Hochverarbeitete, Lebensmittel

Hochverarbeitete Lebensmittel: +10% Anteil erhöht Sterblichkeit um 6%

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Langzeitstudie belegt: Stark verarbeitete Nahrung und Softdrinks steigern das Krebsrisiko. Die EU verbietet Raucharomen, Deutschland plant eine Zuckersteuer.

UK-Biobank-Studie: Hochverarbeitete Lebensmittel erhöhen Krebsrisiko
Frisches Gemüse auf einer Küchentheke mit unscharfen verpackten Lebensmitteln im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wissenschaftliche Untersuchungen auf Basis umfangreicher Bevölkerungsdaten geben Aufschluss über den Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und dem Auftreten von Krebserkrankungen. Im Fokus steht dabei insbesondere der Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel am täglichen Speiseplan. Aktuelle Analysen der UK Biobank sowie geplante regulatorische Maßnahmen in Europa verdeutlichen die gesundheitspolitische Relevanz dieses Thema.

Ergebnisse der UK Biobank zur Langzeitwirkung

Einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung dieses Zusammenhangs lieferte eine bereits im Jahr 2023 in der Fachzeitschrift eClinicalMedicine veröffentlichte Studie. Die Datengrundlage der UK Biobank umfasste 20.000 Teilnehmer, deren Gesundheitszustand über einen Zeitraum von durchschnittlich 9,8 Jahren nachbeobachtet wurde. Während dieser Nachbeobachtungsphase dokumentierten die Forscher insgesamt 15.921 Krebserkrankungen und 4.009 Todesfälle innerhalb der untersuchten Gruppe.

Die Analyse der Ernährungsmuster ergab, dass hochverarbeitete Produkte im Durchschnitt 22,9 Prozent der täglichen Nahrungsaufnahme ausmachten. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Korrelation zwischen der Menge des Konsums und dem Sterberisiko: Eine Steigerung des Anteils dieser Lebensmittel um 10 Prozent steht laut den Studiendaten mit einem Anstieg der Gesamtsterblichkeit um 6 Prozent in Verbindung. Diese Befunde belegen ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen durch eine Ernährung, die stark auf industriell verarbeiteten Erzeugnissen basiert.

Die Rolle flüssiger Kalorien und spezifischer Zusatzstoffe

Bei der Differenzierung der Risikofaktoren weisen Experten auf die unterschiedliche Wirkung verschiedener Produktgruppen hin. Der Ernährungsmediziner Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) erklärte hierzu, dass der negative Effekt auf die Gesundheit im Wesentlichen auf den Konsum von Softdrinks und Säften zurückzuführen sei. Diese flüssigen Energieträger spielen demnach eine Schlüsselrolle bei der Risikoerhöhung.

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Parallel zu den Erkenntnissen über Makronährstoffe und Verarbeitungsgrade rücken auch spezifische Inhaltsstoffe in den Fokus der Behörden. So verbot die Europäische Union mit Wirkung zum 1. Juli 2026 insgesamt acht Raucharomen. Grundlage für diese Entscheidung war eine Einstufung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus dem Jahr 2023, welche diese Aromen als potenziell krebserregend bewertete.

Regulatorische Maßnahmen und gesundheitspolitische Empfehlungen

Auf internationaler Ebene reagieren Gesundheitsorganisationen bereits seit längerem auf die Evidenzlage. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch der World Cancer Research Fund raten explizit zum Verzicht auf zuckergesüßte Getränke, um das Krebsrisiko sowie andere ernährungsbedingte Krankheiten zu minimieren.

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In Deutschland werden diese Empfehlungen voraussichtlich in konkrete fiskalische Maßnahmen übersetzt. Die Bundesregierung plant die Einführung einer Zuckersteuer ab dem Jahr 2027. Das Modell sieht eine gestaffelte Abgabe vor: Für Getränke mit einem Zuckergehalt ab 5 Gramm pro 100 Milliliter soll eine Steuer von 26 Cent pro Liter fällig werden. Steigt der Gehalt auf über 8 Gramm pro 100 Milliliter, erhöht sich die Abgabe auf 32 Cent pro Liter. Durch diese Maßnahme werden jährliche Einnahmen in Höhe von 650 Millionen Euro erwartet, wobei das primäre Ziel die Lenkungswirkung hin zu einer gesünderen Ernährung ist.

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