IT-Sicherheit, EZB

IT-Sicherheit: EZB fordert massive Investitionen gegen KI-Attacken

03.07.2026 - 01:13:19 | boerse-global.de

Gerichte verschĂ€rfen Haftung fĂŒr Bankkunden bei Phishing und stĂ€rken Nutzerrechte gegen Social-Media-Anbieter nach Hackerangriffen.

Phishing-Urteile: Bankkunden haften bei FahrlÀssigkeit, Plattformen in der Pflicht
IT-Sicherheit - Ein stilisiertes digitales Schloss-Symbol ĂŒber einem Netzwerk aus leuchtenden Datenströmen, im Hintergrund eine Bank. 03.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Deutsche Gerichte haben die rechtlichen Rahmenbedingungen fĂŒr Haftung bei Phishing-Angriffen und die Pflichten von Plattformbetreibern prĂ€zisiert. Bankkunden tragen bei grober FahrlĂ€ssigkeit weiterhin hohe finanzielle Risiken, wĂ€hrend soziale Netzwerke stĂ€rker in die Pflicht genommen werden.

LG Bochum: PIN-Preisgabe ist grob fahrlÀssig

Das Landgericht Bochum entschied am 11. Juni 2026 (Az. I-1 O 220/25): Banken mĂŒssen nicht haften, wenn Kunden ihre Zugangsdaten grob fahrlĂ€ssig auf betrĂŒgerischen Webseiten eingeben. Im konkreten Fall forderte eine KlĂ€gerin die Wiedergutschrift von 5.105,04 Euro, nachdem sie auf eine Phishing-SMS hereingefallen war.

Das Gericht wies die Klage ab. Die Betroffene habe deutliche Warnsignale ignoriert: Die Nachricht stammte von einer unbekannten Nummer, enthielt keine persönliche Anrede und baute massiven Zeitdruck auf. Zudem hatte die KlĂ€gerin bereits ein Jahr zuvor eine Ă€hnliche Betrugsnachricht erhalten – das Gericht setzte daher voraus, dass ihr die Gefahr bekannt war.

OLG Rostock: Plattformen mĂŒssen nach Hacks aktiv helfen

Das Oberlandesgericht Rostock stellte am 7. April 2026 (Az. 3 W 62/25) klar: Social-Media-Anbieter mĂŒssen ihre Nutzer nach einem Hackerangriff aktiv bei der Sicherung und Wiederherstellung des Kontozugangs unterstĂŒtzen.

Eine englischsprachige Standard-E-Mail mit einer Bearbeitungsnummer reicht nicht aus, so die Richter. Der Anbieter mĂŒsse nachvollziehbar kommunizieren und im Eilverfahren notfalls eine Kontosperrung veranlassen. Wegen unzureichender Kommunikation wurden die Verfahrenskosten zu zwei Dritteln dem Anbieter und zu einem Drittel dem Nutzer auferlegt.

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EZB fordert massive IT-Investitionen

Die EZB-Bankenaufseherin Claudia Buch forderte am 2. Juli 2026 vor dem EU-Parlament deutlich höhere Investitionen in die IT-Sicherheit der Kreditinstitute. Ihre BegrĂŒndung: Die Fortschritte bei KĂŒnstlicher Intelligenz – insbesondere Large Language Models – erhöhen QualitĂ€t und Frequenz von Cyber-Attacken massiv.

Die BaFin-Daten untermauern die Dringlichkeit: 2025 wurden 733 schwere IT-VorfĂ€lle gemeldet, rund 70 Prozent entfielen auf Kreditinstitute. Banken mĂŒssten ihre operative Resilienz stĂ€rken, langfristig in IT-Infrastruktur investieren und Personal aufstocken. Auch die AbhĂ€ngigkeit von Cloud-Diensten sieht Buch als Risiko.

Aktuelle Betrugswellen: BetrĂŒger passen sich an

Anfang Juli warnen Finanzinstitute und VerbraucherschĂŒtzer vor mehreren neuen Betrugswellen:

MiCA-Richtlinie als Vorwand: Krypto-Anleger erhalten gefĂ€lschte E-Mails im Namen von Plattformen wie Binance. Unter dem Vorwand der neuen EU-Regulierung sollen sie Links anklicken, um eine Kontoschließung zu verhindern. Bitpanda stellt klar: Niemals werden Kunden ĂŒber externe Links zur BestĂ€tigung aufgefordert.

Bank- und Zahlungsdienste: Die Sparkassen warnen vor Nachrichten mit dem Betreff „Neue Nachrichten in Ihrem Elektronischen Postfach“. Parallel warnt die Verbraucherzentrale vor PayPal-E-Mails, die eine SicherheitsprĂŒfung innerhalb von 48 Stunden fordern.

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Messenger-Phishing: SBU und FBI deckten eine Kampagne gegen Regierungsbeamte und MilitÀrangehörige auf. Kriminelle imitieren offizielle Service-Bots auf Signal und WhatsApp, um BestÀtigungscodes abzugreifen.

Quishing im öffentlichen Raum: In Frankfurt am Main stellte die Polizei Ende Juni manipulierte QR-Codes an Parkautomaten fest. Sie fĂŒhren zu tĂ€uschend echten Webseiten, die Kreditkartendaten abfragen.

Experten raten: Keine Links in unaufgeforderten Nachrichten öffnen, Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren und bei Verdacht sofort Bank und Polizei informieren.

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