Lieferketten-Transparenz: 48% der Unternehmen kennen ihre Lieferanten
23.06.2026 - 02:51:53 | boerse-global.de
Das zeigt der Global Value Chains Outlook 2026 des Weltwirtschaftsforums. Gleichzeitig beziffert Accenture die jährlichen Umsatzverluste durch Lieferkettenstörungen auf über 1,6 Billionen USD. Die Folge: Transparenz und Nachhaltigkeit werden wirtschaftlich immer relevanter.
EU-Vorschriften treiben die Transformation
Die EU-Richtlinie (EU) 2024/825, bekannt als EmpCo-Richtlinie, macht konkrete Nachweise für Umweltaussagen zur Pflicht. Pauschale Begriffe wie „klimaneutral“ werden ohne Belege riskant. Parallel dazu führt die EU-Ökodesign-Verordnung digitale Produktpässe ein – ab 2027 für Batterien, ab 2028 für Textilien und Elektronik.
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Dimension Market Research prognostiziert für diesen Bereich ein Wachstum von 379 Millionen USD auf 6,34 Milliarden USD bis 2035. An der Universität Paderborn entwickelt das Forschungsprojekt iPassPro bereits KI-gestützte Lösungen, die bis 2029 einsatzbereit sein sollen.
Mehr Transparenz – aber nur auf der ersten Ebene
Der Anteil der Unternehmen mit Einblick in mehr als 75 Prozent ihrer direkten Lieferanten stieg von 27 Prozent (2024) auf 48 Prozent (2026). In tieferen Ebenen sieht es düsterer aus: Nur 12 Prozent der Organisationen haben Informationen zu mehr als der Hälfte ihrer Tier-2-Lieferanten.
Einige Unternehmen gehen voran. Symrise erhielt am 22. Juni 2026 vom CDP die Bestnote „A“ für sein Lieferkettenengagement. Das Unternehmen nutzt die Plattform „Houston“ zur Echtzeitanalyse von CO?-Daten und plant bis 2028 einen umfassenden Transformationsplan für nachhaltige Rohstoffe. Auch Vusion bekam am selben Tag die Bestnote „A“ für die Dekarbonisierung seiner Lieferkette.
Im Mittelstand zeichnet sich ein Trend zu integrierten Lösungen ab. IntegrityNext und leadity gaben am 22. Juni 2026 eine strategische Partnerschaft bekannt. Sie bündeln ESG-Management und Lieferkettenrisikomanagement in einem System. Bereits am 18. Juni kündigten T-Systems und SupplyOn eine Partnerschaft an, um KI-Dienste für Industriebetriebe über eine Cloud-Plattform in München bereitzustellen.
Nachhaltigkeitsberichte und Emissionssenkungen
Die Hahn Gruppe veröffentlichte am 22. Juni 2026 ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht für das Geschäftsjahr 2025. Das Unternehmen kommt damit der gesetzlichen Pflicht zuvor, die für das Geschäftsjahr 2027 greift.
UPM Adhesive Materials konnte die Intensität seiner Scope-1- und Scope-2-Emissionen 2025 im Vergleich zu 2015 um 58 Prozent senken. Seit Ende 2023 stammen zudem alle eingekauften Papierrohstoffe aus zertifizierten Quellen.
Amazon sicherte sich am 22. Juni 2026 über einen Stromabnahmevertrag mit Skyborn Renewables 600 MW aus dem deutschen Offshore-Windpark Gennaker. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 3 Milliarden Euro soll bis Ende 2028 in Betrieb gehen – es ist der größte Einzelvertrag dieser Art in Deutschland.
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Neue Wege in Logistik und Materialstandards
MAN testet seit dem 22. Juni 2026 gemeinsam mit Partnern die Reservierung von Lkw-Ladepunkten an Standorten wie München und Nürnberg. Ziel ist eine bessere Planbarkeit für Elektrolastkraftwagen im Werksverkehr.
Bei der Standardisierung nachhaltiger Materialien gibt es Diskussionen über die Messmethodik. Der Bundesverband Sekundärrohstoffe (bvse) und die Circular Metal Association lehnten am 22. Juni 2026 eine sogenannte „Sliding Scale“ für ein europäisches Green-Steel-Label ab. Die Verbände fordern eine Kennzeichnung, die ausschließlich auf dem tatsächlichen CO?-Fußabdruck basiert – um Greenwashing zu vermeiden.
