Hirschfleisch: 27-fach mehr Antioxidantien auf diversifizierten Weiden
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der wissenschaftlichen Diskussion wird aktuell verstĂ€rkt die Hypothese untersucht, dass die Beschaffenheit von Futtermitteln in der Nutztierhaltung direkte Auswirkungen auf die gesundheitliche QualitĂ€t der daraus resultierenden Lebensmittel fĂŒr den menschlichen Verzehr hat.
Professor Pablo Gregorini von der neuseelÀndischen Lincoln University betonte in diesem Zusammenhang, dass die ErnÀhrung der Tiere unmittelbar die NÀhrstoffzusammensetzung von Fleisch und Milchprodukten mitbestimme.
DiversitÀt auf der Weide verbessert NÀhrstoffprofile
Untersuchungen zur funktionellen DiversitĂ€t in Weidesystemen, bei denen eine Mischung aus GrĂ€sern, KrĂ€utern und Leguminosen eingesetzt wird, zeigen deutliche ökologische und qualitative Effekte. Bei Schafen konnten die Stickstoffverluste um etwa 30 Prozent und bei MilchkĂŒhen um 42 Prozent gesenkt werden.
Besonders deutliche Resultate lieferten Analysen von Hirschfleisch. Bei Tieren, die auf diversifizierten Weiden gehalten wurden, wies das Fleisch einen 27-fachen Anstieg antioxidativer und entzĂŒndungshemmender Eigenschaften auf. Zudem wurde ein 59-facher Anstieg von Metaboliten festgestellt, die gegen oxidativen Stress wirken.
Parallel dazu gilt Wildbret generell als nÀhrstoffreich und liefert Vitamine wie B2 und B3 sowie Mineralstoffe wie Eisen, Calcium und Selen. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass bei der privaten Jagd QualitÀtskontrollen oft fehlen und Parasitenrisiken bestehen können.
Optimierung der GeflĂŒgelfĂŒtterung und Sicherheitsaspekte bei RohfĂŒtterung
Ein weiteres Forschungsvorhaben, das Verbundprojekt MastOpti(M)Um der UniversitĂ€t Göttingen und der Bayerischen Landesanstalt fĂŒr Landwirtschaft (LfL), befasst sich mit der MasthĂŒhnerfĂŒtterung.
Ziel ist es zu ermitteln, ob die Zufuhr von Rohprotein und mineralischem Phosphor gesenkt werden kann, ohne Leistung oder Tierwohl zu beeintrĂ€chtigen. Dies soll vor allem die Ammoniakemissionen reduzieren. Dabei gelte der Grundsatz, dass MasthĂŒhner primĂ€r eine bedarfsgerechte AminosĂ€urenversorgung und nicht zwingend hohe Mengen an Rohprotein benötigen.
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Im Bereich der Heimtiernahrung warnt der Bundesverband fĂŒr Tiergesundheit (BfT) vor Risiken bei der RohfĂŒtterung. Eine ausgewogene Ration mĂŒsse essentielle NĂ€hrstoffe wie Kupfer, Zink, Jod sowie Vitamine und ein korrektes Calcium-Phosphor-VerhĂ€ltnis enthalten.
Zudem bestehe die Gefahr von Infektionen durch Salmonellen, Campylobacter oder das Aujeszky-Virus. Zur Risikominimierung empfiehlt der Verband, rohes Fleisch mindestens eine Woche lang bei Temperaturen zwischen -17 und -20 Grad Celsius einzufrieren.
MarktverÀnderungen bei alternativen Proteinen und Zusatzstoffen
Der Markt fĂŒr alternative Proteinquellen in Deutschland unterliegt derzeit einer Konsolidierung. Laut der Agrarökonomin Isabell WeiĂ von der UniversitĂ€t Göttingen existierten zwischen 2018 und 2022 etwa 20 bis 30 Unternehmen im Insekten-Sektor; heute seien es weniger als zehn.
GroĂe Handelsketten wie Lidl, Aldi SĂŒd, Rewe und tegut fĂŒhren keine Insektenprodukte mehr im Sortiment. Unternehmen wie Alpha Protein und Entava haben ihre Produktion vollstĂ€ndig auf Tierfutter umgestellt.
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Gleichzeitig prognostiziert ein Bericht von IndexBox fĂŒr den Weltmarkt von Calciumformiat in Futtermitteln ein jĂ€hrliches Wachstum von durchschnittlich 5 bis 7 Prozent fĂŒr den Zeitraum von 2026 bis 2035. Etwa 70 bis 80 Prozent des Verbrauchs entfallen auf den Futtermittelbereich, wobei Schweinefutter mit 40 Prozent den gröĂten Anteil hĂ€lt, gefolgt von GeflĂŒgel mit 30 Prozent.
Auswirkungen des Fleischkonsums auf Gesundheit und Umwelt
Wissenschaftliche Empfehlungen der UMP Pozna? raten zu einem wöchentlichen Fleischverzehr von 300 bis 600 Gramm. In Europa liege der reale Konsum mit bis zu 1,5 Kilogramm jedoch deutlich darĂŒber.
Die Intensivhaltung wird dabei mit etwa drei Vierteln des globalen Antibiotikaverbrauchs und der Entstehung vieler Zoonosen in Verbindung gebracht. Zudem ist der ökologische FuĂabdruck erheblich: Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch benötigt circa 15.400 Liter Wasser, wĂ€hrend ein Kilogramm Linsen lediglich 1.250 Liter beansprucht.
Auch bei Streichfetten zeigen sich gesundheitliche und ökologische Diskrepanzen. In Deutschland lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Butter im Jahr 2023 bei 5,6 Kilogramm. Eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2025 deutet darauf hin, dass der Ersatz von 10 Gramm Butter durch Pflanzenöl das Sterberisiko um etwa 17 Prozent senken könnte.
Zudem verursacht die Produktion von einem Kilogramm Butter laut Berechnungen des ifeu-Instituts rund 9 Kilogramm CO2. Eine Studie des King's College London mit eineiigen Zwillingen im Jahr 2020 bestĂ€tigte zudem, dass eine rein vegane ErnĂ€hrung im Vergleich zu einer fleischhaltigen Kost zu einer Senkung des Körpergewichts und des Cholesterinspiegels fĂŒhren kann, wobei in beiden FĂ€llen die mikrobielle DiversitĂ€t im Darm abnahm.
