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Studie: Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht gestiegen

01.03.2024 - 00:43:38

Immer mehr Menschen haben starkes Übergewicht. Dabei ist klar, wie LĂ€nder dieser Entwicklung entgegenwirken könnten, sagt die WHO. In zwei europĂ€ischen LĂ€ndern gibt es Lichtblicke.

Die Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht - Adipositas genannt - ist rasant gestiegen. Weltweit waren nach einer Studie 2022 mehr als eine Milliarde Menschen betroffen. Der Anteil der stark Übergewichtigen an der Bevölkerung habe sich seit 1990 mehr als verdoppelt, unter Heranwachsenden zwischen 5 und 19 Jahren sogar vervierfacht, berichtete die Fachzeitschrift «The Lancet».

In einigen wohlhabenden LĂ€ndern und bestimmten Bevölkerungs- und Altersgruppen erreiche die Zahl inzwischen ein Plateau oder sinke leicht, sagte Majid Ezzati vom Imperial College in London, etwa bei Frauen in Spanien und Frankreich. Die genauen GrĂŒnde dafĂŒr herauszufinden war nicht Teil der Analyse.

In Deutschland lag der Anteil bei Frauen mit Adipositas nach dieser Studie 2022 bei 19 Prozent, was Platz 137 in der LÀnderliste entsprach. Nummer 1 auf der Liste und damit am schlimmsten betroffen ist hier Tonga mit 81 Prozent. Bei MÀnnern lag der Anteil in Deutschland bei 23 Prozent (Platz 80). Hier ist der Inselstaat Amerikanisch-Samoa mit 70 Prozent adipöser MÀnner auf der Listenplatz 1. Unter den MÀdchen und Frauen bis 19 Jahren lag der Anteil in Deutschland bei sieben Prozent (119. Platz), bei Jungen und jungen MÀnnern bei 10 Prozent (111. Platz). 

Was Adipositas genau ist

Adipositas kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einige Krebsformen auslösen. «Adipositas ist eine chronische Krankheit, die definiert ist als eine ĂŒber das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts», schreibt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft. Ob jemand betroffen ist, wird nach Gewicht und GrĂ¶ĂŸe berechnet, dem Body-Mass-Index (BMI). Ab einem BMI von 30 spricht die Gesellschaft von «Adipositas Grad I».

Insgesamt waren 880 Millionen Erwachsene und 159 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren stark ĂŒbergewichtig. 9,3 Prozent der Jungen galten 2022 als fettleibig, 6,9 Prozent der MĂ€dchen. Bei Erwachsenen verdoppelte sich der Anteil bei Frauen seit 1990 auf 18,5 Prozent, und er verdreifachte sich bei MĂ€nnern auf 14 Prozent. 

Wie Adipositas vorgebeugt werden kann

Adipositas könne durch gute ErnĂ€hrung und Bewegung von Kindesbeinen an vorgebeugt werden, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf, die an der Studie beteiligt war. Regierungen sollten dafĂŒr sorgen, dass besonders salz-, fett- oder zuckerhaltige Nahrungsmittel und GetrĂ€nke nicht in der NĂ€he von Schulen verkauft werden und dass Reklame dafĂŒr, die sich an Kinder richtet, eingeschrĂ€nkt wird. Sie sollten zudem Kampagnen ĂŒber die Vorteile guter ErnĂ€hrung und sportlicher BetĂ€tigung fahren. Die WHO rĂ€umte ein, dass gute ErnĂ€hrung teuer sein kann. 

Die insgesamt höchsten Adipositas-Raten gab es in Inselstaaten im Pazifik wie Niue, Tonga und Amerikanisch-Samoa mit teils ĂŒber 60 Prozent. In den Top Ten waren in einzelnen Kategorien auch Katar, Ägypten, Chile und die USA. Die niedrigsten Raten verzeichneten Madagaskar, Burkina Faso, Vietnam und Äthiopien. Rasant war der Anstieg unter anderem in den USA: Der Anteil der Frauen mit Adipositas stieg von 21,2 Prozent 1990 auf 43,8 Prozent 2022, bei den MĂ€nnern stieg der Anteil von 16,9 Prozent auf 41,6 Prozent. 

Das andere Problem: UnterernÀhrung

Die andere Seite des ErnĂ€hrungsproblems: Gleichzeitig seien weltweit auch hunderte Millionen Menschen weiter von Mangel- und UnterernĂ€hrung betroffen, heißt es in der Studie, vor allem in LĂ€ndern in SĂŒdostasien und in Afrika sĂŒdlich der Sahara. UnterernĂ€hrung sei fĂŒr die HĂ€lfte aller TodesfĂ€lle bei Kindern unter fĂŒnf Jahren verantwortlich. Starkes Übergewicht und UnterernĂ€hrung seien zwei Seiten desselben Problems: schlechter ErnĂ€hrung, so die WHO.

@ dpa.de