Krafttraining, Psyche

Krafttraining und Psyche: 218 Studien belegen weniger depressive Symptome

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Widerstandstraining mit weniger depressiven Symptomen und Fatigue sowie besserer Belastbarkeit bei Krebserkrankungen.
Helle, minimalistische TrainingsflĂ€che mit freien Gewichten und Hanteln auf einem Holzboden in natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Gezieltes Krafttraining gewinnt in der PrĂ€vention und Therapie psychischer sowie onkologischer Erkrankungen zunehmend an Bedeutung. Aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeiten und klinische Auswertungen belegen, dass körperliches Widerstandstraining nicht nur die Muskelmasse erhĂ€lt, sondern wesentliche neurobiologische Prozesse stimuliert, depressive Symptome lindern kann und eine tragende Rolle bei der Genesung nach Krebserkrankungen spielt.

Biochemische Effekte und Wirkung auf depressive Symptome

Auf biochemischer Ebene beeinflusst Krafttraining das Gehirn ĂŒber mehrere Mechanismen: Es fördert die AusschĂŒttung von Endorphinen, Dopamin und Serotonin, wĂ€hrend das Stresshormon Cortisol gesenkt wird. Zugleich steigert das Training die Konzentration des Proteins BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor), das maßgeblich fĂŒr das Nervenzellwachstum, das GedĂ€chtnis und kognitive Funktionen verantwortlich ist.

Untersuchungen zeigen, dass Krafttraining bei leichten bis mittelschweren Depressionen eine Àhnliche Wirksamkeit wie psychologische Behandlungen oder bestimmte Antidepressiva entfalten kann.

GrĂ¶ĂŸere randomisierte kontrollierte Studien liefern dabei eine robustere Evidenz als frĂŒhere kleinere Untersuchungen. Neben der Stimmungsaufhellung verzeichnen Studien deutliche Verbesserungen beim Selbstvertrauen, dem Körperbild und der SchlafqualitĂ€t.

Eine im Fachjournal BMJ erschienene Metaanalyse aus dem Jahr 2024, die 218 randomisierte Studien mit ĂŒber 14.000 Teilnehmenden untersuchte, bestĂ€tigte diesen Trend: Bewegung reduzierte depressive Symptome deutlich, wobei neben Gehen, Joggen und Yoga insbesondere Krafttraining hervorstach, auch wenn die VerlĂ€sslichkeit etlicher Einzelbefunde methodisch eingeschrĂ€nkt bleibt.

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Der Psychiater Peter Falkai von der LMU MĂŒnchen und dem Max-Planck-Institut fĂŒr Psychiatrie verweist darauf, dass statistisch jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens eine Diagnose wie Depression, Angsterkrankung oder Demenz erhĂ€lt.

Falkai benennt Bewegung neben sozialen Kontakten, ausgewogener ErnÀhrung und ausreichendem Schlaf als eine von vier KernsÀulen der psychischen Gesundheit. Wenn Antriebs- und Freudlosigkeit lÀnger als 14 Tage ohne erkennbaren Auslöser anhalten, sei eine Àrztliche AbklÀrung zwingend geboten.

Effekte bei Angststörungen und methodische Grenzen

Auch im Kontext von Angst- und stressbezogenen Belastungen zeigt körperliches Training messbare Wirkungen. Eine gepoolte Analyse von sieben randomisierten Studien mit 322 erwachsenen Teilnehmenden ĂŒber acht Studienarme dokumentierte, dass sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining Angstsymptome signifikant verringern konnten.

Bemerkenswert war das Hauptergebnis: Es zeigten sich keine statistisch signifikanten interindividuellen Unterschiede, was gegen eine strikte Trennung in sogenannte Responder und Non-Responder spricht.

Die beteiligten Forscher leiteten daraus ab, dass sich die klinische Praxis an allgemeinen Bewegungsempfehlungen orientieren könne, schrÀnkten jedoch ein, dass die Datenbasis von 322 Probanden vergleichsweise klein sei.

UnterstĂŒtzung in der Onkologie und Krebsnachsorge

In der Onkologie rĂŒckt körperliche AktivitĂ€t ebenfalls in den Mittelpunkt der Nachsorge. Nach Angaben von Narjara Baltazar gehört krebsbedingte Fatigue (FRC) zu den hĂ€ufigsten und belastendsten Folgen einer Tumortherapie.

Untersuchungen von Forschern wie Mustian (2017), Campbell (2019) und Fernandez-Rodriguez (2023) belegen, dass Bewegung Fatigue lindern, die funktionelle KapazitÀt steigern, Schmerzen reduzieren und das psychische Wohlbefinden heben kann.

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Das National Cancer Institute verweist auf klare Evidenz, wonach kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining ErschöpfungszustĂ€nde, Ängste und depressive Episoden wĂ€hrend sowie nach einer Krebsbehandlung mindert.

Eine Metaanalyse mit ĂŒber 1,5 Millionen Krebspatienten aus dem Erhebungszeitraum 2000 bis 2024 zeigte zudem, dass supervidiertes Training lebensverlĂ€ngernd wirkt und therapiebedingte Nebenwirkungen abmildert. Clara Luz PĂ©rez Quiroga von der UniversitĂ€t UPAEP fordert vor diesem Hintergrund eine feste Einbindung von Physiotherapeuten in onkologische Behandlungsteams.

Speziell nach Brustkrebsbehandlungen wirkt Widerstandstraining dem Abbau von Muskelmasse (Sarkopenie), Osteoporose und Gewichtszunahme entgegen. Es senkt langfristig das Sturz- und Frakturrisiko und stĂ€rkt das Selbstbewusstsein. Hinsichtlich einer RezidivprĂ€vention existieren Hinweise, endgĂŒltige Aussagen erfordern jedoch weitere Forschung.

Klinische Richtlinien fĂŒr die Trainingspraxis

Institutionen formulieren klare Rahmenbedingungen fĂŒr das Training. Die American Cancer Society empfiehlt pro Woche 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive AktivitĂ€t, kombiniert mit mindestens zwei Krafttrainingseinheiten wöchentlich. Laut dem Lipson Cancer Institute sollte sich die IntensitĂ€t stets an der konkreten Diagnose, dem Behandlungsstand und der Verfassung der Patienten ausrichten.

Die Strahlenonkologin Sheema Chawla von Rochester Regional Health betont, dass BewegungsplĂ€ne gemeinsam mit dem behandelnden Team erstellt werden mĂŒssen, da akute Erkrankungsphasen oder starke Nebenwirkungen Ruhephasen verlangen. Parameter wie Blutwerte, Knochengesundheit und MobilitĂ€t seien maßgeblich.

FĂŒr einen sicheren Einstieg raten Experten zu einer Ă€rztlichen VorabklĂ€rung und professioneller Begleitung. Das Training sollte schrittweise mit geringen Gewichten oder dem eigenen Körpergewicht ĂŒber 10 bis 15 Wiederholungen aufgebaut werden, verteilt auf zwei bis drei Einheiten pro Woche mit Ruhetagen.

Besondere Vorsicht ist nach operativen Eingriffen mit Lymphknotenentfernung oder bei bestehenden Lymphödemen geboten. Zu Beginn empfehlen sich niedrigintensive Bewegungsformen wie Dehnungen, klinisches Pilates oder AtemĂŒbungen.

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