Bundesrat lehnt neues Onlinezugangsgesetz ab
22.03.2024 - 15:29:49Das neue Onlinezugangsgesetz (OZG 2.0) fĂŒr mehr digitale Verwaltungsdienstleistungen ist im Bundesrat gescheitert. Der Gesetzentwurf, der aus Sicht der Ampel-Koalition Vereinfachungen fĂŒr BĂŒrger und Unternehmen bedeutet hĂ€tte, erhielt in der LĂ€nderkammer nicht die erforderliche Mehrheit.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), deren Haus bei dem Vorhaben federfĂŒhrend ist, sagte: «Ich werde dem Kabinett vorschlagen, den Vermittlungsausschuss anzurufen.» Sie sei bereit, konstruktiv weiterzuverhandeln, «weil unser Land mehr digitalen Fortschritt braucht».
«Es sei sehr bedauerlich, dass die unionsgefĂŒhrten LĂ€nder im Bundesrat dem OZG 2.0 heute nicht zugestimmt haben», fĂŒgte sie hinzu. Faeser warf den unionsgefĂŒhrten LĂ€ndern vor, damit die weitere Digitalisierung und Modernisierung des Staates aufzuhalten.
Gesetz soll Koordination verbessern
Die Union wies die Kritik zurĂŒck. Der digitalpolitische Sprecher der Fraktion, Reinhard Brandl (CSU), sagte: «Die Verwaltungsdigitalisierung an den LĂ€ndern vorbeizufĂŒhren, wird niemals zu einem erfolgreichen Ergebnis fĂŒhren.» Er warf der Ampel-Koalition bei der Erarbeitung des Gesetzes «Unkenntnis der föderalen Ordnung» und handwerkliche Fehler vor. Das Ergebnis sei ein Stillstand in der Digitalisierung, der bedauerlich fĂŒr Deutschland sei.
Der parlamentarische StaatssekretĂ€r im Bundesinnenministerium, Johann Saathoff (SPD), hatte in der Sitzung des Bundesrates vergeblich mit dem Argument um Zustimmung geworben, das Gesetz sei ein «wichtiges Update einer in die Jahre gekommenen rechtlichen Grundlage» und eine gute Nachricht fĂŒr Unternehmen.
Das OZG 2.0 bezieht sich auf Bundesverwaltungen. Es soll aber auch auf die BundeslĂ€nder und Kommunen ausstrahlen. Es sieht vor, dass Bund und LĂ€nder in einem gemeinsamen Gremium in den kommenden zwei Jahren Standards entwickeln, die fĂŒr alle Beteiligten verbindlich sind. Damit soll auch verhindert werden, dass in den Verwaltungen mehrfach Software entwickelt wird, um dasselbe Problem zu lösen.
Nach dem Willen der Ampel-Koalition soll auch die Infrastruktur fĂŒr ein digitales BĂŒrgerkonto nicht mehrfach angeboten werden, sondern sich auf das zentrale Bundeskonto (Bund-ID) konzentrieren. Bislang bieten auch einzelne BundeslĂ€nder digitale BĂŒrgerkonten an.
«Dass die LĂ€nder das Gesetz im Bundesrat ablehnen, kommt ĂŒberraschend und wird die Digitalisierung der Verwaltung weiter verzögern», sagte die GrĂŒnen-Innenpolitikerin Misbah Khan. In Form einer ProtokollerklĂ€rung habe bereits «ein weitreichender Kompromiss» auf dem Tisch gelegen, dem sich die LĂ€nder nun verweigert hĂ€tten. Die Abgeordnete kritisierte: «Die Leidtragenden werden in erster Linie die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sein, die sich nach einer moderneren Verwaltung sehnen.»


