Kleinkinder, Bildschirmzeit

Kleinkinder und Bildschirmzeit: Studie verknüpft frühe Nutzung mit späterer Angst

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 17:56 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschungsübersichten verknüpfen digitale Mediennutzung mit schulischen, psychischen und entwicklungsbezogenen Auffälligkeiten, ohne Kausalität nachzuweisen.
Ein leerer Schreibtisch mit einem offenen Notizbuch und einem Bleistift in hellem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Auswirkungen digitaler Medien auf das Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen stehen im Mittelpunkt umfangreicher wissenschaftlicher Untersuchungen.

Zwei im September 2026 veröffentlichte Studien liefern dazu neue empirische Anhaltspunkte: Eine in der Fachzeitschrift JAMA Pediatrics erschienene Dachübersicht analysierte 23 Meta-Analysen mit Daten von mehr als 2,8 Millionen Kindern und Jugendlichen aus 64 Ländern.

Parallel dazu untersuchte eine in JAMA Network Open publizierte Arbeit aus der US-amerikanischen ABCD-Kohorte den Smartphone-Besitz bei 8.957 Heranwachsenden im Alter von zwölf Jahren.

Schulleistungen und Verhaltensauffälligkeiten im Fokus

Die in JAMA Pediatrics veröffentlichte Dacharbeit legt nahe, dass eine höhere Bildschirmzeit mit schwächeren allgemeinen schulischen Leistungen einhergeht. Nach Angaben von Sheri Madigan von der University of Calgary betrifft dies insbesondere die sprachliche Kompetenz, während sich für Mathematik, Naturwissenschaften oder das Lesen isoliert betrachtet keine statistisch signifikanten Zusammenhänge zeigten.

Zudem traten bei erhöhter Mediennutzung vermehrt internalisierende Probleme wie Ängste, Traurigkeit und sozialer Rückzug sowie externalisierende Verhaltensweisen wie Aggressivität und Verhaltensstörungen auf, begleitet von Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen.

Die Forschenden stellten fest, dass die ermittelten Assoziationen zumeist schwach ausfielen. Madigan hob hervor, dass schwach in diesem Kontext keineswegs unbedeutend bedeute: Die beobachteten Effekte seien ähnlich groß oder sogar ausgeprägter als jene des sozioökonomischen Status, des elterlichen Verhaltens oder einer Frühgeburtlichkeit.

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Smartphone-Besitz ab zwölf Jahren und Essstörungssymptome

Die Untersuchung in JAMA Network Open widmete sich den Begleiterscheinungen früher Geräteverfügbarkeit. Innerhalb der untersuchten Kohorte von 8.957 Heranwachsenden in den USA besaßen rund 70 Prozent im Alter von zwölf Jahren ein eigenes Smartphone.

Die Auswertung ergab eine statistische Assoziation zwischen dem Smartphone-Besitz mit zwölf Jahren und Symptomen von Essstörungen, darunter Binge Eating und ein stark an das Körpergewicht gekoppelter Selbstwert. Diese Zusammenhänge blieben auch zwei Jahre später noch messbar. Die Studienautoren hielten fest, dass mit diesen Befunden keine Kausalität belegt ist.

Differenzierte Betrachtung nach Altersgruppen

Die Diskussion um Medienwirkungen wird durch weitere Forschungsergebnisse zur frühen Entwicklung ergänzt. Forschende der National University of Singapore und der Forschungseinrichtung A*STAR beobachteten in der Fachzeitschrift eBioMedicine anhand der GUSTO-Kohorte von 168 Kindern, dass eine hohe Bildschirmzeit im Alter von ein bis zwei Jahren mit einer beschleunigten, jedoch ineffizienten Reifung neuronaler Netzwerke für visuelle Verarbeitung und kognitive Kontrolle einherging.

Diese Veränderungen waren mit einer langsameren Entscheidungsfindung mit 8,5 Jahren und stärkeren Angstsymptomen mit 13 Jahren assoziiert; bei einer Nutzung im Alter von drei bis vier Jahren zeigte sich dieser Effekt hingegen nicht.

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Eine in The Lancet publizierte Übersicht über 121 systematische Reviews und 52 Meta-Analysen mit rund 9 Millionen Personen zwischen null und 24 Jahren unterstreicht die Notwendigkeit altersbezogener Differenzierungen: Während im Kindesalter bis zehn Jahre vor allem die gesamte Bildschirmzeit im Fokus stehe, seien in der Jugend problematische Nutzungsmuster wie soziale Medien ausschlaggebend.

Die Pädiaterin Fidalgo Campaña betonte dazu, das Ziel wissenschaftlicher Aufklärung liege nicht in der Dämonisierung digitaler Geräte, sondern in der Verhinderung einer Verdrängung essenzieller Entwicklungserfahrungen.

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