Herzinsuffizienz: Kombination aus zwei Wirkstoffklassen klinisch kaum belegt
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie kombinierte Gabe von SGLT2-Hemmern und GLP-1-Rezeptoragonisten gilt in der Stoffwechsel- und Herzmedizin als theoretisch vielversprechender Ansatz. Doch wĂ€hrend die gemeinsame Verabreichung beider Substanzklassen biochemisch naheliegend erscheint, fehlen bislang belastbare klinische Daten fĂŒr einen standardmĂ€Ăigen Einsatz in der Kardiologie.
Eine Ăbersichtsarbeit von Reza Khademi und Saeed Shoar, die am 23. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Cardiovascular Diabetology â Endocrinology Reports (Vol. 12) publiziert wurde, zieht eine vorsichtige Bilanz.
Den Autoren zufolge sei die Dualtherapie bei Herzinsuffizienz zwar biologisch plausibel, mangels dedizierter randomisierter Studien fĂŒr dieses Krankheitsbild jedoch klinisch unzureichend belegt. Ein routinemĂ€Ăiger Einsatz zur Verbesserung der Endpunkte bei Herzinsuffizienz lasse sich derzeit nicht empfehlen.
Fehlende Zielstudien bremsen klinische Routine
In ihrer narrativen Ăbersichtsarbeit legen Khademi und Shoar dar, dass die vermuteten synergistischen Effekte beider Wirkstoffklassen bisher nicht durch ausreichende methodische Evidenz aus speziell konzipierten Herzinsuffizienz-Studien abgesichert sind.
Obwohl beide Medikamentengruppen eigenstĂ€ndige metabolische und kardiovaskulĂ€re Vorteile aufweisen, fehle der Nachweis, dass eine kombinierte Verabreichung zu verlĂ€sslich besseren klinischen VerlĂ€ufen fĂŒhre.
Solange prospektive randomisierte Untersuchungen zu dieser konkreten Fragestellung ausstehen, bleibe der tatsĂ€chliche Nutzen der Kombinationstherapie ungeklĂ€rt, womit eine breite klinische Anwendung verfrĂŒht sei.
Zweifel an einem allgemeinen Klasseneffekt
ZusĂ€tzliche Vorbehalte gegenĂŒber pauschalen Behandlungskonzepten Ă€uĂert Jianxin Deng in einem Kommentar fĂŒr denselben Fachtitel (Ausgabe 2026, 12(1), Art. 58).
Die Kombination aus SGLT2-Hemmern und GLP-1-Rezeptoragonisten klingt biologisch plausibel â doch fĂŒr Herzinsuffizienz fehlen dedizierte randomisierte Studien, und ein Routineeinsatz lĂ€sst sich daraus derzeit nicht ableiten. Der Leitfaden ordnet die Evidenz nach HFpEF und HFrEF und zeigt, welche Fragen Sie vor der Therapieentscheidung klĂ€ren sollten. Kostenlosen Praxisleitfaden zur Studienlage anfordern
Der Autor gibt zu bedenken, dass der in gepoolten Analysen verzeichnete RĂŒckgang von Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz unter GLP-1-Rezeptoragonisten möglicherweise keinen einheitlichen Klasseneffekt darstelle. Stattdessen könnten die beobachteten Risikoreduktionen auf bestimmte, metabolisch definierte Subgruppen begrenzt sein.
Deng fĂŒhrt an, dass bisherige Zulassungsstudien zur Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) im Kontext von Adipositas stark selektionierte Populationen untersucht hĂ€tten.
Zudem hĂ€tten die kardiovaskulĂ€ren Outcome-Studien, die in die zusammenfassenden Analysen einflossen, keine detaillierte PhĂ€notypisierung vorgenommen. DarĂŒber hinaus sei die Evidenz fĂŒr Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion (HFrEF) laut dem Kommentar weiterhin begrenzt.
Forderung nach standardisierter PhÀnotypisierung
Um fundiert beurteilen zu können, welche Patientengruppen tatsÀchlich von GLP-1-Rezeptoragonisten oder entsprechenden Kombinationen profitieren, reicht das vorliegende Datenmaterial nach EinschÀtzung von Deng nicht aus.
Bei adipösen Patienten mit erhaltener Auswurffraktion wirken die gepoolten Daten oft ĂŒberzeugender, als die Studienpopulationen hergeben â selektierte Kohorten ohne detaillierte PhĂ€notypisierung. Die Checkliste fĂŒhrt Sie Schritt fĂŒr Schritt durch die PhĂ€notypisierung und macht sichtbar, fĂŒr welchen Subtyp die Evidenz tatsĂ€chlich trĂ€gt. PhĂ€notypisierungs-Checkliste jetzt abrufen
Der Autor fordert daher eine standardisierte PhĂ€notypisierung der Studienkohorten sowie phĂ€notypspezifische Auswertungen. Nur durch eine methodisch prĂ€zisere Differenzierung lasse sich kĂŒnftig klĂ€ren, bei welchen klinischen Subtypen eine kombinierte Gabe von SGLT2-Hemmern und GLP-1-Rezeptoragonisten einen messbaren Mehrwert bietet.
