MASLD-Tests, Studie

MASLD-Tests: Studie mit 1.590 Patienten vergleicht 30 Verfahren

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 19:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Analyse mit 1.590 Patienten zeigt hohe Testgenauigkeit bei fortgeschrittener Fibrose, aber Schwächen in frühen Krankheitsphasen.
Moderne medizinische Laborausstattung für die diagnostische Analyse in einem klinischen Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) entwickelt sich weltweit zu einer der verbreitetsten chronischen Erkrankungen. Nach Angaben des LITMUS-Konsortiums betrifft sie bis zu jeden dritten Erwachsenen weltweit, bei Personen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes sogar bis zu sieben von zehn.

In den USA wird der Anteil der Betroffenen auf ein Drittel geschätzt, während rund 5 Prozent an der entzündlichen Verlaufsform MASH leiden. Bislang sind in den USA mit Rezdiffra (Resmetirom) und Wegovy (Semaglutid) lediglich zwei Medikamente mit beschleunigter Zulassung für nichtzirrhotische MASH mit F2- bis F3-Fibrose zugelassen.

Die nicht-invasive Erfassung relevanter Krankheitsstadien bleibt daher eine zentrale klinische Herausforderung. Eine am 31. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte Hauptstudie des europäischen LITMUS-Konsortiums liefert nun einen systematischen Leistungsvergleich nicht-invasiver Testverfahren.

Vergleichende Analyse bei 1.590 Patienten

Für die von Vali et al. publizierte Hauptstudie untersuchten Forscher 30 Biomarker und Testkombinationen, darunter 12 Einzelmarker und 18 Panels. Die Kohorte umfasste 1.590 Patientinnen und Patienten mit bioptisch verifizierter MASLD, die zwischen 2018 und 2023 in 37 spezialisierten Leberzentren in 13 Ländern Europas und den USA rekrutiert worden waren.

Innerhalb der Studienpopulation wiesen 609 Personen (38 Prozent) eine Risiko-MASH auf, 678 (43 Prozent) hatten MASH, 585 (37 Prozent) eine fortgeschrittene Fibrose und 164 (10 Prozent) eine Leberzirrhose.

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Die Resultate verdeutlichen, dass nicht-invasive Tests insbesondere in fortgeschrittenen Krankheitsphasen eine hohe Treffsicherheit erreichen. Bei fortgeschrittener Fibrose erzielte SomaSignal eine AUC von 0,92 beziehungsweise 0,93, gefolgt von FibroMeter-VCTE mit 0,87 sowie Agile 3+ und dem Einzelmarker TSP2 mit jeweils 0,84. Zur Erkennung einer Zirrhose erreichten FibroMeter-VCTE eine AUC von 0,94, SomaSignal 0,92 und Agile 3+ 0,88. Auch die Tests ELF und ADAPT übertrafen die Schwellenwerte für das Vorliegen einer Zirrhose.

Der an der Universitätsmedizin Mainz erforschte Einzelmarker TSP2, ein Bindegewebsprotein, erreichte für Fibrose und Zirrhose einen Wert von 0,84 und gilt damit als aussichtsreicher Kandidat zur Beurteilung fortgeschrittener Fibrosen und MASH mit Risiko.

Für das LITMUS-Konsortium, das von der Initiative IMI2-JU mit 34 Millionen Euro gefördert wird, bestehen zwei internationale Biomarkerpatente, zu denen auch TSP2 zählt. Auf Mainzer Seite waren die Forscher Detlef Schuppan, Sudha Myneni, Rambabu Surabattula, Jörn Schattenberg und Beate Straub an der Entwicklung beteiligt.

Herausforderungen bei Frühstadien und künftige Pfade

Deutliche Limitationen zeigten sich hingegen bei früheren Krankheitsstadien. In Phasen ohne Fibrosierung erreichte kein getestetes Verfahren den Schwellenwert von 0,8. Bei der Identifikation einer Risiko-MASH übertraf lediglich SomaSignal diesen Richtwert mit einer AUC von 0,83. Wie Studienleiter Quentin Anstee von der Newcastle University darlegte, stünden für fortgeschrittene Vernarbungen und Zirrhosen zwar verlässliche Werkzeuge bereit, das Erfassen der aktiven Entzündung bleibe jedoch anspruchsvoller.

Hinsichtlich des Erstscreenings zeigte der Laborwert GGT nach Analysen der Newcastle University bessere Resultate als der etablierte FIB-4-Index, was allerdings noch unabhängig bestätigt werden muss.

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Ein zweistufiger Diagnosepfad mit GGT als Primärfilter und nachfolgendem ELF oder FibroScan erreichte die Genauigkeitsziele für fortgeschrittene Fibrose und Risiko-MASH. Dieser Ansatz bedarf weiterer Validierung; nach den Leitlinien der Fachgesellschaften AASLD und EASL aus dem Jahr 2024 bleibt FIB-4 vorerst der empfohlene erste Test.

Zusätzliche Daten aus der am 29. Oktober 2026 in Nature Medicine publizierten Bildgebungsstudie der University of Oxford an über 350 Patienten unterstreichen zudem, dass die MR-Elastographie eine höhere Genauigkeit als der FibroScan aufweist. Trotz der Fortschritte bei Blut- und Bildgebungsverfahren bleibt die Leberbiopsie für klinische Studien und diagnostisch unklare Konstellationen weiterhin unverzichtbar.

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