Mentales Abschalten: 78 Prozent der BerufstÀtigen fÀllt es schwer
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deFĂŒr viele FĂŒhrungskrĂ€fte liegt das zentrale Problem im Berufsalltag nicht primĂ€r in der reinen Arbeitszeit, sondern im Mangel an mentaler Trennung. Diesen Aspekt des psychologischen Abstands diskutierte das Wirtschaftsmagazin Forbes Japan in einem Bericht vom 4. November 2026. Fehlt die FĂ€higkeit, nach Feierabend gedanklich loszulassen, leidet die ErholungsqualitĂ€t drastisch.
Aktuelle Forschungsergebnisse und Erhebungen verdeutlichen, wie schwer diese Abgrenzung vielen BeschÀftigten fÀllt und welche Mechanismen helfen können.
Die Bedeutung des mentalen Abschaltens
Die Organisationspsychologin Sabine Sonnentag verweist darauf, dass Personen, die auĂerhalb der Arbeitszeit mental abschalten, am Folgetag ein höheres Energieniveau, eine bessere Stimmung sowie eine gesteigerte LeistungsfĂ€higkeit aufweisen. Dennoch fĂ€llt dieser Schritt vielen schwer. Nach Erkenntnissen der Forscher Masicampo und Baumeister verbleiben unerledigte Ziele so lange im Kopf, bis ein konkreter Plan fĂŒr deren Umsetzung ausgearbeitet ist.
Die Verbreitung dieses Problems belegt eine Befragung unter 1.000 BerufstĂ€tigen in Europa im Rahmen der Erhebung âPerspectivas profesionales 2026â von miCVideal.
Laut dem Bericht vom 3. November 2026 gaben 78 Prozent der Befragten an, dass ihnen das mentale Abschalten schwerfalle; 41 Prozent berichteten, dies sei oft oder immer der Fall. Zudem arbeiten 88 Prozent auĂerhalb der regulĂ€ren Arbeitszeit, davon 58 Prozent mehrmals pro Woche oder hĂ€ufiger. Im Urlaub prĂŒfen 63 Prozent berufliche Belange.
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Als HauptgrĂŒnde fĂŒr die Erreichbarkeit auĂerhalb der Arbeitszeiten nannten die Teilnehmer eine fehlende Vertretung (30 Prozent), Erwartungen seitens der Vorgesetzten (28 Prozent) sowie eine hohe Arbeitslast (27 Prozent).
Zwar gaben 87 Prozent an, dass Unternehmen das Recht auf Nichterreichbarkeit respektieren, dennoch arbeiteten 85 Prozent bereits trotz Krankheit, anstatt sich krankzumelden â 30 Prozent davon hĂ€ufig. Ăberdies empfanden 53 Prozent SchuldgefĂŒhle oder Angst bei der Einreichung eines Urlaubsantrags.
Neurowissenschaftliche Folgen fehlender Regeneration
Die neurowissenschaftliche Perspektive unterstreicht die Notwendigkeit kontinuierlicher Erholung. Teresa Cramer vom Massachusetts Institute of Technology betonte laut einem Bericht vom 3. November 2026, dass das Gehirn Belastungen nicht beliebig anhÀufen und am Wochenende einfach wegschlafen könne.
Je lÀnger und intensiver die Belastung andauere, desto mehr Regeneration sei erforderlich; ein einzelner freier Sonntag gleiche vorangegangene Wochen nicht aus.
Chronische Belastung senke die PlastizitÀt im Hippocampus, beeintrÀchtige den prÀfrontalen Kortex und erhöhe die ReaktivitÀt der Amygdala. Zudem könne das menschliche Gehirn kein echtes Multitasking bewÀltigen, da sogenannte Wechselkosten Energie verbrauchen. Sinnvoll seien gezielte Mikropausen, etwa ein kurzer Blick aus dem Fenster oder Bewegung im Rhythmus ohne die Aufnahme neuer Informationen.
Die permanente digitale PrĂ€senz verstĂ€rkt die Belastung zusĂ€tzlich. Eine Befragung der IU Internationalen Hochschule aus dem Jahr 2026 zeigte, dass 81 Prozent der Befragten mindestens ein- bis zweimal pro Stunde auf ein digitales GerĂ€t blicken, selbst wenn keine Benachrichtigung eingegangen ist. 44 Prozent beschrieben ihren Kopf als dauerhaft auf Stand-by, wĂ€hrend 56 Prozent den Wunsch Ă€uĂerten, hĂ€ufiger offline zu sein.
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Routinen und Reibungspunkte fĂŒr den Feierabend
Um die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben wiederherzustellen, skizziert Forbes Japan praktische HandlungsansĂ€tze. Empfohlen wird eine etwa zehnminĂŒtige Abschlussroutine zum Arbeitsende: Unerledigte Aufgaben werden aufgeschrieben, der jeweils nĂ€chste Schritt samt Zeitpunkt notiert, der Kalender geprĂŒft und die Phase mit einem festen Abschlusssatz beendet.
Zudem wird geraten, bewusste HĂŒrden und Reibungspunkte fĂŒr digitale ArbeitskanĂ€le einzurichten. Dazu zĂ€hlen das Löschen von geschĂ€ftlichen E-Mail-ZugĂ€ngen auf dem privaten Smartphone, das Deaktivieren von Benachrichtigungen, getrennte Browserprofile sowie das Laden des Mobiltelefons auĂerhalb des Schlafzimmers.
FĂŒr eine wirksame Regeneration eignen sich absorbierende AktivitĂ€ten wie Sport, Kochen, Musik oder der Aufenthalt in der Natur. Ein schrittweiser Einstieg â beginnend mit einem offline verbrachten Abend pro Woche bis hin zu einem halben Wochenendtag â erleichtert die Umstellung, wobei aufkommende SchuldgefĂŒhle als bloĂes Hintergrundrauschen betrachtet werden sollten.
