Knochenschutz: Studie mit 40.000 Frauen findet keinen klaren Nutzen
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deKombinationsprĂ€parate, die Vitamin D und Calcium vereinen, gelten bei vielen Verbrauchern als einfache Lösung zur Vorbeugung von Knochenschwund. Doch Mediziner bewerten diese Mischung zunehmend kritisch. Prof. Dr. Ralf Oheim vom UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) rĂ€t von derartigen Kombi-PrĂ€paraten ab, da die beiden Wirkstoffe in Fertigprodukten hĂ€ufig in einem ungĂŒnstigen VerhĂ€ltnis dosiert sind.
UngĂŒnstiges DosierungsverhĂ€ltnis birgt Risiken
HandelsĂŒbliche Kombi-PrĂ€parate enthalten oft 600 bis 800 mg Calcium, jedoch lediglich 400 Internationale Einheiten (I.E.) Vitamin D. Nach den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) liegt der tĂ€gliche Bedarf jedoch bei 800 I.E. Vitamin D und 1000 mg Calcium. In der Praxis fĂŒhrt die Einnahme derartiger MischprĂ€parate daher meist zu einer Unterversorgung mit Vitamin D bei gleichzeitiger Ăberversorgung mit Calcium.
WĂ€hrend die Zufuhr von Vitamin D bis zu einer Menge von 1000 I.E. am Tag als unbedenklich gilt, können hohe Calciummengen unerwĂŒnschte Nebenwirkungen auslösen. Dazu zĂ€hlen Magen-Darm-Beschwerden sowie die Bildung von Nierensteinen.
Zudem belegt eine Studie aus dem Jahr 2025 mit ĂŒber 40.000 Probandinnen, dass die kombinierte Einnahme bei Frauen nach der Menopause weder die Knochendichte deutlich verbesserte noch das Frakturrisiko senkte.
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Zwar verliert der Mensch ab dem 30. Lebensjahr jĂ€hrlich etwa 0,5 bis 1 Prozent seiner Knochensubstanz, der Calciumbedarf lĂ€sst sich nach EinschĂ€tzung von Experten jedoch in der Regel vollstĂ€ndig ĂŒber die normale ErnĂ€hrung mit Milchprodukten, grĂŒnem GemĂŒse oder NĂŒssen decken.
Aufnahme im Körper und individuelle Dosierung
Gleichzeitig verweist die Forschung auf das komplexe Zusammenspiel beider Stoffe. Wie der Internist Dr. Heo Jin erlĂ€utert, wird isoliert eingenommenes Calcium lediglich zu 5 bis 10 Prozent im Körper resorbiert. In Kombination mit Vitamin D steige diese Resorptionsrate auf bis zu 50 bis 70 Prozent an. Nicht resorbiertes Calcium verbleibt im Verdauungstrakt und kann die Entstehung von Nierensteinen begĂŒnstigen.
FĂŒr eine optimale Verwertung kommt es zudem auf die chemische Verbindung und EinnahmemodalitĂ€ten an:
- Calciumcarbonat benötigt ausreichend MagensÀure und sollte zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
Bei bekanntem MagensÀuremangel werden Calciumcitrat oder Calciumglukonat empfohlen, da Calciumcitrat auch ohne MagensÀure resorbiert werden kann.
- Um den Körper nicht zu ĂŒberlasten, sollte eine Einzeldosis von 500 mg Calcium nicht ĂŒberschritten und die Gesamttagesdosis auf mehrere Gaben verteilt werden.
- Zwischen der Einnahme von Calcium und EisenprÀparaten wird ein Mindestabstand von zwei Stunden empfohlen.
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Medizinische Betreuung statt unkontrollierter Einnahme
Sollte tatsĂ€chlich eine Osteoporose diagnostiziert werden, reichen reine NahrungsergĂ€nzungsmittel nicht aus; in solchen FĂ€llen ist eine gezielte verschreibungspflichtige Therapie erforderlich. Auch bei der Vitamin-D-Gabe zeigt sich die regelmĂ€Ăige, niedrig dosierte tĂ€gliche Einnahme gegenĂŒber hochdosierten Injektionen im Abstand mehrerer Monate im Vorteil, da sie den Spiegel im Blut stabiler hĂ€lt.
FĂŒr eine gezielte Zufuhr empfiehlt sich vorab eine Diagnostik. Bei einem 25-OH-Vitamin-D-Bluttest gilt ein Zielwert von mindestens 30 ng/ml, wĂ€hrend Werte unter 20 ng/ml ein Ă€rztliches Eingreifen erfordern. Ohne nachgewiesenen Mangel warnen Fachleute vor einer unkritischen Dauereinnahme, da Ăberdosierungen das Herz-Kreislauf-System sowie die Nierenfunktion dauerhaft schĂ€digen können.
