Kaffee und Knochen: Mehr als zwei GetrĂ€nke erhöhen das HĂŒftfrakturrisiko
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
RegelmĂ€Ăiger Kaffeekonsum kann den Knochenabbau begĂŒnstigen, lĂ€sst sich jedoch durch eine ausreichende Kalziumzufuhr wirksam ausgleichen. Darauf weisen mehrere Berichte und epidemiologische Untersuchungen hin.
Das Thema gewinnt vor allem mit zunehmendem Alter an Relevanz: Bei Personen ab 50 Jahren erleidet statistisch eine von drei Frauen sowie einer von fĂŒnf MĂ€nnern eine osteoporosebedingte Fraktur. Extreme Trinkgewohnheiten können das Skelett allerdings auch in jĂŒngeren Jahren schĂ€digen.
Ein dokumentierter Fallbericht schildert eine 30-jĂ€hrige Frau, die nach HustenanfĂ€llen drei RippenbrĂŒche erlitt. Ihr Knochenalter entsprach dem einer 60-JĂ€hrigen, nachdem sie sieben Jahre lang Kaffee wie Wasser getrunken hatte.
Mechanismen im Stoffwechsel: OxalsÀure und Koffein
Die biochemische Belastung der Knochen geht auf verschiedene Inhaltsstoffe zurĂŒck. Kaffee enthĂ€lt etwa 200 Milligramm OxalsĂ€ure pro 100 Gramm Röstbohnen bezogen auf das Trockengewicht. Im fertigen KaffeegetrĂ€nk sinkt die Konzentration auf 0,9 Milligramm pro 100 Gramm, was etwa 2 Milligramm pro groĂer Tasse entspricht. In Tierversuchen hemmt OxalsĂ€ure die Kalziumaufnahme um 90 Prozent.
Hinzu kommt die Wirkung des Koffeins: Bereits eine Studie aus dem Jahr 1982 belegte, dass Koffein die Kalziumausscheidung proportional zur aufgenommenen Dosis steigert. Dennoch gilt Koffein in der Forschung lediglich als ein Risikofaktor unter mehreren, nicht als alleinige Ursache fĂŒr Osteoporose. Solange dem Körper ausreichend Kalzium zugefĂŒhrt wird, beeinflussen selbst 400 Milligramm Koffein am Tag die Knochendichte nicht nachweislich.
Altersgruppen und epidemiologische Unterschiede
Die Auswirkungen von Koffein variieren je nach Geschlecht und Lebensphase. Bei Frauen zwischen 20 und 50 Jahren lĂ€sst sich epidemiologisch kein Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und verringerter Knochendichte oder KnochenbrĂŒchen feststellen. Bei 34- bis 59-jĂ€hrigen Frauen korreliert die Zufuhr hingegen positiv mit einem erhöhten Risiko fĂŒr HĂŒftfrakturen.
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Ab einem Alter von 50 Jahren geht Kaffeekonsum mit einer signifikant verringerten Knochendichte an Speiche und Elle (distaler Radius und Ulna) einher. Bei Frauen im Durchschnittsalter zwischen 50 und 84 Jahren, die tĂ€glich mehr als zwei koffeinhaltige GetrĂ€nke konsumieren, liegt das HĂŒftfrakturrisiko um 69 Prozent höher.
Daten der US-amerikanischen Cleveland Clinic zeigen zudem geschlechtsspezifische Unterschiede. WÀhrend Cola und Kaffee die Knochendichte bei Frauen zu senken scheinen, wurde bei MÀnnern kein entsprechender Effekt festgestellt. Als mögliche Ursachen gelten ein zu geringer Milchkonsum, Koffein sowie die PhosphorsÀure in Cola, die den Knochen Kalzium entzieht. Tee zeigte in diesen Daten keinen Einfluss auf die Knochendichte.
Langzeitstudien und die ausgleichende Wirkung von Milch
Eine Langzeitstudie der Flinders-UniversitĂ€t, veröffentlicht im Journal Nutrients, untersuchte ĂŒber ein Jahrzehnt hinweg 9.704 Frauen ab 65 Jahren. Gemessen wurde die Knochendichte an Femurhals und HĂŒfte. WĂ€hrend Teekonsum mit einer höheren Knochendichte assoziiert war, fĂŒhrte ein Konsum von mehr als fĂŒnf Tassen Kaffee tĂ€glich zu niedrigeren Werten.
Ein mĂ€Ăiger Konsum von zwei bis drei Tassen zeigte dagegen keine negativen Effekte. Co-Autor Ryan Liu erklĂ€rte, dass Koffein zwar Aufnahme und Knochenstoffwechsel beeintrĂ€chtigen könne, die Effekte jedoch gering seien und sich durch die Zugabe von Milch abmildern lieĂen. Zudem könnten im Tee enthaltene Catechine die Knochenbildung fördern.
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Dass eine ausreichende Zufuhr von Kalzium oder Milch das Risiko neutralisiert, belegten bereits Studien aus den Jahren 1994 und 2006. Dies ist insbesondere mit Blick auf LÀnder mit hohem Verbrauch relevant: Laut Daten der International Coffee Organization (ICO) liegt der jÀhrliche Pro-Kopf-Verbrauch in Finnland bei 12 Kilogramm (rund zehn Tassen pro Tag), in Norwegen bei 9,69 Kilogramm und in DÀnemark bei 8,65 Kilogramm.
Mediziner raten daher zu AugenmaĂ und gezielter PrĂ€vention. Dr. Johnny Su stuft geringe Mengen als unproblematisch ein und empfiehlt, tĂ€glich maximal vier Tassen Kaffee oder zwei Dosen Cola zu trinken. Yang Dehong vom Nanfang-Krankenhaus betont, dass die Vorbeugung von Osteoporose bereits in der Jugend mit Bewegung, Sonnenlicht, Rauchverzicht und ausgewogener ErnĂ€hrung beginnen mĂŒsse.
Zur Kalziumversorgung rĂ€t er unter anderem zu viel Milch, etwa vier Flaschen tĂ€glich. KnochenbrĂŒhe sei hingegen ungeeignet; davon mĂŒssten tĂ€glich 350 bis 400 Schalen getrunken werden, um den Bedarf zu decken. Wer Osteoporose fĂŒrchtet, könne beim Kaffeetrinken auf milchhaltige Varianten wie Latte zurĂŒckgreifen.

