Herz-Kreislauf-Erkrankungen: 99% der FĂ€lle durch vier Faktoren vermeidbar
16.06.2026 - 15:03:05 | boerse-global.de
Gleichzeitig unterschÀtzen viele Menschen ihre individuellen Gesundheitsrisiken massiv.
GefĂŒhlte Sicherheit trifft auf harte Zahlen
Der Sanitas Health Forecast 2026 offenbart eine alarmierende Diskrepanz. FĂŒr die Studie wurden 2.500 Personen in der Schweiz befragt. Rund 47 Prozent der Teilnehmer stufen ihr persönliches Diabetes-Risiko als unterdurchschnittlich ein â obwohl das Lebenszeitrisiko bei bis zu 40 Prozent liegt.
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Ăhnlich sieht es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus: Mehr als ein Drittel fĂŒhlt sich wenig gefĂ€hrdet. Dabei verzeichnete allein das Jahr 2024 rund 20.000 TodesfĂ€lle in diesem Bereich. Auch Demenz und Krebs werden laut der Erhebung vielfach unterschĂ€tzt.
Dabei zeigt eine Langzeitanalyse aus dem Jahr 2025 klare Ursachen. Die im Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlichte Studie untersuchte ĂŒber neun Millionen Erwachsene. Ergebnis: 99 Prozent der kardiovaskulĂ€ren Ereignisse gehen auf vier Risikofaktoren zurĂŒck â Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, gesteigerter Blutzuckerspiegel und Tabakkonsum.
Bewegung als bester Schutz
Kardiologe Professor Dr. Andreas Zirlik von der MedUni Graz betont: RegelmĂ€Ăige Bewegung bietet den besten Schutz. Empfohlen werden mindestens 30 Minuten AktivitĂ€t an vier bis sechs Tagen pro Woche.
Eine Analyse der UK-Biobank mit 83.000 Teilnehmern bestĂ€tigt diesen Effekt. Die in Nature veröffentlichte Studie zeigt: Sieben bis acht Stunden Schlaf und 150 Minuten Bewegung pro Woche senken das Herzrisiko signifikant â selbst bei genetischer Veranlagung.
Was die ErnÀhrung wirklich bringt
Auch die richtige Nahrung kann helfen. Die tĂ€gliche Aufnahme von etwa drei Gramm Beta-Glukan aus Haferflocken senkt das LDL-Cholesterin. Die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestĂ€tigt diesen Effekt.
Nitratreiches GemĂŒse wie Spinat oder Rote Bete kann das Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Ereignisse um 15 Prozent reduzieren. Eine Studie der University of Lancashire deutet zudem darauf hin, dass tĂ€glich 100 Mikroliter Pfefferminzöl den systolischen Blutdruck senken können.
Omega-3-FettsĂ€uren sind ebenfalls wirksam. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) warnt jedoch vor Ăberdosierung und empfiehlt maximal 1,5 Gramm pro Tag.
Die Fallen im Alltag
Wissenschaftler warnen vor belastenden Nachmittags- und Abendgewohnheiten. Eine Harvard-Studie identifizierte langes Sitzen, zuckerhaltige Snacks, ĂŒbermĂ€Ăigen Koffeinkonsum und Alkohol als Risikofaktoren. Sie verschlechtern die Durchblutung und erhöhen den Blutdruck.
UnregelmĂ€Ăige Essenszeiten sind ebenfalls problematisch. Besonders spĂ€te Snacks können die inneren Rhythmen der Darmzellen stören.
Psychische Gesundheit als SchlĂŒsselfaktor
Dr. Arvind Chandratheva vom University College London Hospitals (UCLH) hat eine beeindruckende Zahl parat: 90 Prozent der SchlaganfĂ€lle wĂ€ren vermeidbar. Neben Bluthochdruck und Rauchen ist Vorhofflimmern ein massiver Risikofaktor â es verfĂŒnffacht das Schlaganfallrisiko.
Die Depression gilt inzwischen als eigenstĂ€ndiger Risikofaktor fĂŒr Herzerkrankungen. Fachleute des Salus-Fachklinikums Uchtspringe vergleichen ihre Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System mit denen des Rauchens. 20 bis 30 Prozent der Patienten entwickeln nach einem Herzinfarkt depressive Verstimmungen. Körperliche Bewegung wirkt hier als natĂŒrliches Antidepressivum.
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Neue Forschung fĂŒr bessere Therapien
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den neuen Sonderforschungsbereich 1774 âCARDIO-DIABETES-CROSSTALKâ. Mit ĂŒber 11 Millionen Euro fĂŒr zunĂ€chst vier Jahre untersuchen Institutionen wie das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) und die Heinrich-Heine-UniversitĂ€t DĂŒsseldorf die Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Herzkrankheiten.
In Deutschland sind etwa 9,5 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. Ziel der Forschung ist die Verbesserung der FrĂŒherkennung und die Entwicklung zielgerichteter Behandlungsstrategien.
