell abgestimmte Àrztliche Begleitung.
