Lebensmittel-Parasiten, Millionen

Lebensmittel-Parasiten: 171 Millionen Erkrankungen jährlich

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lancet-Studie beziffert weltweite Parasiteninfektionen auf 277 Millionen Fälle. Aktuelle Ausbrüche in USA, Kanada und Frankreich belasten Gesundheitssysteme.

Parasiten-Studie: 277 Millionen Infektionen und aktuelle Ausbrüche 2026
Nahaufnahme von frischen, rohen Lebensmitteln wie Fisch und Gemüse auf einer rustikalen Holzküche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine im August 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet Global Health veröffentlichte Studie beleuchtet das Ausmaß weltweiter Erkrankungen durch invasive Parasiten. Die Untersuchung, die Daten aus dem Zeitraum von 2000 bis 2021 auswertet, beziffert die Zahl der Infektionen auf insgesamt 277 Millionen. Davon entfallen laut den Forschungsergebnissen rund 171 Millionen Fälle auf die Übertragung durch Lebensmittel.

Massive Auswirkungen auf die globale Gesundheit

Die gesundheitliche Belastung durch diese parasitären Infektionen wird in der Studie mit 4,89 Millionen sogenannten DALYs (Disability-Adjusted Life Years) angegeben. Diese Kennzahl beschreibt die durch Krankheit oder vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre. Als Hauptursachen für diese hohe Krankheitslast identifizierten die Autoren vor allem den Schweinebandwurm (Taenia solium) sowie den Chinesischen Leberegel (Clonorchis sinensis).

Die regionale Verteilung zeigt deutliche Unterschiede in den Schwerpunkten der Belastung. Während in Amerika insbesondere die Chagas-Krankheit eine führende Rolle einnimmt, ist der afrikanische Kontinent primär von der Neurozystizerkose betroffen, einer durch Bandwurmlarven ausgelösten Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stützen diese Daten und gehen ebenfalls von jährlich 171 Millionen Erkrankungen durch lebensmittelbedingte Parasiten aus. Betroffen seien demnach vor allem einkommensschwache Bevölkerungsgruppen.

Spezifische Risiken durch trematodenbedingte Infektionen

Bereits im Mai 2021 veröffentlichte Daten der WHO wiesen darauf hin, dass lebensmittelbedingte Trematodeninfektionen (Saugwürmer) jährlich etwa 2 Millionen DALYs verursachen. Bei über 200.000 dokumentierten Erkrankungen pro Jahr führen diese Infektionen zu mehr als 7.000 Todesfällen.

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Diese Erreger gelten vor allem in Ostasien und Südamerika als endemisch. Die Übertragung erfolgt laut Fachleuten vorwiegend durch den Verzehr von rohem Fisch, Krebstieren oder kontaminierten Wasserpflanzen.

In Europa rückt zudem der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) verstärkt in den Fokus. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) belegen einen Anstieg der gemeldeten Fälle in Deutschland. Während im Jahr 2001 lediglich 11 Infektionen registriert wurden, stieg diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf 53 Fälle an.

Die Infektion befällt in 99 Prozent der Fälle die Leber und kann unbehandelt tödlich verlaufen. Hauptverbreitungsgebiete innerhalb Deutschlands sind Bayern und Baden-Württemberg, wo schätzungsweise jeder dritte bis vierte Fuchs infiziert ist.

Aktuelle Ausbrüche im Sommer 2026

In den vergangenen Monaten des Jahres 2026 kam es in verschiedenen Regionen zu signifikanten Häufungen parasitärer Infektionen. In den USA meldeten die Gesundheitsbehörden CDC und FDA einen massiven Ausbruch von Cyclospora-Infektionen.

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Bis zum 20. August 2026 wurden landesweit 31.972 Fälle registriert, die mit 828 Hospitalisierungen und zwei Todesfällen in Verbindung gebracht wurden. Ein erheblicher Teil dieser Fälle, über 10.000 Infektionen, wurde auf verunreinigten Salat eines Zulieferers zurückgeführt, der unter anderem in Schnellrestaurantketten in fünf Bundesstaaten verwendet wurde.

Auch aus Kanada und Frankreich wurden im Verlauf des Jahres 2026 vermehrt Fälle gemeldet. In der Provinz Quebec registrierten Behörden 223 Cyclosporiasis-Fälle, deren Ursprung zunächst unklar blieb. In Frankreich stieg die Zahl der Kryptosporidiose-Fälle von Januar bis September 2026 auf 166 an, was einen deutlichen Anstieg gegenüber dem üblichen Durchschnitt von etwa 20 Fällen darstellt.

Hier wurden zwei Ausbrüche mit insgesamt 76 Betroffenen identifiziert, die laut Expertenberichten auf den Konsum von Rohmilch-Ziegenkäse und abgepacktem Feldsalat zurückzuführen waren. Als Erreger wurde Cryptosporidium parvum festgestellt, wobei besonders Kinder im Alter von eins bis fünf Jahren zur Risikogruppe zählen.

Neben der oralen Aufnahme über Lebensmittel bleibt auch die Exposition über Wasser ein Risikofaktor. Ein im August 2021 dokumentierter Fall einer Infektion mit Naegleria fowleri in Louisiana unterstreicht die Gefährlichkeit bestimmter Amöbenarten, die eine Sterblichkeitsrate von bis zu 99 Prozent aufweisen können. Forscher beobachten in diesem Zusammenhang, dass der Klimawandel die Lebensräume solcher wärmeliebenden Erreger zunehmend vergrößert.

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